Die Irankrise ist zur Energiekrise geworden – und hat viele Autokäufer neu auf das Elektroauto blicken lassen. Der wertvollste DAX-Konzern hat sich schon entschieden, setzt sein eigenes Verbrenner-Verbot um. Und zwar neun Jahre vor dem Stichtag 2035: Seit dem 1. Januar 2026 erlaubt das globale Softwareunternehmen SAP seinen Mitarbeitern nur noch E-Autos als Dienstwagen. Keine Diesel, keine Benziner und auch keine Plug-in-Hybride.
Nach dem ersten halben Jahr zieht das Unternehmen eine "sehr positive Bilanz", so Steffen Krautwasser, Head of Global Fleet & Travel Solutions von SAP. Was sind die Gründe für die erfolgreiche Umsetzung? "Viele neue BEV-Modelle der Hersteller, die schnelle Ladezeiten und große Reichweiten möglich machen", so der Fuhrpark-Chef des Unternehmens. Wichtig sei außerdem die lange Vorbereitungszeit für die Belegschaft gewesen.
SAP hat einen der größten Firmenwagen-Fuhrparks Deutschlands, wie Firmensprecher Björn Emde gegenüber AUTO BILD bestätigt. "Unser Bestand in Deutschland umfasst um die 19.000 Fahrzeuge." Davon seien bereits mehr als ein Drittel elektrisch.

Bis Ende 2030 will SAP klimaneutral sein

Bis 2030 will der Spezialist für Unternehmens- und Cloud-Software klimaneutral sein. Daher wurde bereits zum Jahreswechsel die Firmenwagen-Regelung umgestellt, denn alle Dienstwagen im SAP-Fuhrpark laufen vier Jahre, bis sie an die Leasinggeber des Unternehmens zurückgehen.
Ist das eine mutige Entscheidung? "Diese Vokabel würde ich anderen überlassen, es ist eher rational", sagt Steffen Krautwasser. Er hebt hervor: Es gehe hier nicht um ein "Bauchgefühl" oder eine "Laune" – für den Konzern mit über 100.000 Mitarbeitern spielen neben der Nachhaltigkeit nicht zuletzt die Kosten eine Rolle.

Hohe Kosteneinsparungen durch E-Mobilität

"Inzwischen sind Elektroautos günstiger als Verbrenner", so Krautwasser, der bisher einen Plug-in-Hybrid als Dienstwagen fährt und demnächst ebenfalls auf ein E-Auto umsteigen wird. Die gestiegenen Spritkosten aufgrund des Irankriegs spielen dem Unternehmen noch in die Karten. Wie viel hat SAP durch die Umstellung gespart? "Konkrete Einsparungen lassen sich in einem so dynamischen Umfeld kaum isoliert beziffern", sagt Krautwasser. Zu viele Faktoren würden zusammenwirken – von Energiepreisen bis hin zur Entwicklung von Restwerten.
Insgesamt seien die Einsparungen signifikant. Krautwasser: "Die Elektrifizierung reduziert strukturell unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und verbessert nachhaltig die Gesamtkosten unserer Flotte. Genau dieser systemische Ansatz steht im Mittelpunkt unserer Strategie."

Geschäftsreisen im E-Auto bis 500 km

Der Nutzwert von Elektroautos stehe dem von Diesel- und Benzinfahrzeugen in nichts nach. Zumindest, was die Anforderungsprofile von SAP-Mitarbeitern angeht. "Man hat freie Wahl der Verkehrsmittel, aber bei Dienstreisen ist bevorzugt die Bahn zu nutzen", zitiert Krautwasser die betreffende Unternehmens-Richtlinie.
Steffen Krautwasser SAP Globaler Fuhrparkmanager
Steffen Krautwasser ist globaler Fuhrparkchef von SAP.
Bild: SAP
In der Regel würden Dienstwagen für die Fahrten ins Büro genutzt, das seien bei SAP "etwa 50 km pro Tag, zuzüglich 30 km Privatfahrt". So weit die Statistik. Für Geschäftsreisen rechnet Krautwasser mit 350 bis 500 km Distanz. "Das ist inzwischen überhaupt kein Problem für Elektroautos, die Reichweiten von 400 bis 450 km bieten."

