QUIXX-Felgenreparatur-Set: Der Inhalt
Anwendung des Felgenreparatur-Sets 
Fazit des Praxischecks


Wer versehentlich mit der Felge an den Bordstein kommt, sorgt nicht nur für unschöne Kratzer an den schicken Alus, sondern meist auch für ein großes Loch im Portemonnaie. Um Bordsteinschäden an einer Felge professionell per Smart Repair entfernen zu lassen, müssen je nach Bauart der Felge und Grad der Beschädigung zwischen 150 und 350 Euro auf den Tisch gelegt werden – viel Geld für ein kleines Missgeschick. Doch inzwischen gibt es einige Anbieter, die Do-it-yourself-Felgenreparatur-Sets anbieten. Die kosten nur ein Bruchteil einer professionellen Reparatur, sollen aber ein ähnlich gutes Ergebnis liefern. Doch funktionieren diese Sets wirklich? AUTO BILD hat das Felgenreparatur-Set der Firma QUIXX (Slogan: "Repair it. Yourself!") getestet. 

QUIXX-Felgenreparatur-Set im Check: Das ist drin

Das Set für 19,95 Euro (UVP) beinhaltet folgende Utensilien:
• Eine Dose mit Flüssig-Aluminium-Reparaturfüller
• Ein Paar Einweg-Handschuhe
• Drei Blatt Schleifpapier mit 100er-Körnung
• Drei Blatt Schleifpapier mit 600er-Körnung
• Ein Schleifklotz
• Ein Lackstift in der Farbe Silber (Alternativ auch in Schwarz erhältlich)
Der Inhalt des Felgenreparatur-Sets sollte noch um einige Dinge ergänzt werden.
Um die Felgenreparatur richtig durchführen zu können, muss die Einkaufsliste aber noch ein paar Punkte mehr umfassen als nur das Reparatur-Set. So wird zusätzlich noch Klebeband benötigt, um die unbeschädigten Stellen rund um die Kratzer und den Reifen zu schützen. Auch ein Cuttermesser sollte griffbereit sein, um das Flüssig-Aluminium schneiden und modellieren zu können. Ein Reiniger mit entfettender Wirkung wie Silikonentferner, Reinigungsalkohol oder Bremsenreiniger wird ebenfalls gebraucht. Eventuell wird auch ein anderer Lackstift benötigt. Hierzu noch folgender Hinweis: Das Reparaturset kann nur an lackierten Alufelgen verwendet werden.
 
Felgenreparatur-Set
Felgenreparatur-Set
Quixx
Felgenreparatur-Set
  • günstige Alternative zur Smartrepair
  • gut aushärtendes Flüssigaluminium
  • gutes Ergebnis
  • Verarbeitung etwas aufwändiger
  • mitgelieferte Handschuhe unbrauchbar
Preis 19,95 €
Zwar passte der Farbton des mitgelieferten Lackstiftes an der Mercedes-Gullideckel-Alufelge, an der das Reparaturset ausprobiert wurde, das muss aber nicht zwingend für alle Felgen der Fall sein. Eventuell lohnt sich eher der Kauf einer passenden Spraydose – dazu aber später mehr. Ebenfalls benötigt werden eine Schale mit Seifenwasser, eine Schale mit klarem Wasser und einige Putztücher.  

So funktioniert das Felgenreparatur-Set

Wichtigster Schritt: Die Vorbereitung

Während QUIXX in der gut beschriebenen Anleitung erwähnt, dass die Felgenreparatur auch an einem montierten Rad durchgeführt werden kann, empfiehlt es sich für ein besseres Endergebnis, das Rad für die Reparatur vom Auto abzubauen und es auf einen Tisch zu legen. Im ersten Schritt steht dann die Reinigung der Felge und besonders der Schadstelle an. Hier sollte wirklich jeder Straßendreck oder Rückstände von Reifenpflegemitteln entfernt werden, damit das Klebeband auch gut haften kann. Das Klebeband kommt schon im nächsten Schritt zum Einsatz: Der Reifen und die unbeschädigten Stellen rund um die Kratzer sollten sorgfältig abgeklebt werden, um nicht beim Hantieren mit dem Schleifpapier beschädigt zu werden. Anschließend wird die beschädigte Stelle an der Felge angeschliffen, entgratet und für das Flüssigaluminium angeraut. Danach muss alles wieder gut gereinigt und entfettet werden. 

