Kooperation mit Renault bestätigt
Ford bringt den Fiesta zurück

Ford arbeitet wohl an einem Comeback des Fiesta, diesmal als Elektroauto auf Renault-Basis. Was die Kooperation bedeutet, wo das Modell gebaut werden soll – und warum Ford den Kleinwagen dringend braucht!
Bild: Ford-Werke GmbH
Kommt der Ford Fiesta tatsächlich zurück? Es sieht ganz so aus. Möglich wird das durch eine neue, weitreichende Kooperation zwischen Ford und Renault, die jetzt offiziell bestätigt wurde. Konkret kündigt Ford zwei neue Elektrofahrzeuge an, das erste soll Anfang 2028 beim Händler stehen.
Renault teilt Plattform: Elektro-Fiesta könnte auf R5 E-Tech basieren
Renault will Ford künftig Zugang zu seiner Ampere-Elektroplattform geben, auf der unter anderem Renault 5, Renault 4, Alpine A290 und der kommende Twingo stehen. Auch die Batterie- und Motorentechnologie steht Ford offen. Das eröffnet Ford Europa völlig neue Möglichkeiten im europäischen Kleinwagensegment, aus dem man sich in den vergangenen Jahren praktisch verabschiedet hatte.

Der 2023 ausgelaufene Fiesta (hier die siebte Generation) wurde hauptsächlich im Ford-Werk Köln gebaut.
Bild: Ford-Werke GmbH
François Provost, CEO Renault Group: "Die Renault Group ist stolz darauf, eine neue strategische Kooperation mit Ford [...] bekannt zu geben. Diese Partnerschaft zeigt die Stärke unseres gemeinsamen Know-hows und unserer Wettbewerbsfähigkeit in Europa."
Beide neuen Modelle sollen laut Ford "von Ford entworfen und mit der Renault Group entwickelt" worden sein. Weiter verspricht Ford, die Autos sollen sich durch "eine unverwechselbare Fahrdynamik, authentische Ford-DNA und intuitive Benutzererfahrungen" auszeichnen. Gebaut werden sie nicht in Deutschland, sondern in einer Fabrik der Renault Group in Nordfrankreich.
Ford-Chef Jim Farley begrüßt die Partnerschaft ausdrücklich: "Wir kombinieren Renaults industrielle Stärke und EV-Technik mit Fords ikonischem Design und unseren Fahrdynamik-Ansprüchen."
Was bedeutet das technisch für einen neuen Fiesta?
Die "Ampere Small"-Plattform des Renault 5 liefert klare Hinweise darauf, was ein elektrischer Fiesta bieten könnte. Der R5 kommt mit einer 40- oder 52-kWh-Batterie, der größere Akku schafft bis zu 410 WLTP-Kilometer Reichweite. Der stärkere 150-PS-Motor beschleunigt in glatten acht Sekunden auf 100 km/h.
Spannend für Fans: Es wäre sogar möglich, dass die Kooperation den Weg für einen neuen Fiesta ST als Sportvariante ebnet. Grundlage wäre der Alpine A290, der in der Topversion 218 PS an die Vorderachse schickt – samt überarbeiteter Geometrie, breiterer Spur und sportlich abgestimmtem Fahrwerk. Wie ein R5-Schwestermodell aussehen kann, zeigt seit wenigen Monaten auch der neue, ebenfalls vollelektrische Nissan Micra, der sich vor allem im Innenraum sehr stark am R5 orientiert.
Fiesta und Focus – gleich zwei Comebacks möglich?
Die Vereinbarung könnte auch den Weg für einen elektrischen Focus ebnen. Das größere Ampere-Derivat ("Ampere Medium") bildet heute bereits die Basis für Megane E-Tech, Scenic E-Tech, Nissan Leaf, Nissan Ariya und den kommenden Alpine A390. Damit hätte Ford eine passende Plattform, um künftig wieder einen Kompaktwagen auf Augenhöhe mit VW ID.3 und Kia EV4 anzubieten. Parallel dazu haben beide Unternehmen eine Absichtserklärung (LOI) zur Zusammenarbeit im Bereich leichter Nutzfahrzeuge (LCVs) unterzeichnet – ein Bereich, in dem Ford traditionell stark ist.
Warum Ford das Comeback dringend braucht
Ford könnte das Fiesta-Comeback gut gebrauchen, denn der Konzern steht in Europa unter Druck. Der Marktanteil schrumpft, der Hochlauf der Elektro-Produktion stockt – besonders im Werk Köln, wo bis 2023 noch der Fiesta vom Band lief. Auch andere eingestellte Modelle wie Focus und Mondeo verloren ihre Fertigungsstätten: Der Focus wurde zuletzt in Saarlouis, der Mondeo in Valencia gebaut.
Gleichzeitig belasten hohe Investitionen in die E-Mobilität, ein intensiver Preiskampf mit Tesla und chinesischen Herstellern sowie der notwendige Personalabbau die Bilanz. Ein elektrischer Fiesta könnte Ford deshalb helfen, verlorene Präsenz im europäischen Volumensegment zurückzugewinnen.
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