Fiat 500X: 100.000-Kilometer-Dauertest
Fit in allen Teilen

"Fehler in allen Teilen"? Das war mal! Noch nie absolvierte ein Fiat einen Dauertest so unproblematisch wie der Fiat 500X. Begleiten Sie uns auf 100.000 Kilometern gegen (fast) alle Vorurteile!
- Manfred Klangwald
- Joachim Staat
Schade um das schöne Auto. Das denken wir jedes Mal, wenn wir bei Dauertestende vor dem zerlegten Fahrzeug stehen, das dann so herzlos daliegt wie auf dem Seziertisch. Immer ein trauriger Moment, beim Fiat 500X tat er noch mehr weh. Das kleine SUV hatte, versprengt in seine Einzelteile, nicht nur den Charme verloren, den wir beim Fahren noch gespürt haben. Er musste am Ende auch unseren tief sitzenden Zweifel aushalten: Was würden wir bei der Zerlegung finden, etwa "Fehler in allen Teilen", wie der Volksmund so gern ätzt? Das Vorurteil von den Fehlern klebt an Fiat wie Kaugummi am Schuh. "Unsinn", knurrt Gerrit Niebuhr. "Das ist doch ungerecht und überholt." Der Verkaufsleiter bei Fiat in Hamburg sollte am Ende recht behalten, weil unser Fiat 500X auf 100.000 Kilometern alle Vorurteile widerlegen konnte. Na ja, fast alle.
Überblick: Alle News und Tests zum Fiat 500X
Beim Einparken verschenkt der 500X Platz

Eingeschränkte Rundumsicht und großer Wendekreis stören in der engen Altstadt von Fritzlar in Hessen.
Schlecht abzulesen: das Tom-Tom-Display

Gutes Sitzen hilft bei der problemlosen Bedienung. Nur: Die Türgriffe haben gern Finger eingeklemmt.
Mehr zum Thema: Die Dauertest-Rangliste mit allen Testergebnissen!
Der 500X taugt zum zügigen, leisen Reiseauto für zwei

Keine gemütliche Schaukel: Je flotter er fuhr, desto besser lag der Fiat in der Hand und auf der Straße.
Die Mechaniker bekamen kaum was zu tun
Gelassenheit führte auch bei Elektronik-Mucken des 500X zum Ziel. An kurzzeitige Ausfälle, wie sie auch bei anderen Marken auftreten, hat man sich inzwischen gewöhnt. Als im 500X nach 22.460 Kilometern der Tacho ausfiel, half schlichte Computer-Routine weiter: Motor ausschalten, dann wieder starten. Reicht das nicht, heißt es aussteigen, verriegeln, wieder öffnen – na bitte, geht doch. Ebenso, als bei Kilometer 34.838 eine Leuchte warnte: "Motor kontrollieren lassen". Oder als die Reifendruckkontrolle nervte. Oder die Kontrolllampen für Airbag und Parkbremse angingen. Etwa doch "Fehler in allen …"? Nein. Dass ein echter Defekt vorlag, glaubte niemand. Auch deshalb, weil der Fiat mechanisch völlig pannenfrei lief. Die Werkstatt las die Meldung bei der Inspektion aus, löschte sie, fertig.
Sonst bekamen die Mechaniker kaum etwas zu tun. Der 500X fiel nicht aus, kam sogar mit einem Satz(!) Bremsen über die ganze Dauerteststrecke. Nur einmal leckte der Wasserschlauch am Heckwischer. Kurz vor Testende sah der schicke Innenraum noch aus wie geleckt, das Leder zeigt jetzt schicke, echte Patina. Darüber legte sich wohltuende Stille, nur die Mittelarmlehne knarzt so zaghaft wie ein ertappter Schüler in der Kirchenbank. Die Bremse war nach 100.000 Kilometern fast runter, die Kupplung griff erst auf dem letzten Zentimeter Pedalweg. Aber sie hielt, auch zur Freude von Gerrit Niebuhr. Dieser 500X war fit in allen Teilen. Die Gesamtnote 2+ dürfte den Verkaufsleiter in Hamburg beruhigen: So was wirkt Wunder gegen altes Kaugummi.
Fazit
Glückwunsch Fiat, geht doch! Dieser 500X eignet sich hervorragend, um alte Vorurteile auszuräumen. Mechanisch leistete sich der Italiener keine Schwächen, nur Elektronikpannen verhagelten eine 1. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Der aufgeblasene 500er ist solide gemacht, die Technik überzeugt und ist standfest. Tutto bene, Fiat! Note: 2+
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