Hyundai Kona Elektro, Renault Megane E-Tech: Test, SUV, Motor, Preis
Modernist gegen Normalo: Megane E-Tech trifft auf Kona Elektro

Mit dem modernen Megane E-Tech zielt Renault auf den Hyundai Kona Elektro. Welches der beiden E-Autos ist am Ende die bessere Wahl?
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Seit 2018 begleitet uns der Hyundai Kona Elektro; stets war er eines der besseren Elektroautos am Markt. Jetzt bekommt er mit dem Renault Megane E-Tech einen neuen Gegner – mit sehr ähnlichen Eckdaten: um 4,20 Meter kurz, Frontantrieb, Gewicht um 1700 kg, bis rund 60 kWh Akkukapazität, beide nutzen wegen der Effizienzvorteile Synchron-Elektromotoren, beide kamen mit reichweitenerhöhender Wärmepumpen-Heizung (Serie beim Hyundai, 1950 Euro Aufpreis beim Renault) zum Test, beide tummeln sich im gleichen Preissegment.
Großer Unterschied: Während der Kona auch mit Benziner erhältlich ist, ist der Renault von vornherein nur für den E-Betrieb konzipiert. Und der Renault lädt schneller als der Hyundai, mit maximal 130 statt 100 kW. Außerdem markiert der Megane E-Tech eine neue Infotainment-Ära bei Renault: Das erste Produkt der 2018 geschlossenen Kooperation mit Google überzeugt mit Tempo, wohlgeordneten Menüs und Farbbrillanz. Und weil die Sprachsteuerung, aufzuwecken mit dem Schlüsselbefehl "Hey Google!", natürliche Sprache versteht.

Auf der Höhe der Zeit: Das Infotainment mit Google-Software im Megane arbeitet ungefähr auf dem Niveau des Mercedes-MBUX.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der Megane ist das deutlich modernere Auto
Einzig der Befehl "Navigation stumm!" schafft Chaos, weil das System statt zum gewünschten Ziel nun zu einem Ort namens Stumm in Österreich navigieren will. Ein Ausreißer, andere Befehle zu Navi, Temperatur, Audio und Fahrzeug-Setup hat das System verstanden – Letzteres kann das durchaus verlässliche Hyundai-System nicht.
Sein Display ist auch kleiner, grafisch schlichter. Den Renault dagegen hebt die Google-Software ungefähr auf Mercedes-MBUX-Niveau – kein Vergleich zum langsamen Easy Link in unserem Dauertest-Captur, das mit eigenwilliger Menüführung nervt und dessen Sprache schon mal ungefragt ins Albanische (!) wechselt.
Fahrzeugdaten
Modell | Hyundai Kona Elektro (64 kWh) | Renault Megane E-Tech EV60 |
|---|---|---|
Motor Bauart | Synchron-Elektromotor | Synchron-Elektromotor |
Einbaulage | vorn | vorn |
Spitzenleistung | 150 kW (204 PS) | 160 kW (218 PS) |
Maximales Drehmoment | 395 Nm | 300 Nm |
Batterieart | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität | 64 kWh | 60 kWh |
Vmax | 167 km/h | 160 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/55 R 17 V | 215/45 R 20 Y |
Reifentyp | Michelin Primacy 4 | Michelin Pilot Sport 4S |
Verbrauch (WLTP kombiniert)* | 14,7 kWh/100 km | 16,8 kWh/100 km |
Reichweite (WLTP kombiniert)* | 484 km | 434 km |
Abgas CO2 (lokal) | 0 g/km | 0 g/km |
Ladeleistung AC/DC | bis zu 11/100 kW | bis zu 22/130 kW |
Ladeanschluss | Front | Kotflügel vorn rechts |
Fach unter der Frontklappe | nein | nein |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) | 64 dB(A) |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 300/300 kg | 900/750 kg |
Stützlast | 100 kg | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 332–1114 l | 440–1332 l |
Länge/Breite/Höhe | 4205/1800–2070**/1570 mm | 4200/1768–2055**/1505 mm |
Radstand | 2600 mm | 2685 mm |
Spurweite vorn/hinten | 1564/1576 mm | 1548/1530 mm |
Grundpreis*** (vor Förderung) | 42.650 Euro | 41.700 Euro |
Testwagenpreis*** (wird gewertet) | 46.800 Euro | 46.650 Euro |
Was die Kontrahenten ebenso trennt: Im Renault sitzt der Fahrer nur 22 Zentimeter über dem Fußboden, also Kompaktwagen-typisch, im Kona auf 28 Zentimeter Höhe – das ist SUV-Niveau. Im Fond gleichen sich die Werte an; hier sitzen die Passagiere jeweils auf mehrheitsfähigen 26 Zentimetern über dem Fahrzeugboden.