Ladestopps wirken entschleunigend

Und sollte wirklich einmal eine längere Tour notwendig sein, sind Ladestopps ausdrücklich erwünscht: "Nach drei bis vier Stunden empfiehlt sich ohnehin eine Pause, die man während des Ladens am Rasthof für Erfrischung, Kaffee, E-Mails checken nutzen kann." Nutzungsprofile von typischen Firmenvertretern, die 1000 km pro Tag abspulen, gebe es bei SAP nicht.
Krautwasser: "Natürlich erfordert der Umstieg zunächst ein Umdenken – etwa bei der Reichweitenplanung oder im Umgang mit Ladeinfrastruktur. Doch sobald diese neue Routine sitzt, überwiegen die Vorteile klar."
Er kann den notwendigen Ladestopps sogar etwas Gutes abgewinnen: "Auch sie verändern das Reisen: bewusster, entschleunigter."

Strategische Planung schon seit 2021

Der Software-Konzern hat die Umstellung seit Jahren strategisch geplant: Bereits 2021 wurden die Weichen gestellt. Doch die Arbeit an der epochalen Wende begann schon vor zehn Jahren. "Damals haben wir uns erstmals mit E-Mobilität beschäftigt", berichtet der Fuhrparkmanager. Erstmals wurden Elektromodelle in den Dienstwagen-Katalog aufgenommen.
Die ersten Nutzer seien Pioniere gewesen: "Ladeinfrastruktur war noch nicht wirklich vorhanden, auch unsere Geschäftsstellen hatten noch keine Ladestationen." Doch die Rückmeldungen seien überwiegend positiv gewesen. Inzwischen ist E-Mobilität machbar, gibt sich Krautwasser überzeugt. Reichweiten, Ladenetz und technische Zuverlässigkeit seien mehr als ausreichend.

So wird die Umstellung auf elektrische Firmenwagen zum Erfolg

1. Reichweiten realistisch einschätzen

WLTP-Werte geben eine Orientierung, aber entscheidend ist der eigene Alltag. Pendelstrecken, Fahrprofil – und vor allem die Frage: Wie oft fahre ich wirklich lange Strecken, und wie lang sind diese tatsächlich?

2. Lade-Ökosystem ganzheitlich denken

Erfolgreiche Elektromobilität entsteht im Zusammenspiel – zu Hause, am Arbeitsplatz und unterwegs. Genau deshalb investieren wir gezielt in Infrastruktur, weil sie der Schlüssel zur Nutzerakzeptanz ist. Und ganz praktisch: Unterwegs lohnt sich der Blick nach attraktiven Ladeorten.

3. Gesamtkosten im Blick behalten

Nicht nur der Anschaffungspreis zählt. Betriebskosten, steuerliche Aspekte und Restwerte spielen eine zentrale Rolle – im Unternehmen wie privat. Der Blick auf die Gesamtkalkulation lohnt sich sehr.

4. Typische Fehler vermeiden

Da gibt es einige: überdimensionierte Batterien ohne echten Bedarf, fehlende Lade-Strategien im Alltag oder Entscheidungen, die sich zu stark an einzelnen technischen Kennzahlen orientieren statt am Gesamtbild.

Mitarbeiter erhalten eine Wallbox dazu

Mehr noch: "Ich spare Zeit mit einem Elektroauto, weil ich nicht mehr tanken muss." Die Dienstwagen parken entweder an der SAP-Ladestation im Parkhaus – oder beim Mitarbeiter zu Hause, für den SAP die Wallbox sponsert. Krautwasser: "Damit decke ich bereits 80 bis 90 Prozent des Ladebedarfs ab."
Wichtig ist nach seiner Einschätzung die ganzheitliche Betrachtung: Elektromobilität müsse als System gedacht werden, also als Zusammenspiel von Ladestationen am Arbeitsplatz und am Wohnort. Das erst spiele die Vorteile von Elektroautos voll aus – und führe damit auch zu höherer Akzeptanz der Nutzer.

