Fords heimliches Flaggschiff ist der S-Max. Denn die vielleicht sportlichste unter den großen Großraumlimousinen hat schon in der ersten Generation erfolgreich Marktanteile erobert und dabei so manchen vom knappen Platzangebot frustrierten Kombi-Fahrer bei einem deutschen Nobelhersteller abgeworben.
Wenn im September 2015 zu einem kaum veränderten Grundpreis von 30.150 Euro die zweite Auflage an den Start rollt, geht das Raumfahrprogramm für Aufsteiger munter weiter. Dass Ford den S-Max nicht als Van, sondern im schönsten Marketing-Sprech zu Recht als Sports Activity Vehicle bezeichnet, spürt man schon auf den ersten Metern – vor allem in einer gehobenen Variante mit adaptiven Dämpfern und der neuen Adaptiv-Lenkung. Weil sich das Fahrwerk damit auf Knopfdruck spürbar versteift und ein Elektromotor die Lenkkraft unterhalb von 120 km/h deutlich verstärkt, darüber aber sogar spürbar zurück nimmt, ändert sich das Fahrgefühl nachhaltig: Beim Rangieren in der Stadt ist das 4,80 Meter lange und 1,92 Meter breite Dickschiff so handlich und wendig wie sein kleiner Bruder C-Max. Auf einer kurvigen Landstraße muss man viel weniger kurbeln und fühlt sich wie am Steuer eines potenten Focus. Und bei hohem Tempo auf der Autobahn wechselt der S-Max die Spuren so gediegen und gelassen wie eine schwere Luxus-Limousine.Zum dynamischen Anspruch passt auch die Palette der neuen oder zumindest gründlich optimierten Motoren, die in der Leistung teilweise deutlich zugelegt und beim Verbrauch dafür um bestenfalls sieben Prozent besser wurden. Nicht umsonst geht es bei den zwei Benzinern jetzt hinauf bis 240 PS, bei den Dieseln krönt das Angebot ein Kraftmeier mit 210 PS und 450 Nm. Und zum ersten Mal gibt es den Van jetzt auch als Allradler.
Einer der wichtigsten Motoren wird wohl der 180 PS-Diesel, der bei 34.200 Euro startet. Er punktet mit einem maximalen Drehmoment von 400 Nm, wuchtet den Raumkreuzer damit in 9,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und gibt sich auf der Landstraße beim Überholen so elastisch, dass man gerne mal einen Abstecher ins Grüne macht.
Neu mit an Bord: Schildererkennung, die Tempolimits an den Tempomaten weitergibt.
Bild: Werk
Aber auch wenn man auf der Autobahn bleibt, macht der 2,0-Liter-Motor eine gute Figur. Hinter dem dickeren Glas und der besseren Dämmung ein echter Leisetreter, wird er mit einem Normverbrauch von 5,0 Litern zum Dauerläufer, der theoretisch nur alle 1400 Kilometer an die Box muss. Und wer es eilig hat, der kann bis auf maximal 211 km/h beschleunigen.
Dazu gibt es jede Menge neuer oder weiterentwickelter Assistenzsysteme und Technologie-Bausteine aus dem neuen Mondeo von der Notbremse mit Fußgängererkennung bis zur Einparkautomatik, den LED-Scheinwerfern und der elektrischen Heckkappe, die auf einen Fußtritt reagiert, sowie eine Weltneuheit, die besonders gut zu den neuen Ambitionen des S-Max passt: Denn mit Hilfe von Navidaten und Verkehrszeichenerkennung regelt sich dort der Tempomat zum ersten Mal automatisch auf das aktuelle Tempolimit ein. So lustvoll sich der S-Max auch fahren lässt, ist man damit vor Radarblitzen und Bußgeld-Briefen gefeit.
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Vans: Die Top 10 im Check
Das Cockpit mit Acht-Zoll-Monitor ist aufgeräumt und übersichtlich.
Bild: Werk
Zwar will der S-Max tatsächlich ein Van zum Fahren und nicht nur zum Ankommen sein. Doch bei aller Konzentration auf den Fahrer haben die Entwickler die anderen Passagiere nicht vergessen: Die zweite Generation des S-Max ist deshalb innen ein wenig gewachsen, bietet mit ihren 32 Bestuhlungsvarianten zwischen 282 und 2200 Litern Kofferraum und kommt mit einer neuen Sitzanlage: Wer für 950 Euro die dritte Reihe mitbestellt, der kann dank optimierter Easy-Entry-Technik leichter in den Rückraum klettern. Und wer es in der ersten Reihe gerne besonders bequem mag, für den gibt es nun sogar Massage-Sessel.
