Vier Mittelklasse-Limousinen im Test

Vier Mittelklasse-Limousinen im Test

Ford Mondeo/Mazda 6/Opel Insignia/Skoda Superb: Test

Wen blitzt Opel hier weg?

Jetzt wird es ernst für den neuen Insignia. Im ersten Vergleich tritt der Opel gegen Ford Mondeo, Mazda 6 und Skoda Superb an.

Video: Insignia vs. Mondeo und Superb (2017)

Neuer Insignia im Vergleich

Mächtig was los in Rüsselsheim. Die Franzosen von PSA (Peugeot und Citroën) sind bald die neuen Opel-Eigentümer, Chef Karl-Thomas Neumann ist gerade von Bord gegangen, nach 88 Jahren bei General Motors werden die Weichen neu gestellt. Die gute Nachricht: Opel baut natürlich weiter Autos und renoviert unermüdlich die Modellpalette. Gerade ging der neue Insignia an den Start, löst den seit unendlichen neun Jahren gebauten Vorgänger ab. Doch der Neue wird es nicht leicht haben, die Mittelklasse ist eng besetzt. Im ersten Vergleich wartet mit dem Ford Mondeo, dem Mazda 6 und dem Skoda Superb schon mal ganz starke Konkurrenz.

Das neue Insignia-Design weiß auf Anhieb zu gefallen

Gelungen: Der neue Insignia kommt in harmonischem Blechkleid und mit eindrucksvoller Front.

Grand Sport heißt die Insignia-Limousine. Mit fünf Türen und gelungenem Design, finden wir jedenfalls. Stattlich, immerhin ja auch 4,90 Meter lang, mit flachem Aufbau und schräg auslaufendem Heck, alles ganz harmonisch. Schokoladenseite ist sicherlich die eindrucksvolle Front mit den schmalen Scheinwerfern und dem stylishen Grill samt geflügeltem Chrom-Blitz. Auch das Interieur haben die Formgestalter gut hinbekommen, schwungvoll, wohlgeformt. Nur das 8-Zoll-Fahrer-Info-Display kommt uns mit seinen zwei Anzeige-Themen (Sport und Tour) und den dann insgesamt sechs runden und halbrunden Anzeigen leicht unübersichtlich vor, vielleicht etwas zu viel des Guten. Leicht bedienbar und gut ablesbar sind dafür das Head-up-Display und der 8-Zoll-Touchscreen des Navi. Der neue Insignia wirkt innen luftig und geräumig, sortiert sich mit seinem Platzangebot knapp vor dem Ford, aber hinter dem Skoda ein, der hat bekanntlich im Fond geradezu unanständig viel Platz.
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Bei großem Platzbedarf ist der Superb erste Wahl

Üppig: Obwohl der Superb der Kürzeste im Test ist, bietet er den meisten Platz – das ist Oberklasse.

Großes Lob bekommen – wie immer – die AGR–Sitze vorn von uns (Arbeitsgemeinschaft Gesunder Rücken, Serie bei Business Innovation), stramm gepolstert, passend geformt und mit viel Seitenhalt. Auch die Rückbank geht grundsätzlich in Ordnung – man sitzt allerdings ziemlich flach über dem Boden, besonders für große Leute wird das ungemütlich. Im Skoda geht es im Fond bequemer zu. Kein Wunder, mehr Kniefreiheit als im Superb gibt es selbst in der Oberklasse kaum, da müssten schon Stretch-Limos ran. Vorn ist der Skoda wirklich nur einen Hauch enger geschnitten als der Opel, die Sitze sind groß und bequem – kommen aber an die tollen AGR-Sitze nicht ganz ran. Sehr gefallen hat uns die schnörkellose Architektur. Die Inneneinrichtung wirkt modern und, ja, durchaus edel, fein auch die großen, klaren Rundinstrumente.
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Als Titanium kommt der Mondeo jetzt mit dem modernen Sync-3-Multimediasystem, 8-Zoll-Schirm, frischer Grafik und ordentlich sortierter Bedienoberfläche. Mit seinem Raumangebot braucht sich der Ford nach wie vor nicht zu verstecken, vorn und hinten gibt es viel Platz und jeweils gemütliche, weich gepolsterte Sitze.

Beim Mazda 6 finden wir viel Fahrspaß

Dank seines 150 PS starken 2,2-Liter-Motors geht der 6er sehr gut – und die Abstimmung passt.

Rein platzmäßig liegt der Mazda spürbar hinten. Überhaupt kein Drama, denn eng ist es deshalb noch lange nicht, sondern, sagen wir mal, gar nicht ungemütlich. Aber klar, mit den kompakteren Platzverhältnissen zollt der 6er seiner betont Coupé-förmigen Karosserie Tribut. Und komisch, bei der sportlich-knappen Sitzposition, den schlanken, schmalen Sitzen und den drei in Tuben sitzenden Rundinstrumenten müssen wir immer irgendwie an Alfa denken. Angetrieben wird der Mazda von einem 2,2-Liter mit 150 PS, und der passt bestens zum schneidigen Auftritt. Der Vierzylinder läuft recht kernig, dreht so lebhaft wie kein anderer hier und gefällt mit seinem vergleichsweise stürmischen Temperament. Das macht Spaß, zumal das Fahrwerk mitspielt. Das hat Mazda straff ausgelegt, der 6er fühlt sich leichtfüßig und agil an. Die ziemlich stramme Federung, der Testwagen stand auf 19-Zöllern, nehmen wir dafür gern in Kauf, das Vergnügen trübt nur die stoßempfindliche Lenkung.
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Das Mondeo-Fahrwerk ist eine Einstellungssache

Der Mondeo hat elektronisch geregelte Dämpfer, bei denen wir die "Sport"-Einstellung empfehlen.

So etwas passiert beim Ford zwar nicht, seine Lenkung gefällt uns trotzdem nicht hundertprozentig: Sie spricht sehr direkt an, für eine brave Mittelklasse-Limousine zu spitz und nervös, das bringt Unruhe ins Auto. Der Testwagen besaß die elektronische Dämpferregelung (im Paket 2300 Euro), die sich zwischen Normal, Komfort und Sport verstellen lässt. Wir empfehlen klar die Sport-Einstellung, der Mondeo federt dann immer noch ausreichend komfortabel, aber nicht so schaukelig wie im Komfort-Modus. Der 2,0-Liter-TDCi mit 150 PS ist ein sympathischer Typ mit freundlichen Umgangsformen und ordentlichem Durchzug, fährt den drei anderen hier aber etwas hinterher, tritt weniger entschlossen an. Gerade das kann das Opel-Aggregat besonders gut. Der 2,0-Liter mit 170 PS ist nominell der kräftigste hier und fährt sich genau so. Er spricht auffällig schnell an, baut zügig Druck auf und beschleunigt den Insignia flott.
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Weitere Details zu den vier Mittelklasse-Limousinen finden Sie in der Bildergalerie.

Dirk Branke

Dirk Branke

Fazit

Schöner Einstieg für den neuen Insignia. Der Opel blitzt gleich im ersten Vergleich Ford und Mazda weg. Er zeigt eine starke Leistung, das Gesamtpaket aus Platz, Ausstattung, Fahrwerk und Antrieb überzeugt. Als Einziger hier fährt er mit SCR-Kat zur wirksamen NOX-Reduzierung. Die Rangfolge in der Mittelklasse kann der Opel trotzdem nicht komplett verändern, die Spitze behauptet souverän der tolle Skoda.

Autoren: Dirk Branke, Mirko Menke

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