Die Kleinstadt Summit in New Jersey ist der ideale Ort für den Karma Revero GT. Die Menschen hier haben Geld und, blickt man sich auf und neben den Straßen um, ein gewisses Faible für Extravaganz. Da fällt dieses Auto den Bewohnern tatsächlich erst auf den zweiten Blick auf. Dabei ist es aus unterschiedlichsten Gründen ungewöhnlich. Eigentlich schon 13 Jahre alt, trotzdem irgendwie neu. Nach Lärm aussehend, trotzdem ganz leise. Nicht wirklich Luxusklasse, trotzdem furchtbar teuer. (Wichtige Tipps für den Neuwagenkauf im Internet)
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Der Karma Revero GT, den ich durch die feinen Straßen lenke, ist ein alter Bekannter. Unter dem Namen Fisker Karma fuhr ich ihn bereits 2011. Schon damals ein Plug-in-Hybrid, wobei immer Wert darauf gelegt wurde, dass der Verbrennungsmotor die Hinterachse nie antreibt, sondern lediglich Strom für den 28 kWh großen Akku generiert. Deswegen ist der Auspuff auch im Unterboden hinter dem linken Vorderreifen versteckt. Die 150.000-Dollar-Limousine soll aussehen wie ein reines Elektroauto. Und auch so klingen, jedenfalls im Stealth-Modus, bei dem der Verbrenner nicht läuft. Maximal knapp 100 Kilometer ist dann die elektrische Reichweite. Aber nur, wenn die beiden E-Motoren nicht so rangenommen werden, wie man es sich bei einer 535-PS-Limousine eigentlich wünscht.

Range Extender stammt vom BMW i8

Karma Revero GT
Neue Front: Kenner sehen hier sofort den Fisker Karma. Im Revero GT sitzt im Bug ein Motor von BMW.
Wenn dann aber der Turbomotor ins Spiel kommt, kann der Revero GT so sehr brüllen, dass sich die feinen Damen aus Summit erschrocken umdrehen. Und da erinnere ich mich an die Fahrt im alten Fisker Karma, der einen ungehobelten Vierzylinder von GM unter der langen Haube hatte, der nun wirklich nicht zu mehr taugte, als Strom zu produzieren. Seit das US-Start-up Karma Automotive (gehört zum chinesischen Zulieferer Wanxiang) den Karma mit leicht veränderter Front zurück in die Verkaufsräume gebracht hat, hat jener Dreizylinder-Turbo den Job als Reichweitenverlängerer übernommen, der auch schon im i8 arbeitete. Nur ein winziger Aufkleber im riesigen Motorraum verrät, dass die 1,5-Liter-Maschine aus dem BMW-Regal stammt. In Bayern wird sie nicht mehr gebraucht – die i8-Produktion wurde längst eingestellt.

Die Fahrleistungen und der Verbrauch überzeugen

Karma Revero GT
Sehr ordentlich: Bei vollem Leistungseinsatz sprintet der Revero in 4,5 Sekunden auf Tempo 100.
Im Gegensatz zu einem Vierzylinder bietet der quasi in der Mitte durchgeschnittene BMW-Sechszylinder weniger Gewicht, weniger innere Reibung und einen rotzigeren Klang. Das – und die Beschleunigung in viereinhalb Sekunden auf Tempo 100 – macht schon Spaß. Der angegebene Normverbrauch von 3,3 Litern ist zwar nur theoretisch, aber bei einer entsprechenden Fahrweise doch möglich. Hinterm Lenkrad erinnert immer noch einiges an den alten Karma: die maximal mittelmäßige Verarbeitung, das lausige Platzangebot (vor allem hinten), einfach das Gefühl, in einem viel zu teuren Auto zu sitzen. Und das trotz der modernen Fahrassistenten, die der Ur-Karma nicht hatte. Und trotz einer Designform, der man die 13 Jahre nicht ansieht.
Vito Manzoni vom lokalen Aston-Martin-Händler versucht seit ein paar Monaten, auch Karma Revero zu verkaufen. Noch hat er es nicht geschafft. Vor mir drehte ein potenzieller Kunde eine Runde. Der fährt Tesla – und wird es in Zukunft auch weiterhin tun. (Unterhaltskosten berechnen? Zum Kfz-Versicherungsvergleich)
Technische Daten Karma Revero GT • Motor: zwei E-Motoren; 1,5-Liter, Dreizylinder-Turbo (Range Extender) • Systemleistung: 393 kW (535 PS) • Drehmoment: 746 Nm • Antrieb: Hinterradantrieb, Einstufenautomatik • Akku: 28 kWh • E-Reichweite: max. 98 km • Länge/Breite/Höhe: 5070/2161/1331 mm • Leergewicht: 2290 kg • 0-100 km/h: 4,5 s • Vmax: 201 km/h • Verbrauch: 3,3 l/100 km • Abgas CO2: 78 g/km • Preis (netto): 144.800 Dollar.

Bildergalerie

Karma Revero GT
Karma Revero GT
Karma Revero GT
Kamera
Fahrbericht Karma Revero GT

Fazit

Es war eine Zeitreise in die Anfänge der E-Mobilität. Technisch ist der Karma Revero überholt, zu teuer ist er sowieso – aber wer ihn sich leisten kann, fährt einen seltenen Klassiker der Automobilgeschichte. AUTO BILD-Urteil: 2-