Auch am Ambiente haben die Kölner gearbeitet: Mehr noch als beim Facelift für die Focus-Familie haben sie das Armaturenbrett von den pickligen Bedienlandschaft gesäubert und sich weitgehend auf das Sync-System mit Touchscreen und Sprachbedienung konzentriert. Außerdem ist die Materialanmutung eine Klasse besser als früher. Für noch mehr Luxus bringt Ford bald die Luxusausstattung "Vignale".
Besser ausgestattet, nobler ausgeschlagen und deutlich sportlicher abgestimmt als früher: Zwar hat der Aufstieg zumindest auf den Grundpreis keinen Einfluss, doch weiß Ford sehr wohl, dass bei dem Eroberungskurs für den S-Max durchaus ein paar traditionelle Großraum-Kunden auf der Strecke bleiben könnten. Aber wirklich Sorgen macht sich darüber in Köln niemand. Denn kurz nach dem S-Max startet der sehr viel konservativere Galaxy und sammelt all die verlorenen Seelen wieder ein.
Vans: Die Top 10 im Check
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Die zehn meistverkauften Vans im Überblick: Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt, nennen die Stärken und Schwächen und geben Tipps zur besten Modell-Motor-Variante.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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Platz 10*:Dacia Dokker (seit 3/13, Facelift 4/17) • 10.259 Zulassungen • Preis: ab 8990 Euro • drei Benziner, darunter eine Variante mit Flüssiggas (102 bis 116 PS), zwei Diesel (75 und 90 PS) • kein Allrad • keine Automatik • Vorderradantrieb • vier Ausstattungslinien.
*gesamte Modellreihe; April 2017 bis März 2018 (Quelle: KBA)
Tipps: Bei den Benzinern empfehlen wir Ihnen den Turbobenziner mit 116 PS. Der reicht für den Alltag vollkommen aus, braucht nur bei voller Beladung seine Zeit, um in Gang zu kommen. Umweltfreunde ...
... greifen zum Flüssiggas-Exemplar (102 PS). Diesel: Klare Empfehlung ist der stärkste Diesel mit 90 PS. Der ist kultiviert und kein Spritfresser, dafür hörbar und kein Dynamiker.
Platz 9:VW Sharan (seit 9/10, Facelift 7/15) • 11.234 Zulassungen • Preis: ab 33.325 Euro • zwei Benziner (150 und 220 PS), zwei Diesel (150 und 184 PS) • 6-Gang manuell, 6-/7-Gang-DSG • Vorderrad-/Allradantrieb • drei Ausstattungslinien.
Tipps: Für den Alltag reicht aus dem Benziner-Lager der 1.4er mit 150 PS völlig aus. Wer die Zuladung häufig ausnutzt, greift aber besser zum 2,0-Liter mit 220 PS – das Plus an Souveränität ...
... kostet aber 3675 Euro Aufpreis. Diesel: Mit 150 PS und 340 Nm des 2.0 TDI SCR ist selbst der große Sharan für Langstrecken und Transportaufgaben gut gewappnet.
Platz 8:Ford S-Max (seit 9/15) • 12.506 Zulassungen • Preis: ab 30.800 Euro • zwei Benziner (160 u. 240 PS), vier Diesel (120 bis 210 PS) • Vorderrad, Allrad (nur Diesel, teils opt.) • 6-Gang m., 6-Gang-DKG, 6-St.-Wandler • 5-/7-Sitzer • fünf Ausstattungslinien.
Tipps: An Fords EcoBoostern gibt es nix auszusetzen. 160 PS bilden mehr als nur eine solide Basis, das Spitzenmodell mit 240 PS und 6-Stufen-Wandler (Serie) macht den S-Max zum richtigen Raumrenner. Diesel: Alle vier Diesel ...
Platz 7:Opel Zafira (seit 1/12, Facelift 9/16) • 13.550 Zulassungen • Preis: ab 26.365 Euro • zwei Benziner (136 und 170 PS), vier Diesel (120 bis 170 PS) • keine Allradversion • 6-Gang manuell, 6-Stufen-Automatik • Vorderradantrieb • fünf Ausstattungslinien.
Tipps: Wenn Sie eher gelassen unterwegs sind, reichen die 136 Benziner-PS mit der Automatik. Der Motor läuft ruhig, hat ausreichend Antritt und einen moderaten Verbrauch. Wer unbedingt mehr braucht, ...
... wählt die 170 PS. Diesel: Hier verhält es sich ähnlich. 136 PS sind für Stadt und Autobahn völlig ausreichend. Vielfahrer greifen auf 170 PS aus zwei Liter Hubraum zurück.
Platz 6:Renault Scénic (seit 11/16) • 14.060 Zulassungen • Preis: ab 22.990 Euro • drei Benziner (115 bis 163 PS), drei Diesel (110 bis 160 PS) • 6-Gang manuell, 7-Gang-Doppelkupplung • Vorderradantrieb • zwei Karosserievarianten • drei Ausstattungslinien.