Ein typischer SAP-Dienstwagen verbraucht weniger als 20 kW auf 100 km. Die Akkugröße können die Mitarbeiter selbst auswählen. "Die spielt jedoch nach unserer Einschätzung keine große Rolle mehr – wichtiger sind Ladeleistung und Ladekurve", so der Fuhrparkmanager.

E-Autos werden einmal im Jahr präsentiert

Einmal im Jahr gibt es bei SAP den "E-Mobilitäts-Tag". Dann fahren Hersteller ihre neuesten Elektromodelle vor die Geschäftsstellen, und Mitarbeiter können testen. Krautwasser: "Es ist wichtig, dass man den Menschen zeigen kann: Das sind einfach Autos, und so fahren sie sich auch."
Tesla Model Y Long Range RWD
Modelle von Tesla hat SAP bis auf Weiteres aus seinem Dienstwagen-Katalog gestrichen, vor allem wegen zu niedriger Restwerte.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Bereits heute sind 6500 Elektroautos in der weltweiten SAP-Flotte. Inklusive Bestellungen kommt der E-Anteil bereits auf 60 Prozent. Natürlich sind nicht alle Menschen glücklich mit der neuen Strategie. "Es gibt Bedenken, die können auch geäußert werden." 2021 hätten sich negative und positive Kommentare in etwa die Waage gehalten – inzwischen überwiege das Lob.
Aktuell bietet SAP Modelle von 13 Marken als Dienstwagen an. Dazu gehören die Volkswagen-Gruppe, Mercedes, BMW, Opel, Peugeot, aber auch Polestar. Tesla hat SAP schon vor längerer Zeit von der Dienstwagen-Liste gestrichen. "Wir reden hier über Restwerte, das ist bei Tesla schwierig zu kalkulieren." Überdies ist das Werkstattnetz der Marke für SAP-Bedürfnisse noch zu lückenhaft, sagte Krautwasser kürzlich dem "Handelsblatt".

Der Wandel passt in unsere Unternehmenskultur.

Abwarten bei chinesischen Marken

Bei jungen Marken, also zum Beispiel vielen chinesischen Herstellern, wartet das Unternehmen noch ab, ob sie sich langfristig auf dem deutschen Markt etablieren können. Auch hält das Management die geforderten Leasingraten vieler Newcomer noch für zu hoch. Was sich schon sagen lasse: "Die Qualität dieser Fahrzeuge nimmt stetig zu und ist bereits auf dem Niveau europäischer Hersteller."
Xiaomi YU7
Von chinesischen Herstellern – hier der Xiaomi YU7 – lässt SAP vorläufig die Finger, solange sich die Hersteller noch nicht auf dem deutschen Markt etabliert haben.
Bild: Xiaomi
Entscheidend für die Aufnahme ins Programm von SAP seien Verbrauch, Werkstattnetz und -kosten, Ersatzteilversorgung sowie die erwähnten Leasingraten. Die Akkus hält Krautwasser nicht für ein Problem. "Die halten inzwischen deutlich länger als früher, und das nahezu ohne Leistungsverlust."

Fazit

Stell Dir vor, SAP erlaubt seinen hoch bezahlten Software-Ingenieuren nur noch Elektroautos als Dienstwagen – und keiner kündigt! Klarer Fall, das E-Auto ist in dieser Klientel bereits voll akzeptiert. Die veränderte Firmenwagen-Policy des DAX-Konzerns setzt für mich einen weiteren Mosaikstein in der Mobilitätswende: Wenn diese Rechenfüchse beschließen, dass E-Autos wirtschaftlich sind, dann kann es sich wohl kaum um ein Versehen handeln.