Play

Video: Ford Focus RS (2016)

Driften wie Ken Block

Kisspoint nennen die Entwickler den entscheidenden Moment. Ab hier kommt Action in die Bude. Nein, jetzt folgt kein Schweinkram – so nennen Techniker die Stelle, an denen sich die Lammellenkupplungen im Hinterachsdifferenzial gaaanz sacht berühren. Wie bei einem Küsschen eben. Grund für diesen intimen Anstand der Reibscheiben zueinander: So lassen sie sich schnell aneinanderpressen, das ergibt dann Kraftschluss im Differenzial.

Bis zu 70 Prozent der Kraft geht an die Hinterachse

Ford Focus RS
Driften ist eine der leichtesten Übungen des neuen Ford Focus RS.
Überhaupt ist diese Hinterachs-Kraftweiche die wichtigste Erfindung im neuen RS (neben dem saftig aufgeladenen Vierzylinder mit 350 PS). Dadurch hat er Allradantrieb, gleichzeitig lassen sich die Antriebskräfte aktiv zwischen den Hinterrädern verteilen. In Kurven zum Beispiel verwandelt sich die Knutscherei im Ölbad dann zum großen Fahrerlebnis. Bereits kurz nach dem Einlenken wandert zusätzliches Drehmoment ans kurvenäußere Hinterrad, entsprechend gierig dreht sich der Focus ein. Auffällig: Auch ohne, dass die Vorderreifen Schlupf aufbauen, kommt der kleine Extra-Schub von hinten. Wie stark die Hinterachse mithelfen kann, zeigt die Drift-Funktion. Hier gerät der Focus sogar ins Übersteuern. Leichte  – sogar kontrollierte – Heckschwenks sind dadurch möglich.
Ford Focus RS: Erste Mitfahrt

Ein Turbo alter Schule

Beim Driften hilft der satte Druck des Ecoboost-Vierzylinders – 400 Newtonmeter maximales Drehmoment stehen im Idealfall bereit. Der 2.3er gibt zwar etwas überfallartig Kraft nach alter Turbo-Schule ab, schafft das aber auch bis in höhere Drehzahllagen hinein. Schade: Das Aggregat klingt im Vergleich zum Vorgänger mit fünf Zylindern etwas austauschbar und dünn. Für die Lenkung (im Prinzip angenehm direkt) hätten wir uns eine authentischere Mittellage gewünscht, und den Sitzen stünde eine tiefer im Auto montierte Aufhängung gar nicht schlecht.

Bildergalerie

Ford Focus RS
Ford Focus RS
Ford Focus RS
Kamera
Ford Focus RS (Genf 2015): Sitzprobe
Gegner vom Focus RS wie der Audi RS 3 und Mercedes-AMG A 45, aufgepasst: Der Ford bringt seine 350 PS dank des Dynamic Torque Vectoring verdammt gut auf die Straße, hat ein gutes Mittel gegen Untersteuern und kann als einziger Kompakter in der Riege driften. Sicherlich ein guter Trost für alle, die dem alten rauen Fünfzylinder des RS hinterhertrauern. Außerdem ist nicht ganz ausgeschlossen, dass es später noch einen stärkeren Focus RS500 geben wird. Der neue Ford Focus RS startet bei uns im März 2016.

Bildergalerie

Ford Focus RS im Test
Ford Focus RS im Test
Ford Focus RS im Test
Kamera
Ford Focus RS: Fahrbericht
Technische Daten Ford Focus RS Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer, DOHC, Zahnriemen • Hubraum: 2261 cm³ • Leistung: 257 kW (350 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment: 440 Nm bei 2000/min • Vmax: 266 km/h • 0–100 km/h 4,7 s • Antrieb: Allradantrieb, Sechsgang manuell • Tankinhalt: 62 l • L/B/H: 4390/1858–2010/1470 mm • Kofferraum: 260–1045 l • Leergewicht (EU): 1529 kg • EU-Mix: 7,7 l Super plus/100 km • Abgas CO2: 175 g/km • Preis ab 39.000 Euro.