Der Hyundai Kona geht in glatten sieben Sekunden auf Tempo 100, schafft maximal 167 km/h – und fährt dem Renault davon.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Längsdynamisch ist der Kona überlegen
Der Kona mit dem großen 64-kWh-Akku (5700 Euro Aufpreis) bietet heftigen Elektro-Punch, gibt Feedback beim Beschleunigen, auch akustisch. Beim flotten Herausbeschleunigen aus Kurven ringt er allerdings um Grip und Traktion, das innere Vorderrad scharrt in der Kurve; der Hyundai ist das lebhaftere Auto bei Ausweichversuchen, braucht mehr Platz. Ein Ausweichhaken bei 70 km/h zeigt: Ein Auto, dessen Lenkung man ungestraft verreißen kann, ist er nicht, bleibt aber stets gut beherrschbar.
Messwerte
Modell | Hyundai Kona Elektro (64 kWh) | Renault Megane E-Tech EV60 |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,9 s | 3,4 s |
0–100 km/h | 7,0 s | 7,6 s |
0–130 km/h | 11,0 s | 11,7 s |
0–160 km/h | 17,4 s | 17,9 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 3,5 s | 3,4 s |
80–120 km/h | 4,5 s | 4,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1718/452 kg | 1696/462 kg |
Gewichtsverteilung vorn/hinten | 55/45 % | 57/43 % |
Wendekreis links/rechts | 11,1/11,0 m | 10,8/10,9 m |
Sitzhöhe | 620 mm | 600 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,0 m | 35,1 m |
aus 100 km/h warm | 36,0 m | 34,4 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 57 dB(A) | 54 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) | 62 dB(A) |
bei 130/160 km/h | 70/74 dB(A) | 66/73 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 13,8 kWh/100 km | 16,3 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 19,6 kWh/100 km (+33 %) | 23,3 kWh/100 km (+39 %) |
Sportverbrauch | 25,0 kWh/100 km | 24,4 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km | 0 g/km |
Reichweite | 385 km | 300 km |
Zudem kam er auf 17-Zoll-Rädern mit hochflankigen, komfortorientierten Michelin-Primacy-3-Pneus zu uns, mit den erwartbaren Vorteilen im Abrollverhalten. Die Federung: schluckfreudig, angenehm. Nur die leicht stößige Lenkung relativiert den insgesamt guten Komforteindruck. Mit dem linken Schaltpaddel – damit lässt sich bei beiden die Stärke der Rekuperation einstellen – kann man den Kona bis zum Stillstand abbremsen, das kann der Renault nicht.
Die 20-Zöller des Renault rollen herb ab
Der Megane kam auf 20-Zoll-Rädern und den sportiveren Michelin Pilot. Die rollen herb ab, dafür erinnert die Lenkpräzision an ein Gokart. Der Franzose fährt gemächlicher los, beschleunigt dann aber mit Nachdruck. Die Traktionsprobleme des Kona kennt er nicht. Wir würden uns allerdings die schicken 20-Zöller verkneifen und komfortablere 18-Zoll-Räder ordern.

Zum Test rollte der Megane auf schicken 20-Zöllern, und das kostet deutlich Komfort. Wir empfehlen daher 18-Zöller.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der Renault lenkt exakt ein und überzeugt mit wenig Karosseriebewegungen. Selbst grob provoziert bleibt er ausgesprochen ruhig mit ganz wenig Seitenneigung. Auf unserer Standard-Rumpelstrecke zeigt sich die Karosserie steif, kaum Knistern und Klappern. Die Domstrebe im Motorraum – ein Sportwagen-Feature – dürfte zum Eindruck unerschütterlicher Steifigkeit beitragen.
Der Geradeauslauf zeigt sich ebenfalls äußerst stabil. Der in Richtung Sportwagen deutende Charakter des Renault und sein muskulöses Design haben ihre Kehrseite: Der Blick auf Ampeln ist ähnlich zugebaut vom tief gezogenen Dach und von der Assistenztechnik-Konsole wie in einem Mini – und das will etwas heißen.
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