EU-Kommission unzufrieden mit Elektroauto-Dienstwagen
Brüssels Spitzenbeamte hadern mit der Reichweite ihrer E-Autos

Die EU-Kommissare pendeln regelmäßig zwischen Brüssel und Straßburg – doch viele beklagen, ihre elektrischen Dienstwagen würden die Distanz nicht mit einer Akkuladung bewältigen. Hier ihre Beschwerde!
Bild: Alicia Windzio
- Sebastien Starcevic
- Gerardo Fortuna
440 Kilometer lang ist die Strecke zwischen Brüssel, dem Sitz der Europäischen Kommission, und Straßburg, wo das EU-Parlament tagt. Offenbar zu lang für die elektrischen Dienstwagen der EU-Kommissare: Laut BILD (AUTO BILD gehört zur BILD-Gruppe) haben sich Spitzenpolitiker mehrfach darüber beschwert, dass sie auf der Durchreise in Luxemburg an einem Rasthof stoppen und 20 bis 30 Minuten an der Ladestation verbringen müssen.
Aus der etwa fünfstündigen Fahrt im Elektroauto werde so ein noch längerer Trip, zitiert die Zeitung Mitarbeiter aus insgesamt acht Kabinetten der EU-Kommission. Die Batterien der großen Pkw halten offenbar für die Distanz zwischen den beiden Standorten nicht zuverlässig ausreichend Energie vor. Anders gesagt: Die Reichweite der E-Autos kommt an Grenzen.
Welche Fahrzeugtypen bzw. Motorisierungen die EU-Kommission im Fuhrpark hat, ist im Detail nicht bekannt. Es handele sich teilweise um große BMW-Limousinen.
Ein Blick in die technischen Daten der elektrischen Oberklasse BMW i7 verrät: Die kleinste Ausführung eDrive 50 kommt in der ursprünglichen Motorisierung (bis 2026) mit einem 101,7 kWh großen Akku, der nach Norm bis zu 611 km Reichweite ermöglicht. Bei schnellem Fahren steigt der Verbrauch stark an, sodass es auf der beschriebenen Distanz eng werden kann.
Langsamfahren verlängert die Reise erheblich
Darauf hingewiesen, dass herabgesetzte Geschwindigkeit auf der Autobahn das Problem lösen könnte, war die Antwort eines Betroffenen: "Aber das funktioniert nicht wirklich." Hintergrund: Die fünfstündige Fahrt im E-Auto könnte sich dann auf bis zu sieben Stunden ausdehnen, berichtet ein Mitarbeiter der EU-Kommission. In Belgien gilt ein Autobahn-Tempolimit von 120, in Frankreich von 130 km/h.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fährt kein E-Auto: Gepanzerte Fahrzeuge in der Größe sind nicht verfügbar.
Bild: Chris Emil Janssen
Insbesondere nach langen Sitzungswochen, wenn die Kommissare spätabends so schnell wie möglich nach Brüssel in ihre Unterkünfte zurückwollen, sei die Verzögerung nicht hinnehmbar. Mit der Bahn fahren wollen die EU-Politiker auch nicht, weil sie dort keine vertraulichen Telefonate führen können.
Drei EU-Kommissare wichen auf Kleinbus aus
Der Frust ist offenbar groß: Der ungarische Kommissar Olivér Várhelyi habe deswegen zeitweise sogar auf seinen elektrischen Dienstwagen verzichtet und sei mit zwei Kollegen in einem Kleinbus gependelt.
Die EU-Kommission hat 2022 elektrische Dienstwagen beschafft, um ihrerseits für nachhaltige Mobilität zu sorgen. Bis 2027 soll die gesamte Flotte mit 128 Fahrzeugen emissionsfrei sein. Derzeit fahren rund 80 Prozent der Wagen im Pool elektrisch.
Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen selbst ist von dem Phänomen offenbar nicht persönlich betroffen. Ihr Fahrzeug müsse aus Sicherheitsgründen gepanzert sein, sagte ein Beamter. Ein gepanzertes Elektromodell stehe derzeit nicht zur Verfügung.
Fazit
Hoch bezahlte EU-Spitzenpolitiker beschweren sich über eine halbe Stunde Ladepause ihrer elektrischen Dienstwagen, das sorgt für ein gewisses Geschmäckle. Noch pikanter: Eben genau diese EU möchte allen Bürgern ab 2035 fast ausnahmslos Elektroautos verordnen. Aber: 2035 ist noch weit weg – bis dahin rollen E-Autos mit deutlich mehr Reichweite und kürzeren Ladezeiten auf die Straße. Allzu hämisch sollte man den EU-Kommissaren gegenüber also nicht sein – aber ein bisschen schmunzeln darf man schon.
Service-Links