Nichts für empfindliche Nasen: Der Flüssigaluminium-Reparaturspachtel

Nervig: Von der Verpackung bleiben Papierreste am Flüssigaluminium kleben, die sich nur schwer entfernen lassen.
Im nächsten Schritt muss das Flüssigaluminium für die Verwendung an der Felge vorbereitet werden. Das Flüssigaluminium ist nicht etwa flüssig, wie man es sich vom Namen vielleicht ableiten könnte, sondern eher eine Art Knetmasse, die aus zwei Komponenten besteht. Nimmt man das Flüssigaluminium aus der Dose, steigt einem sofort ein penetranter und ekliger Gestank in die Nase. Es ist wirklich mehr eine Empfehlung als ein gut gemeinter Tipp, das Flüssigaluminium nur an einem gut gelüfteten Ort zu verwenden. Relativ schnell merkt man, wie stark die "Knetmasse" klebt. An beiden Enden der Knetmasse befand sich ein kleines Stück stärkeres Papier, das man vor der Verwendung entfernen muss. Das Flüssigaluminium war allerdings so klebrig, dass man das Papier nur in mühseliger Sisyphusarbeit, Fetzen für Fetzen entfernen konnte. Mit einem scharfen Cuttermesser ließ es sich aber gut schneiden – und die Plastikfolie, in die das Flüssigaluminium gewickelt ist, ließ sich leicht lösen.  

Im Set enthaltene Handschuhe nicht zu gebrauchen

Die mitgelieferten Handschuhe lassen keine präzisen Arbeiten zu. Besser geeignet: Einweg-Handschuhe aus dem Medizinbedarf.
Bevor man das Flüssigaluminium anfasst, sollte man sich unbedingt Handschuhe anziehen. Aber nicht die Handschuhe, die dem Set beigelegt werden. Die erinnern stark an Dieselhandschuhe von der Tankstelle. Das Plastik ist ziemlich dünn, die Finger selbst für kleine Hände zu kurz und allgemein sind sie ziemlich weit – präzise Arbeiten kann man mit solchen Handschuhen schlichtweg nicht durchführen. Nicht einmal das Kneten des Flüssigaluminiums in eine einheitlich graue Masse war damit nicht wirklich möglich. Auch das Aufbringen der (endlich) durchgekneteten Füllmasse auf die Felge und das anschließende Modellieren funktionierte mit den Handschuhen kaum. Drückte man das Flüssigaluminium auf die Felge, blieb es an den Handschuhen hängen, und man zog es immer wieder von der Felge ab – ein richtiger Stresstest selbst für die geduldigsten Menschen. Das Resultat: Im Endeffekt hat man dadurch viel zu viel Füllmasse auf die Felge aufgebracht und konnte es nicht wirklich modellieren. So hat man im nächsten Schritt für mehr Schleifarbeiten gesorgt, als eigentlich nötig wäre. Unser Tipp: Nutzen Sie Einweg-Handschuhe in einer passenden Größe aus dem Medizinbedarf. Damit können Sie feinfühliger Arbeiten und auch besser kneten. Kneten Sie das Flüssigaluminium aber auf gar keinen Fall mit den bloßen Händen, denn die Masse bekommen Sie kaum mehr abgewaschen. 

Schleifen des Flüssigaluminiums: Geduld wird belohnt

Selbst das gröbere Schleifpapier mit 100er-Körnung setzt sich schnell mit Schleifpartikeln zu.

