Formel-1-Weltmeister beim Indy 500

Formel 1: 1000. WM-Rennen

Indy: Als ein Dieselmotor auf Pole fuhr

Mehrere der 1000 WM-Rennen waren gar keine F1-Rennen. Das Indy 500 wurde elf Mal zur WM gezählt – mit kuriosen Motoren und skurrilen Fahrern.
Das Indy 500 ist das älteste Autorennen der Welt. Außer der Tatsache, dass Fernando Alonso hier 2019 endlich die Triple Crown perfekt machen will (Sieg beim Monaco-GP, den 24 Stunden von Le Mans und dem Indy 500), hat das Rennen der IndyCar-Serie heute nicht mehr viel mit der Formel 1 zu tun. Das war früher anders. In den 60er Jahren waren die 500 Meilen von Indianapolis ein beliebtes Ausflugsziel der Formel-1-Stars. 1965 gewann Jim Clark die F1-WM, aber auch das Indy 500.
Von 1950 bis 1960 waren die Indy 500 sogar Teil der Weltmeisterschaft. Obwohl ganz andere Autos zum Einsatz kamen, ganz andere Teams, und zu großen Teilen auch ganz andere Fahrer. Nur wenige F1-Piloten wagten sich in der Zeit nach Indianapolis. 1952 fuhr Alberto Ascari mit einem Ferrari mit, schied aber schon nach 41 Runden mit einem Radlagerbruch aus. Giuseppe Farina konnte sich 1956 mit einem Kurtis-Kraft-Ferrari nicht qualifizieren, ebenso wenig Juan-Manuel Fangio 1958.
Zwei Indy-500-Piloten versuchten sich zudem in der WM. Beim Frankreich-GP 1958 steuerte Troy Ruttman, der mit erst 22 Jahren 1952 das Indy 500 gewann und damit heute zu den 106 F1-Siegern gehört, einen Maserati 250F auf Rang zehn. Rodger Ward versuchte sich 1959 und 1963 vergebens beim USA-GP. Für seinen Auftritt 1959 hat Frank Kurtis eigens einen Roadster konstruiert – aber der war den Formel-1-Flitzern klar unterlegen.

Formel-1-Weltmeister beim Indy 500

Nur einer konnte in den elf Jahren das Indy 500 zwei Mal gewinnen: Bill Vukovich. Sein Erfolgsrezept: „Den rechten Fuß bis zum Boden durchdrücken und das Auto nach links lenken.“ Gefahren wird beim Indy 500 nämlich im Oval, heute werden Tempi um 380 km/h erreicht, aber schon damals war das Indy 500 schneller als jeder Grand Prix.
Vukovich gilt in Amerika einerseits als „verrückter Russe“, andererseits auch als Michael Schumacher der 50er Jahre. Der Kalifornier war extrem zielstrebig, fast schon verbissen: Er trank keine Dose Bier, rauchte keine Zigarette und versäumte jede Party – anders als seine Konkurrenten zu dieser Zeit. Stattdessen tüftelte er stundenlang am Rennwagen, mit Schraubenschlüssel in der Hand und ölverschmiertem Gesicht.

Ein Bootsmotor dominiert

Die Verbissenheit hat tiefe Wurzeln. Seine Eltern sind den Kriegswirren im serbischen Teil Jugoslawiens nach Amerika entflohen, hatten in den 20er Jahren aber ein hartes Leben dort: Als Apfelbauern schlugen sie sich eher schlecht als recht durch. Die acht Kinder zu ernähren war extrem schwer. Als Vater John Vukovich 1932 zu Bill Vukovichs 13. Geburtstag kein Geschenk kaufen konnte, nahm er sich das Leben. Fortan war Klein-Bill auf sich alleine gestellt, verdiente mit Taxifahrten Geld – und bald eben auch mit Rennen. Er brauchte die Start-, vor allem aber auch die Preisgelder fürs Leben. Er musste also gut sein.

Die 33 erfolgreichsten Indy-500-Fahrer

Bill Vukovich gewann zwei Ausgaben der Indy 500

Das Indy 500 war sein Metier. Er gewann das Rennen 1953, als er in der Hitzeschlacht kühlen Kopf bewahrte (Carl Scarborough starb sogar an einen Hitzschlag). Er gewann 1954 von Startplatz 19 – zeigte sich aber schon vor dem Start gelassen: „Hier geht es doch nicht darum, auf welcher Position man losfährt. Ich hoffe, die anderen haben sich schon überlegt wer Zweiter wird.“ 1952 führte er, ehe kurz vor Schluss die Lenkung kollabierte. 1955 crashte er wieder – dieses Mal tödlich. Er konnte einem vor ihm stattfindenden Massencrash nicht mehr ausweichen.
Vukovich gewann stets in Rennwagen von Frank Kurtis. Neben Kurtis Kraft waren auch die Chassis von Watson, Epperly und Kuzma in den elf Jahren erfolgreich. Als Motorhersteller dominierte Offenhauser. Ein Bootsmotor wurde zu Rennzwecken umgebaut, mit 4,4 Litern Hubraum und einem Reihen-Vierzylinder-Motorblock, der 1950 schon 345 PS, 1960 sogar 370 PS Leistung abgab.

Indy 500 Crashgalerie

349 der 363 Starter fuhren bei den Indy 500 von 1950 bis 1960 mit diesem Triebwerk von Offy. Immer wieder versuchten sich andere Hersteller wie Novi, Ferrari, Dodge oder Mercury – aber vergeblich. Am vielversprechendsten war da noch der Cummins-Diesel, den 1952 Fred Agabashian auf Pole-Position gestellt hat. Der 6,5-Liter-Turbo ist der bis heute einzige Diesel, der je in einem WM-Rennen aufgetaucht ist. Im Rennen schied er aber wegen Überhitzung aus.
Alle bisherigen Teile der Serie zum 1000. WM-Rennen:
1) Der erste GP: So fing alles an: Hier klicken
2) Die Weltmeister – Wer war der Beste? Hier klicken
3) Die schlechtesten Formel-1-Fahrer aller Zeiten: Hier klicken
4) Diese Hersteller waren schon in der Formel 1: Hier klicken
5) Die ältesten Formel-1-Fahrer aller Zeiten: Hier klicken
6) Todesfälle und Sicherheitsentwicklung in der Formel 1: Hier klicken

Fotos: Picture-alliance

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