Ineos Grenadier Quartermaster
Der Ineos Grenadier Quartermaster ist das ultimative Offroad-Biest
Nachdem Ineos den Defender neu erfunden hat, bringen die Briten nun das zweite Modell: den Pick-up Grenadier Quartermaster. Ein Offroad-Laster für alle Fälle. Fahrbericht!
Bild: INEOS
- Tomas Hirschberger
Geld allein macht nicht glücklich, hilft aber bei manchen Dingen ungemein. Als Sir Jim Ratcliffe, derzeit wohl reichster Brite, sein Lieblingsauto Land Rover Defender 2016 nicht in Lizenz weiterbauen durfte, erfand er die Offroad-Ikone kurzerhand neu. Im Design dem ewigen Defender wie aus dem Gesicht geschnitten, wurde die Technik des Ineos Grenadier komplett selbst entwickelt.
Seit Anfang 2023 läuft der kantige Klon nun im ehemaligen Smart-Werk Hambach vom Band – die Produktionsanlagen samt Belegschaft übernahm der Gründer und Vorstand des Chemieunternehmens Ineos gleich mit.
Mittlerweile hat Ineos über 20.000 Station Wagon verkauft, viele davon in Deutschland, den USA und Australien. Gerade unter eingefleischten Offroadern gilt der mit Magna Steyr entwickelte Grenadier bereits als Geheimtipp. Auch, weil alles an ihm so stabil und robust ist, als könne kein Berg und keine Schlucht dieser Welt ihn jemals stoppen.
Jetzt folgt der zweite Streich: die Pick-up-Version Grenadier Quartermaster. Wieder gibt es die Wahl zwischen zwei BMW-Sechszylinder-Reihenmotoren, die auch im X5 oder im 5er arbeiten und hier standardmäßig mit einer Achtgang-Automatik von ZF auf Touren kommen. Die Dieselvariante liefert 249 PS und 550 Newtonmeter Drehmoment, der Benziner 286 PS und 450 Newtonmeter.

Nachdem Ineos den Defender neu erfunden hat, bringen die Briten nun das zweite Modell: den Pick-up Grenadier Quartermaster.
Bild: INEOS
Der Quartermaster soll künftig im Revier des Jeep Gladiator und Ford Ranger Raptor wildern. Mit stattlichen 5,44 Meter ist er noch mal gut 55 Zentimeter länger als der Station Wagon und damit in etwa so handlich wie ein 20-Fuß-Container. Auf die Pritsche passt eine Europalette, bis zu 800 Kilo Ladung kann der robuste Allradler aufsatteln. Gegen neugierige Blicke und Langfinger schützen ein abschließbares Metall-Rollo oder ein Canvas-Top. Beides gegen Aufpreis.
Ineos Grenadier Quartermaster: 3,5 Tonnen Anhängelast
Mit einer Anhängelast von 3,5 Tonnen bietet sich der Quartermaster für Forstbetriebe oder Rettungsdienste an, die regelmäßig mit schwerem Gerät in unwegsame Regionen müssen. Oder eben allen Hardcore-Offroadern, die zum Feierabend schnell noch mal aufs Hochplateau im Himalaja klettern.
Bis zu den hinteren Türen ist der Pick-up mit dem Station Wagon identisch. Dahinter folgt ein harter Cut in Form einer Trennwand, was für die hinteren Passagiere in der Doppelkabine unangenehme Folgen hat, weil ihre Sitzlehne jetzt extrem steil steht. Zudem haben sie acht Zentimeter weniger Fußraum. Das Euro-Paletten-Maß war Ineos wichtiger.

Das Multimedia-Menü – steuerbar über Touchscreen oder Drehcontroller – ist abgespeckt auf wesentliche Infos.
Bild: INEOS
Innen ist alles auf Praktikabilität ausgelegt. Nach getaner Drecksarbeit lässt sich der Boden mit dem Schlauch auskärchern. Lifestyle-Attitüden sind dem Quartermaster ohnehin fremd. Das Multimedia-Menü – steuerbar über Touchscreen oder Drehcontroller – ist abgespeckt auf wesentliche Infos für alle Schräglagen dieser Welt. Knöpfe und Drehschalter an der Mittelkonsole sind groß und robust, nicht elegant. Die Schalttafel am Fahrzeughimmel erinnert an ein Flugzeugcockpit und enthält die wichtigsten Offroad-Funktionen.
Nein, eine Idealbesetzung zum Flanieren auf den Laufstegen von der Kö bis zur Leopoldstraße ist dieser britische Blechberg eher nicht. War ja auch der Defender nicht ernsthaft. Mit seinem schweren Leiterrahmen (in Rot, Schwarz und Grau bestellbar), armdicken Starrachsen und auf extreme Kletterpartien ausgelegten Differenzialsperren ist der fast drei Tonnen schwere Last-Kraft-Wagen ein absoluter Grenzgänger. Ein Luftfederfahrwerk kam nie infrage. Viel zu anfällig. Langlebigkeit hat bei Ineos immer oberste Priorität.

Der Quartermaster bewältigt selbst extreme Steigungen.
Bild: INEOS
Dabei federt der Pick-up überraschend manierlich und dank des längeren Radstands noch einmal spürbar komfortabler als der kurze Erstgeborene. Die von Bosch zugelieferte und für den Quartermaster angepasste Lenkung hat freilich wenig mit dem zu tun, was wir von feinen SUV kennen. Kein Wunder, sie arbeitet sonst in einem 7,5 Tonner. Mit Zielgenauigkeit hat sie es nicht so, und nach Kurven muss man aktiv zurücklenken, sonst folgt der Bursche stur dem eingeschlagenen Kurs.
Ganz zu schweigen vom Wendekreis, der mit "ausufernd" nur unzureichend beschrieben ist. Dafür überträgt die Kugelumlauflenkung im schweren Gelände kaum Schläge aufs Lenkrad und ist, wir hatten es schon, äußerst robust.
Der Quartermaster bewältigt selbst extreme Steigungen
Abseits befestigter Wege kann dem Quartermaster ohnehin kaum einer folgen. Mit manuell sperrbarem Mitteldifferential, Getriebeuntersetzung und zuschaltbaren Sperren kraxelt auch der verlängerte Grenadier extreme Steigungen, an denen normalerweise Liftanlagen Menschen befördern, spielerisch hinauf. Dabei hilft dem Diesel sein Drehmoment-Kick etwas mehr. Der Benziner wiederum benimmt sich kultivierter, ist vor allem leiser, genehmigt sich aber mit durchschnittlich 15 Litern auch rund vier Liter mehr als der Diesel.

Der Ineos Quartermaster ist ein Gerät für Offroad-Profis, die es sich leisten können.
Bild: INEOS
Eingepreist sind beide gleich: Bei 72.640 Euro geht's los, die feinere "Trailmaster"-Version mit Leder und etwas Luxus-Schnickschnack startet ab 81.890 Euro, die auf Extrem-Touren getrimmte "Fieldmaster"-Edition ebenfalls.
Nach oben sind den Preisen kaum Limits gesetzt. Die Liste zum Individualisieren des Quartermaster sind so grenzenlos wie seine Ambitionen, die Welt da draußen zu erobern. Und auch hier gilt: Geld erleichtert im wahrsten Sinne des Wortes den Aufstieg.
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