Tipps: Der neue Downsizing-Benziner ist – zumindest bis 140 PS – eine klare Empfehlung. Ob auch der stärkste (163 PS) sein Leistungsversprechen hält, ...
... konnten wir bislang noch nicht überprüfen. Diesel: Alle drei sind drehmomentstark und sparsam. 130 PS wären noch etwas feiner als 110, aber der Motor wird über die Ausstattung fast 6000 Euro teurer.
Platz 5:Mercedes V-Klasse (seit 5/14) • 18.757 • Zulassungen • Preis: ab 34.990 Euro • drei Diesel (136, 163 und 190 PS) • Hinterradantrieb; Allradantrieb für alle Motorisierungen optional • 6-Gang manuell, 7-Stufen-Automatik • sieben Ausstattungslinien.
Tipps: Im V arbeiten stets Selbstzünder, alle mit 2,1 Liter Hubraum. Mit 14 Sekunden von 0 auf 100 km/h liegt der 200 d auf gutem Transporterniveau und liefert ausreichende 330 Newtonmeter Drehmoment. Der von uns empfohlene 220 d ...
... ist mit gut elf Sekunden flink wie ein Pkw und kostet angemessene 1495 Euro Aufpreis. Der 250 d ist teurer, hat aber schon die sinnvolle Automatik. Ihn gibt es nicht für das Basismodell Rise.
Platz 4:VW Multivan (seit 6/15) • 33.090 Zulassungen • Preis: ab 35.795 Euro • zwei Benziner (150 und 204 PS), vier Diesel (84 bis 204 PS) • Vorderradantrieb • drei Allradversionen • 5-/6-Gang manuell, 7-Gang-Doppelkupplung • vier Ausstattungslinien.
Tipps: Der Zweiliter-Benziner, dessen Basis aus dem Golf GTI bekannt ist, macht seine Sache schon mit 150 PS gut. Vielfahrer zahlen beim Sprit aber drauf. Diesel: Der 150-PS-Diesel ...
... ist aktuell leider nur mit DSG-Automatik bestellbar. Das bestens schaltbare Schaltgetriebe gibt's nur mit teurem Allradantrieb. Schade, sind 150 PS doch die beste Empfehlung für Alltagsfahrten.
Platz 3:VW Caddy (seit 5/04, Facelift 6/15) • 34.514 Zulassungen • Preis: ab 14.989 Euro • drei Benziner (84 bis 125 PS), ein Erdgas (110 PS), vier Diesel (75 bis 150 PS) • Vorderradantrieb; zwei Allradversionen • 5-/6-Gang man., 6-/7-Gang-Doppelk. • sechs Ausstattungslinien.
Tipps: Der Basismotor 1.2 TSI mit vier Zylindern ist deutlich günstiger als der nur etwas kräftigere Einliter-Dreizylinder. Flott wirkt der Caddy als 1.4 TSI. Diesel: Alle Diesel ...
... profitieren von zwei Liter Hubraum und dem damit einhergehenden Drehmoment. So wirkt selbst der 75-PS-Postdiesel nicht schwach, ist aber außerorts lahm. Mit 102 PS fährt der TDI prima, 150 PS braucht's nicht.
Platz 2:BMW 2er Tourer (seit 9/14) • 36.560 Zulassungen • Preis: ab 27.850 Euro • vier Benziner (109 bis 231 PS), vier Diesel (116 bis 190 PS) • ein Hybrid (224 PS) • Vorderrad-/Allradantrieb • 6-Gang m., 7-Gang-DKG, 8-Stufen-Automatik • fünf Ausstattungslinien.
Tipps: Die beiden Dreizylinder-Benziner im 216i und 218i arbeiten laufruhig und sind drehmomentstark. Die Vierzylinder in 220i und 225i laufen nochmals geschliffener. Alternative: der Hybrid 225xe. Diesel: Der Dreizylinder-Diesel im 216d ...
... macht seine Sache gut, dennoch raten wir zum stärkeren Zweiliter-Aggregat (218d, 220d). Souverän im Antritt, sparsam im Verbrauch. Etwas rauer Lauf.
Platz 1:VW Touran (seit 9/15) • 53.680 Zulassungen • Preis: ab 24.300 Euro • drei Benziner (110 bis 180 PS), drei Diesel (115 bis 190 PS) • Vorderradantrieb • 6-Gang manuell, 6-/7-Gang-Doppelkupplung • drei Ausstattungslinien.
Tipps: Der Basis-1.2 TSI ist etwas schwach auf der Brust. Der 1.4 TSI hat keine Probleme, den Touran auf Geschwindigkeit zu bringen. Der 1.8 TSI kommt nur als teurer Highline. Diesel: Die Diesel arbeiten allesamt effizient ...