Es wird eine schwere Geburt gewesen sein, vor allem eine wacklige. Zwischenzeitlich hatte es sogar so ausgesehen, als würde das Projekt Ford Focus RS überhaupt nicht weiterverfolgt. Denn Ford denkt inzwischen ausschließlich global, "One-Ford-Strategie" heißt das dann im Branchendeutsch, was pathetisch klingt, im Grunde aber nichts anderes heißt, als dass – im Gegensatz zu früher – ein und dasselbe Modell in vielen verschiedenen Märkten angeboten wird. Das beschert uns Europäern einerseits den Mustang, bedeutet andererseits aber auch das Aus für Nischenmodelle mit eher regionaler Bedeutung – wie zum Beispiel eine RS-Version.
Sportliche Kompakte: Kaufempfehlung
Dass es diese nun dennoch geben wird (2016), hat vielerlei Gründe. Erstens laufen die "One-Fords" in ihren Märkten gerade weitgehend zufriedenstellend, sodass Kapazitäten für derartige Special Interests verfügbar sind. Zweitens hat Ford inzwischen herausgefunden, dass ein RS eben nicht wie anfänglich befürchtet die ST-Version des Focus oder gar den Mustang kannibalisiert, sondern eine ganz eigene Zielgruppe bedient, mit der man durchaus Geld verdienen kann. Und drittens lässt sich der Focus RS ohne größere Komplikationen im Windschatten der globalen Ford produzieren.

Focus mit Motor vom Mustang

Ford Focus RS !!!Illustration!!!
Nach langem Ringen ist die Entwicklung des Focus RS nun auf dem Weg.
Bild: Andrei Avarvarii
Ford Focus RS (ab 2016) Der größte Berührungspunkt besteht in Plattform und Karosserie. Beides übernimmt er – von den Anbauteilen abgesehen – unverändert vom zivilen Focus, was ihn als ersten RS überhaupt zu fünf Türen verdonnert. Motorisch wiederum dockt er an die neue Vierzylinderversion des Mustang an. Der aufgeladene 2,3-Liter wird im Focus zwar nicht längs, sondern quer eingebaut, bleibt ansonsten aber wohl unverändert. 309 PS und 407 Newtonmeter bedeutet das, womit er leistungsmäßig leicht oberhalb, im Drehmoment allerdings unterhalb des Fünfzylinder-Turbos aus dem Vorgänger liegt.

Stärkster Serien-Golf der Geschichte

VW Golf R400
VW bringt die Golf R 400-Studie fast unverändert in Serie.
Bild: Werk
VW Golf R 400 (ab 2016) Im Vergleich zur Focus-Odyssee erscheint der Weg des VW Golf R 400 relativ kurz: Im April feierte er in Peking Debüt, als Studie zwar, aber bereits voll durchkalkuliert und serienreif. Entsprechend euphorisch reagierte die Journalie. Von Marktstarts in wenigen Monaten war die Rede, spätestens jedoch stehe das fertige Auto auf der kommenden IAA. Denkste! 2016 hat VW nun als Starttermin verlauten lassen – "allerfrühestens". Warum das so lange dauert? Nun, wie es aussieht, ist man in Wolfsburg noch uneins darüber, wie wild der mit Abstand stärkste Serien-Golf der Geschichte werden soll respektive werden darf. Seinem einstigen Rivalen, dem Astra, wäre der Golf damit endgültig entwachsen – zumal ein Konter aus Rüsselsheim derzeit nicht absehbar ist.

Astra OPC – wohl ab 2017 am Start

Opel Astra OPC
Der vierte Astra OPC dürfte 300 PS erreichen. Allradantrieb liegt durchaus im Bereich des Möglichen.
Bild: General Motors
Opel Astra OPC (ab 2017) Der Neue von Opel Astra soll 100 Kilo leichter sein, womit man den OPC wenigstens in die Region eines Golf GTI bekäme. Gleichzeitig wird der Zweiliter auf Biturbo-Aufladung und Direkteinspritzung umgestellt, 300 PS sollten dann möglich sein. Bleiben zwei Fragen: Die eine, ob Opel Allradantrieb in seine Kom­paktbaureihe einführt, darf man wohl mit einem vorsichtigen Ja be­antworten. Die andere nach einem Sportmodell in verschiedenen Karosserievarianten endet mit Nein. Zumindest zum Marktstart 2017 bleibt der OPC – auch aus Kosten­gründen – im Körper des dreitüri­gen GTC gefangen. Da aber immer mehr Konkurrenten in den kom­menden Monaten Kombivarianten ihrer Sportmodelle vorstellen, ist eine Sports-Tourer-Fassung aber nicht mehr völlig ausgeschlossen.

Kaufberatung: Sportliche Kompaktwagen


Fazit

von

Stefan Helmreich
So facettenreich wie in den nächsten Jahren war das sportliche Kompaktsegment noch nie. Zwei Highlights kommen 2016: der Golf R 400, der auf der Rundstrecke den Ton angeben wird; und der Focus RS, mit dem Ford traditionsgemäß eher die Fahrspaßfraktion bedient. Ein Jahr später könnte auch Opel wieder ein Wörtchen mitreden – vorausgesetzt es gelingt, den angestrebten Gewichtsverlust beim kommenden Astra umzusetzen.