Hyundai Ioniq 5 XRT: Elektro-Allradler mit Outdoor-Spirit
Dieses Elektroauto ist ein Schmutzfink

Audi und Volvo haben es schon in den 1990ern vorgemacht. Doch als erster überträgt Hyundai die Idee von allroad und CrossCountry jetzt mit dem Ioniq 5 XRT auf die Electric Avenue.
Bild: Hyundai
Die kleinen Steine klackern in den Kotflügeln wie die letzten Münzen in einer Sparbüchse, drinnen fühlt man sich auf der Rüttelpiste wie beim Rodeo, und den Blick durch den Rückspiegel trübt eine schier endlose Staubschleppe. Der Hyundai Ioniq 5 XRT ist wahrlich ein Dreckskerl und auch noch stolz darauf.
Denn mit einem breiten Grinsen im Gesicht und einem wunderbaren Eigenleben im Heck treibt man den Elektriker über die staubigen Feldwege im Hinterland der kalifornischen Küste, durch die abgelegeneren Ecken der Nationalparks oder über die großen Plains, auf denen einst die Trecks der Siedler unterwegs waren.
Genau für solche Strecken haben die Koreaner den Amerikanern jetzt den vielleicht schrägsten Ableger ihres elektrischen Erstlings gebaut: Nachdem sie ihn als Ioniq 5 N bereits auf die Piste gebracht haben, schicken sie ihn jetzt nämlich für Preise ab 55.500 US-Dollar auch noch in die Pampa. Nein, natürlich nicht als ernsthaften Geländewagen wie die elektrische G-Klasse, der Rivian RT1 oder der Hummer, die tatsächlich über Stock und Stein kraxeln und gar keine Wege mehr brauchen.
Hyundai Ioniq 5 XRT wird zum Trailrunner
Dafür bocken sie den Fünftürer um runde zwei Zentimeter auf und trainieren der Software ein paar neue Skills für Schnee, Matsch und Sand. Wo bislang lackierte Zierteile montiert sind, schrauben sie rustikale Plastikplanken ans Blech, und damit die nicht ganz so knauserig aussehen, prägen sie zur Deko eine Art Prototypen-Tarnung im Pixellook ein. Dazu noch einen stabilen Allterrain-Reifen auf die schwarzen 18-Zöller und drinnen ein paar grobe Fußmatten sowie abwaschbare Sitzbezüge, schon wird der Saubermann zum Schmutzfink und taugt als Trekking-Taxi.

Aufgebockt, eingestaubt und bereit für die Piste: Der Ioniq 5 XRT verlässt die Komfortzone der Elektromobilität.
Bild: Hyundai
Schließlich gibt es abseits der Highways und Byways in den USA Hunderttausende Kilometer an Tracks und Trails, auf denen die Freizeitgesellschaft zu Camping & Co in die hintersten Ecken des Landes vordringt. Und mit 84 kWh Batteriekapazität und einer Norm-Reichweite von umgerechnet 416 Kilometern kann man sich da ruhig auch mal mit einem Elektroauto hinwagen und hat dann abends im Camp – dem Vehicle to Load-Adapter sein Dank – sogar Strom.

Robuste Fußmatten, abwaschbare Sitzbezüge und ein Hauch von Outdoor-Flair – der Innenraum des XRT ist auf Schmutz und Abenteuer vorbereitet.
Bild: Hyundai
Zwar ändert sich mit der Bodenfreiheit tatsächlich auch der Charakter, der Aktionsradius wächst spürbar und genau wie mit seinem 800-Volt-Akku rückt der Ioniq 5 jetzt auch mit seiner Abenteuerlust ein wenig ab von der konservativen Konkurrenz. Denn auch wenn er wahrscheinlich nicht mehr kann als etwa ein VW ID.4 oder erst recht ein Toyota bZ4x, sieht er zumindest nach mehr aus.
Hyundai hat eine Chance vertan
Doch hat Hyundai beim XRT auch eine große Chance vertan: Kaum auszumalen, wie gewaltig der Spaß gewesen wäre, wenn sie statt des Modells von der Stange den 5 N als Basis genommen hätten. Nicht zwei Motoren mit 325, sondern plötzlich 651 PS und dann auch noch den Drift-Mode, die simulierte Doppelkupplung und die Grinse-Schaltung: Statt einfach nur die Idee von Audi Allroad für die Genration E neu zu interpretieren, hätten sie dann nämlich plötzlich eine elektrische Antwort auf Autos wie den 911 Dakar oder den Lamborghini Hurracan Sterrato gehabt.

Kein Geländewagen, aber auch kein Stadtauto mehr – der XRT sucht seinen Platz abseits befestigter Straßen.
Bild: Hyundai
Allerdings hatte das natürlich auch den Preisrahmen ins Unerreichbare gedehnt. So dagegen liegt der Aufpreis für den XRT bei bescheiden 2500 US-Dollar. Das geben viele Trekking-Freunde schon beim Besuch beim Outdoor-Outfitter aus.
Fazit
Sie haben zwar nur Kleinigkeiten geändert, aber die haben eine große Wirkung. Selten ist man mit einem gewöhnlichen E-Auto so sorglos über Feldwege und Feuerwehrstraßen, Wüstenwege und Schotterpisten gerast wie mit dem XRT . Dumm nur, dass Deutschland dafür zu dicht besiedelt ist, als dass man solche Freiheiten auch bei uns nutzen könnte. Deshalb ist leider kaum damit zu rechnen, dass Hyundai den XRT irgendwann auch über den Atlantik holt. Schade eigentlich.
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