Seit 2018 begleitet uns der Hyundai Kona Elektro; stets war er eines der besseren Elektroautos am Markt. Jetzt bekommt er mit dem Renault Megane E-Tech einen neuen Gegner – mit sehr ähnlichen Eckdaten: um 4,20 Meter kurz, Frontantrieb, Gewicht um 1700 kg, bis rund 60 kWh Akkukapazität, beide nutzen wegen der Effizienzvorteile Synchron-Elektromotoren, beide kamen mit reichweitenerhöhender Wärmepumpen-Heizung (Serie beim Hyundai, 1950 Euro Aufpreis beim Renault) zum Test, beide tummeln sich im gleichen Preissegment.

Vergleich Hyundai Kona Elektro, Renault Megane E-Tech

#Getestete Produkte
1.
Renault Megane E-Tech EV60
Renault Megane E-Tech
Carwow Logo
2.
Hyundai Kona Elektro 150 kW
Hyundai Kona Elektro
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Großer Unterschied: Während der Kona auch mit Benziner erhältlich ist, ist der Renault von vornherein nur für den E-Betrieb konzipiert. Und der Renault lädt schneller als der Hyundai, mit maximal 130 statt 100 kW. Außerdem markiert der Megane E-Tech eine neue Infotainment-Ära bei Renault: Das erste Produkt der 2018 geschlossenen Kooperation mit Google überzeugt mit Tempo, wohlgeordneten Menüs und Farbbrillanz. Und weil die Sprachsteuerung, aufzuwecken mit dem Schlüsselbefehl "Hey Google!", natürliche Sprache versteht.
Renault Megane E-Tech EV60
Auf der Höhe der Zeit: Das Infotainment mit Google-Software im Megane arbeitet ungefähr auf dem Niveau des Mercedes-MBUX.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD

Der Megane ist das deutlich modernere Auto

Einzig der Befehl "Navigation stumm!" schafft Chaos, weil das System statt zum gewünschten Ziel nun zu einem Ort namens Stumm in Österreich navigieren will. Ein Ausreißer, andere Befehle zu Navi, Temperatur, Audio und Fahrzeug-Setup hat das System verstanden – Letzteres kann das durchaus verlässliche Hyundai-System nicht.
Sein Display ist auch kleiner, grafisch schlichter. Den Renault dagegen hebt die Google-Software ungefähr auf Mercedes-MBUX-Niveau – kein Vergleich zum langsamen Easy Link in unserem Dauertest-Captur, das mit eigenwilliger Menüführung nervt und dessen Sprache schon mal ungefragt ins Albanische (!) wechselt.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchron-Elektromotor
Synchron-Elektromotor
Einbaulage
vorn
vorn
Spitzenleistung
150 kW (204 PS)
160 kW (218 PS)
Maximales Drehmoment
395 Nm
300 Nm
Batterieart
Lithium-Ionen
Lithium-Ionen
Batteriekapazität
64 kWh
60 kWh
Vmax
167 km/h
160 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Vorderradantrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
215/55 R 17 V
215/45 R 20 Y
Reifentyp
Michelin Primacy 4
Michelin Pilot Sport 4S
Verbrauch (WLTP kombiniert)*
14,7 kWh/100 km
16,8 kWh/100 km
Reichweite (WLTP kombiniert)*
484 km
434 km
Abgas CO2 (lokal)
0 g/km
0 g/km
Ladeleistung AC/DC
bis zu 11/100 kW
bis zu 22/130 kW
Ladeanschluss
Front
Kotflügel vorn rechts
Fach unter der Frontklappe
nein
nein
Vorbeifahrgeräusch
68 dB(A)
64 dB(A)
Anhängelast gebremst/ungebremst
300/300 kg
900/750 kg
Stützlast
100 kg
75 kg
Kofferraumvolumen
332–1114 l
440–1332 l
Länge/Breite/Höhe
4205/1800–2070**/1570 mm
4200/1768–2055**/1505 mm
Radstand
2600 mm
2685 mm
Spurweite vorn/hinten
1564/1576 mm
1548/1530 mm
Grundpreis*** (vor Förderung)
42.650 Euro
41.700 Euro
Testwagenpreis*** (wird gewertet)
46.800 Euro
46.650 Euro

Was die Kontrahenten ebenso trennt: Im Renault sitzt der Fahrer nur 22 Zentimeter über dem Fußboden, also Kompaktwagen-typisch, im Kona auf 28 Zentimeter Höhe – das ist SUV-Niveau. Im Fond gleichen sich die Werte an; hier sitzen die Passagiere jeweils auf mehrheitsfähigen 26 Zentimetern über dem Fahrzeugboden.
Hyundai Kona Elektro 150 kW
Der Hyundai Kona geht in glatten sieben Sekunden auf Tempo 100, schafft maximal 167 km/h – und fährt dem Renault davon.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD

Längsdynamisch ist der Kona überlegen

Der Kona mit dem großen 64-kWh-Akku (5700 Euro Aufpreis) bietet heftigen Elektro-Punch, gibt Feedback beim Beschleunigen, auch akustisch. Beim flotten Herausbeschleunigen aus Kurven ringt er allerdings um Grip und Traktion, das innere Vorderrad scharrt in der Kurve; der Hyundai ist das lebhaftere Auto bei Ausweichversuchen, braucht mehr Platz. Ein Ausweichhaken bei 70 km/h zeigt: Ein Auto, dessen Lenkung man ungestraft verreißen kann, ist er nicht, bleibt aber stets gut beherrschbar.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,9 s
3,4 s
0–100 km/h
7,0 s
7,6 s
0–130 km/h
11,0 s
11,7 s
0–160 km/h
17,4 s
17,9 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,5 s
3,4 s
80–120 km/h
4,5 s
4,5 s
Leergewicht/Zuladung
1718/452 kg
1696/462 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten
55/45 %
57/43 %
Wendekreis links/rechts
11,1/11,0 m
10,8/10,9 m
Sitzhöhe
620 mm
600 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,0 m
35,1 m
aus 100 km/h warm
36,0 m
34,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A)
54 dB(A)
bei 100 km/h
66 dB(A)
62 dB(A)
bei 130/160 km/h
70/74 dB(A)
66/73 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
13,8 kWh/100 km
16,3 kWh/100 km
Testverbrauch
Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe)
19,6 kWh/100 km
(+33 %)
23,3 kWh/100 km
(+39 %)
Sportverbrauch
25,0 kWh/100 km
24,4 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
0 g/km
Reichweite
385 km
300 km

Zudem kam er auf 17-Zoll-Rädern mit hochflankigen, komfortorientierten Michelin-Primacy-3-Pneus zu uns, mit den erwartbaren Vorteilen im Abrollverhalten. Die Federung: schluckfreudig, angenehm. Nur die leicht stößige Lenkung relativiert den insgesamt guten Komforteindruck. Mit dem linken Schaltpaddel – damit lässt sich bei beiden die Stärke der Rekuperation einstellen – kann man den Kona bis zum Stillstand abbremsen, das kann der Renault nicht.

Die 20-Zöller des Renault rollen herb ab

Der Megane kam auf 20-Zoll-Rädern und den sportiveren Michelin Pilot. Die rollen herb ab, dafür erinnert die Lenkpräzision an ein Gokart. Der Franzose fährt gemächlicher los, beschleunigt dann aber mit Nachdruck. Die Traktionsprobleme des Kona kennt er nicht. Wir würden uns allerdings die schicken 20-Zöller verkneifen und komfortablere 18-Zoll-Räder ordern.
Renault Megane E-Tech EV60
Zum Test rollte der Megane auf schicken 20-Zöllern, und das kostet deutlich Komfort. Wir empfehlen daher 18-Zöller.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der Renault lenkt exakt ein und überzeugt mit wenig Karosseriebewegungen. Selbst grob provoziert bleibt er ausgesprochen ruhig mit ganz wenig Seitenneigung. Auf unserer Standard-Rumpelstrecke zeigt sich die Karosserie steif, kaum Knistern und Klappern. Die Domstrebe im Motorraum – ein Sportwagen-Feature – dürfte zum Eindruck unerschütterlicher Steifigkeit beitragen.

Bildergalerie

Renault Megane E-Tech EV60 Hyundai Kona Elektro 150 kW
Renault Megane E-Tech EV60
Hyundai Kona Elektro 150 kW
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Zwei kompakte Stromer im Test
Der Geradeauslauf zeigt sich ebenfalls äußerst stabil. Der in Richtung Sportwagen deutende Charakter des Renault und sein muskulöses Design haben ihre Kehrseite: Der Blick auf Ampeln ist ähnlich zugebaut vom tief gezogenen Dach und von der Assistenztechnik-Konsole wie in einem Mini – und das will etwas heißen.

Fazit

Vier Jahre jünger, ist der Renault Megane E-Tech eine ganze E-Auto-Generation weiter. Der Hyundai Kona lädt zwar langsamer, bleibt aber ein Verbrauchswunder, ist vergnüglich zu fahren, spricht die Fans einer konventionellen Bedienung an und bleibt auch deshalb ein Sympathieträger.