Nach zwei Stunden war das Flüssigaluminium ausgehärtet und ließ sich nicht mehr von der Felge abziehen oder abbrechen – die Schleifarbeiten konnten beginnen. Hier ist zu empfehlen, noch etwas Schleifpapier – sowohl mit 100er- als auch mit 600er-Körnung – dazuzukaufen. Denn während sich das Flüssigaluminium sehr gut schleifen lässt und der Schleifklotz auch sehr handlich ist, setzt sich das Schleifpapier relativ schnell mit dem Abrieb zu. Um die Schadstellen an unserer Testfelge in Form zu schleifen, haben wir alle sechs Bögen Schleifpapier benötigt. Erst das Schleifpapier mit der 100er-Körnung, um das Flüssigaluminium auf Form zu schleifen, dann das 600er-Papier, um die Reparaturstellen erst mit trockenem und dann mit nassem Schleifpapier zu glätten. Beim Schleifen gilt übrigens: Je genauer man arbeitet und je mehr Zeit man sich lässt, desto besser wird auch das Ergebnis. Ungefähr 45 Minuten schliffen wir an unserer Testfelge, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren – hätten wir mit geeigneteren Handschuhen das Flüssigaluminium besser dosieren und modellieren können, hätte das die Arbeitszeit deutlich reduziert. Nur an der größeren Beschädigung durch das Wuchtgewicht hätte etwas mehr Material aufgetragen werden können. Das ließ sich vor dem Schleifdurchgang mit bloßem Auge nicht so gut erkennen. 

Spraydose oder Airbrush besser als Lackstift

Der Lack im mitgeliefertem Lackstift ist etwas zu zähflüssig – ein schöneres Lackbild würden eine Airbrush-Pistole oder eine Spraydose liefern.
Für etwas Enttäuschung sorgte dann aber der Lackstift. Wenn man sich nach all der Schleifarbeit über ein glattes Ergebnis freut, möchte man auch ein schönes Lackfinish erzielen – und das ist mit dem mitgelieferten Lackstift einfach nicht möglich. Selbst wenn man den Lack nach dem Durchtrocknen noch einmal mit dem feinen Nassschleifpapier glättet, ein zweites Mal lackiert und nach dem Trocknen poliert, sieht man trotzdem noch feine Pinselstriche. Hier wäre die Verwendung von einem dünneren Lack, einer Airbrush-Pistole oder einer Spraydose die bessere Wahl, um auch ein gutes Lackergebnis zu bekommen. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn ist das Rad am Auto montiert, fallen die feinen Pinselstriche kaum mehr auf.

Fazit des Praxischecks: Kann man Felgen selbst reparieren?

Ist das Felgenreparatur-Set der Firma QUIXX nun eine Alternative zu einer Smart-Repair-Instandsetzung? Es kommt dabei ganz auf die eigenen Ansprüche an. Natürlich wird eine Reparatur im Do-it-yourself-Verfahren nie den Standard einer professionellen Instandsetzung erreichen. Für ein perfektes Ergebnis hilft nur der Weg zum Felgendoktor. Das gilt übrigens auch für größere Schäden oder für Schäden an hochglanzgedrehten Felgen – das Felgenreparatur-Set kann wie bereits erwähnt nur an lackierten Felgen verwendet werden. Wird sorgfältig gearbeitet, nutzt man andere Handschuhe und experimentiert man etwas mit der Lackierung, kann mit dem Felgenreparatur-Set aber ein durchaus gutes Ergebnis erreicht werden. Übrigens: Unsere Testfelge wurde vor und nach der Reparatur ausgewuchtet, und die Reparatur hatte keine wirkliche Auswirkung auf die Unwucht der Räder. Ob die Reparaturstelle das Anschlagen eines Wuchtgewichtes aushält, wagen wir aber zu bezweifeln – hier sollte lieber auf Klebegewichte zurückgegriffen werden. Schlussendlich kann man sagen, dass das Felgenreparatur-Set von QUIXX für handwerklich geschickte und geduldige Menschen durchaus eine preisgünstige Alternative ist, um kleinere Schäden an einem Tag (inklusive Trockenzeiten) günstig selbst zu reparieren. 

Von

Lars Golly