Ford Puma Gen-E: Puma unter Strom
Fords elektrische Emanzipation
Bild: Ford
Zugegeben, der Start in die elektrische Ära hätte für Ford in Europa besser laufen können. Denn nachdem der Mustang Mach-E eher den amerikanischen Geschmack trifft, haben sie sich in Köln mit einem eigenen Elektro-Portfolio lange Zeit gelassen, sich dann kleinlaut aus dem Modularen Elektro-Baukasten des Konkurrenten und Kooperationspartners VW bedient und zu guter Letzt mit Monaten der Zwangspause im Kölner Stammwerk auch noch den Produktionsstart verpatzt. Und als Explorer und Capri dann endlich vom Band kamen, war die elektrische Euphorie in Europa auf dem Tiefpunkt.
Doch jetzt setzt Ford zu einem Befreiungsschlag an, besinnt sich im Entwicklungszentrum Merkenich auf seine eigenen Stärken und elektrifiziert dafür sein meistverkauftes Modell: Noch im Frühjahr 2025 surrt deshalb zu Preisen ab 36.900 Euro der Puma gen-E in den Handel und soll das Feld im Boom-Segment der kompakten Geländewagen von hinten aufrollen.
Fords Aufbruch in die Zukunft
Von außen kann man den Aufbruch in die Zukunft, für den Ford immerhin rund 15 Prozent auf den Preis aufschlägt, zwar kaum erkennen. Denn viel mehr als die geschlossene Plakette am einstigen Kühlergrill ändert sich nicht an dem 4,21 Meter langen Mini-Macan. Und auch drinnen sind es vor allem die Grafiken auf den beiden großen Displays, die den E-Puma ausmachen.

Der Ford Puma Gen-E kommt zu Preisen ab 36.900
Euro in den Handel.
Euro in den Handel.
Bild: Ford
Doch dafür ist der Unterschied beim Fahren um so größer. War der Puma schon als Verbrenner einer der agilsten in seiner Klasse, schärft er mit dem unmittelbaren Drehmoment-Einsatz seiner E-Maschine und dem vom Akku im Boden nochmal gesenkten Schwerpunkt weiter die Krallen: Wie sein vierpfotiger Vetter bei der Jagd schnellt der Puma er deshalb an der Ampel davon, sprintet in acht Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und lässt sich auch von engen Kehren und Knicken auf der Landstraße nicht aus der Ruhe bringen.
Im Gegenteil: Als wolle er eine im Zickzack davonspringende Gams reißen, schlägt der Jäger seine Haken und Mal für Mal zucken die Mundwinkel des Fahrers weiter nach oben. Dagegen schmeckt der Opel Mokka fast wie kalter Kaffee. Schade nur, dass die Freude nicht von Dauer ist. Zumindest nicht auf der Autobahn. Denn dort zieht die Elektronik bei 160 km/h schon wieder den Stecker.
Bissiger Puma, braver Papiertiger
So bissig der Puma in der Praxis ist, so brav wirkt er auf dem Papier. Denn bei 168 PS kann er mit dezidierten E-Modellen in dieser Klasse kaum konkurrieren, fährt aber immerhin der Stellantis-Konkurrenz mit ihrem 156 PS starken Einheitsmotor davon.

Drinnen sind es vor allem die Grafiken auf den beiden großen Displays, die den E-Puma ausmachen.
Bild: Ford
Allenfalls Mittelmaß ist auch der Akku, der netto nur eine Kapazität von 43 kWh bietet und vor allem selbst im besten Fall nur mit bescheidenen 100 kW geladen werden kann. Immerhin kommt der Puma damit 376 Kilometer weit – für einen klassischen Zweitwagen und Stadtflitzer sollte das reichen.
Mit der Elektrifizierung hat Ford zudem nicht hat nicht nur den sportlichen Charakter des Puma in die neue Zeit gerettet, sondern auch seine praktischen Tugenden. Und die sogar noch einmal gestärkt. Aus der bisherigen MegaBox unter dem Kofferraumboden wird ohne den Benzintank darunter jetzt eine Giga-Box. Dafür wächst die wie bisher auswaschbare Wanne auf 145 Liter, fasst locker zwei Extra-Reisetaschen und macht den Puma zu einem veritablen Kombi-Konkurrenten: Denn in Summe passen jetzt 523 Liter hinter die elektrische Heckklappe. Zum seligen Ford Focus Turnier fehlt da nicht mehr viel.

376 Kilometer maximale Reichweite liefert eine volle Akkuladung des Puma.
Bild: Ford
Und die 43 Liter des Frunks sind da noch nicht einmal mitgerechnet, den die Kölner genau wie beim Capri geschickt über den Motorraum geschustert haben. Damit sind die nicht nur besser als die meisten anderen sogenannten Conversions wie der Opel Mokka oder der Peugeot 2008, sondern stehlen selbst vielen dezidierten Elektro-Modellen wie den Stromern aus Wolfsburg die Schau. Spätestens da zahlt sich der Eigensinn dann doch aus.
Fazit
Ja, als Elektroauto ist der Puma allenfalls Mittelmaß und obendrein kein Schnäppchen. Doch als erster selbst entwickelter Ford für die europäische Generation E bewahrt er die Stärken aus der alten Welt und fährt deshalb leidenschaftlicher als die Konkurrenz. Und was ihm an der Ladesäule fehlt, macht er mit seinem Laderaum wieder wett.
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