Sind wir nicht alle irgendwie Griechen? Unsere Autos müssen sparen, und die Vorgaben dazu kommen aus Brüssel. 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer lautet das Diktat, das die Hersteller anfangs in Aufruhr versetzte. Nach der ersten Empörungs-Starre greifen die Maßnahmen: Neue Modelle specken ab, sparen bis zum Gehtnichtmehr – und der Golf bekommt sogar einen Dreizylinder, diesen angeblich holperigen Sparzwerg. Golf und drei Töpfe? Böse gesagt: Brüssels Diktat trifft das Volk im Herzen.

Von außen gibt sich der Golf gewohnt unauffällig

VW Golf
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Den Golf Bluemotion erkennt man auf Anhieb nicht als Sparmodell.
Nun mal ganz ruhig. Der Einliter läuft im Polo schon seit 2014, einen Dreizylinder haben BMW, Opel und Renault längst im Angebot. Und VW startet im Golf ganz vorsichtig – bloß keine Kunden verschrecken – mit einem Sparmodell. Der 1.0 TSI ist der erste Benziner als BlueMotion, das sind die tiefergelegten Knauser-Kisten mit den zugeklebten Nasen. Dennoch muss er sich sofort mit den etablierten Ford Focus EcoBoost und Peugeot 308 PureTech messen. Da geht es nicht nur um Zehntelliter, sondern ganz viel ums Fühlen und Spüren – deshalb konzentiert sich dieser Vergleich mehr auf den Antrieb. Wäre da nicht der blaue Streifen im Kühler, der Golf wäre kaum als BlueMotion zu erkennen. Keine Magerversion, sondern der gewohnte Vollwert-Kompakte mit dem meisten Platz, durchdachter Bedienung und als Einziger mit Energie-Rückgewinnung (Rekuperation) im Schiebebetrieb.
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Bei Ford ist der Dreizylinder schon fast ein alter Bekannter

Ford Focus
Reife Leistung: Den ein Liter großen Dreizylinder gibt es bei Ford schon seit 2012 – zum Focus passt er gut.
Der Focus ist deshalb weiter, weil sein gleich großer Dreizylinder, schon 2012 eingeführt, längst als Standardmotor für jedes Ausstattungslevel zu haben ist. Passt zum soliden, schwereren Kölner (1342 Kilogramm), der beim letzten Facelift die Mittelkonsole aufgeräumt bekam und hier als Topversion Titanium auf 17-Zoll-Rädern vorfährt. Im 308 sind die Vierzylinder-Benziner (mit Ausnahme der GT und GTi) sogar ganz ausgestorben. Der eigenwillige Peugeot kombiniert einen Golf-Look außen mit enger Rückbank und einer Mittelkonsole, auf der ein einzelner, letzter Drehknopf wartet – alle anderen Funktionen liegen teilweise verschachtelt im Touchscreen.Die erste Messlatte legt der Ford mit dem mehrfach prämierten "Motor des Jahres", der als Erster alle bösen Vorurteile wegblies. Ein Einliter, der ab 1500 Touren ruckfrei loslegt, mit satten 170 Nm Drehmoment nie saftlos wirkt und ab Tacho 120 so leise läuft, dass der Fahrtwind mehr Lärm macht.
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Die 125 Pferdchen führen mit ihrem lebendigen Temperament noch immer vor, was ein Liter Hubraum kann – jedenfalls wirkt der agile Focus mit seiner festen Schaltung und der straffen Federung nicht deplatziert, sondern als passender Mitspieler.

Seine Macken werfen den 308 im Test zurück

Peugeot 308
Der 308 nimmt im Schnitt sechs Liter – das veraltete Fünfganggetriebe trägt zum hohen Verbrauch bei.
Wie schnell die Entwicklung – auch unter Brüssels Druck – voranschreitet, zeigt der jüngere 308. Der hat mehr Hubraum (1,2 Liter), mehr Schmalz mit seinen 205 Nm und klingt vor allem eine Tonlage erwachsener. Wo der Focus unter Last noch ein entlarvendes Dreizylinder-"Möööp" rausdröhnt, bleibt der 308 vornehm und unterm Gasfuß hellwach. Sein stärkerer 130-PS-Bruder hat bei AUTO BILD schon einen großen Vergleich der Dreizylinder gewonnen. Leider muss der schwächere 110-PS-Ableger mit einem veralteten und kratzenden Fünfganggetriebe auskommen, dessen große Drehzahlsprünge stören und zum höchsten Testverbrauch beitragen: 6,0 Liter im Schnitt werfen den Peugeot ebenso zurück wie die zappelige Lenkung und das zittrige Abrollen der dünnen 18-Zoll-Räder am Topmodell "Allure".
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Der VW ist der spritzigste und teuerste Wagen im Test

Ford Focus Peugeot 308 VW Golf
Es ist wie auf dem Bild: Der VW fährt Ford und Peugeot davon, ist aber auch der mit Abstand Teuerste.
Wo steht nun der Golf? Startet leise, dreht laufruhig und freudiger als die Konkurrenten bis an die 6500 Touren, wo er sanft abregelt. Das Klangbild? Klasse in diesem Testfeld, nur beim Abschalten vor der Ampel rumpelt er gelegentlich lauter als ein Vierzylinder. Die Messwerte sorgen für große Augen: Obwohl mit 115 PS im Mittelfeld, zieht der leichte VW an der Ampel und im Zwischenspurt Focus und 308 davon. Die 204 km/h Spitze wird im BlueMotion-Sparer niemand auskosten, aber als angenehm vollwertig empfinden. Ein zusätzlicher Verbrauchstest hat die Knauserkunst der drei Dreier ausgelotet. Wer sanft fährt, kann im VW sogar den Normwert (4,3 Liter) um ein Zehntel unterbieten. Auch auf der üblichen AUTO BILD-Runde spart der Golf mit 5,3 Litern besser als Ford und 308, der dem Hubraum und dem Getriebe Tribut zollt. 5,3 Liter oder 125 Gramm – klingt schon anders als die versprochenen 4,3 Liter. Doch in unserer ewigen Sparer-Hitliste rangiert der Golf 1.0 TSI immerhin als sparsamster Kompakt-Benziner – einsam in einem Meer von Dieseln.
Wo Ford und Peugeot mit Klimaautomatik, Tempomat oder großen Rädern vorfahren, lässt der Golf sich das bisschen Luxus der "Comfortline" teuer bezahlen. Auch hausintern ist der neue BlueMotion kein Schnäppchen: 1075 Euro über dem 110-PS-Vierzylinder und nur 325 Euro unterm beliebten 1.4 TSI mit 125 PS. So hält VW Verkaufszahlen klein – der Dreizylinder läuft zur Probe, bis das Volk sich an ihn gewöhnt hat. Irgendwann aber wird er beide TSI ablösen.

Fazit

von

Joachim Staat
Ein starker Spritsparer, dieser Dreizylinder im Golf. Flotter und sparsamer als die Gegner, zeigt er, was bislang gefehlt hat: Laufruhe und Ansprechen. Ein echter Fortschritt und neuer Maßstab für diese Hubraumklasse. So nahe kam noch kein Einliter einem Vierzylinder, deshalb wird dieses Spartalent bald die 1.4 TSI im Konzern ersetzen. Eine echte Zeitenwende – hiermit beginnt die Ära der neuen Drillinge.

Von

Joachim Staat