Deutschland hat wieder einen Weltmeister im Motorsport: Pascal Wehrlein ist nach 2024 zum zweiten Mal Formel-E-Champion. Dafür reichte ihm im Finale von London ein Platz außerhalb der Punkte.
Wehrlein kennen viele Formel-1-Fans noch aus seiner Zeit in der Formel 1. 2016 und 2017 bestritt er 39 Grands Prix für Manor und Sauber, holte sechs WM-Punkte und stand als Mercedes-Junior kurz vor einer Beförderung ins Werksteam, ehe sich Mercedes als Nachfolger für den zurückgetretenen Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg doch für Valtteri Bottas entschied.
Das alles ist lange her. Wehrlein ist trotzdem erst 31 Jahre alt und in der vollen Blüte seines Könnens. In der Formel E hat er sich ein neues Zuhause aufgebaut, fährt als Porsche-Werksfahrer ganz vorn mit.

Wehrlein trotz Titelgewinn stinksauer

Jetzt also der zweite Titel. Nur Jean-Éric Vergne ist genauso oft Meister in der Elektro-Serie geworden. „Aber ich muss zugeben, der erste Titel ist immer etwas aufregender“, so Wehrlein.
Der Deutsche war trotz des Titelgewinns also nicht unbedingt in bester Stimmung. Im Gegenteil. „Es war das Unfairste, das ich je erlebt habe“, polterte er nach dem Rennen. Hintergrund: Zwar hat Wehrlein die Fahrer-WM gewonnen, aber Porsche muss den Teamtitel Jaguar überlassen. Und das nur, so die Sichtweise von Wehrlein, weil sein ehemaliger Porsche-Teamkollege und jetzige Jaguar-Pilot António Félix da Costa ihn aus den Punkten bremste. Er zügelte das Tempo, blockte alle Angriffe von Wehrlein ab. Mit Erfolg. Da Costa verteidigt sich: „Wir wussten, was wir tun mussten.“
Pascal Wehrlein wird zum zweiten Mal Weltmeister der Formel E.
Bild: Porsche
Trotz des Ärgers: Porsche und Wehrlein werden feiern. „Es war eine Saison mit Aufs und Abs. Aber immer, wenn es drauf ankommt, wenn wir den Druck spüren, dann sind wir da“, enthüllt Wehrlein sein Erfolgsgeheimnis. Drei ePrix gewann Wehrlein in einer Saison mit elf Siegern aus neun Teams in 17 Rennen. Keiner hat öfter gewonnen.

Fragezeichen hinter zweitem Porsche-Team

Mit elf Siegen (genauso viele wie der zweite Formel-E-Zweifachmeister Vergne) liegt Wehrlein der auf Rang acht der Siegerliste. Es führt Mitch Evans mit 16 Triumphen – dieses Mal aber nur WM-Dritter.
Noch unklar ist, wie es 2026/2027 weitergeht. Klar ist: Die Saison startet am 18. Dezember in Saudi-Arabien. Und klar ist auch: Die Formel E rüstet ordentlich auf. Zwischen 612 PS im Rennen und bis zu 816 PS im Qualifying sollen die neuen Gen4-Boliden leisten. Aktuell liegen die Werte noch bei 408 beziehungsweise 476 PS. Damit bewegt sich die Serie leistungstechnisch auf dem Niveau der Formel-1-Autos aus den 1990er-Jahren – also beispielsweise Michael Schumachers ersten Weltmeister-Autos.
Porsche hat eigentlich geplant, mit zwei Teams an den Start zu gehen. Doch aktuell ranken sich Gerüchte darum, dass Porsche aus Kostengründen seinen zweiten Rennstall zurückziehen wird. Formel-E-Fahrer Nyck de Vries hat das in einer Pressekonferenz ausgeplaudert. Weder von Porsche noch von der Rennserie gibt es dazu aber eine Bestätigung.

Opel rüstet sich als Porsche-Gegner

Auch noch nicht bestätigt, aber wohl nur Formsache: dass Wehrlein auch in der kommenden Saison wieder für Porsche in der Formel E an den Start geht. Mit einem weiteren Titel wäre er der alleinige Rekordmeister.
Mit Opel steigt dann ein zweiter deutscher Hersteller ein.
Bild: Opel
Mit Opel steigt dann ein zweiter deutscher Hersteller ein. Théo Pourchaire ist als erster Fahrer fix. Als Teamkollege heuert wohl Evans an – der bisher siegreichste Formel-E-Fahrer der Geschichte. Wenn das kein möglicher Gegner für Wehrleins Titelambitionen ist ...