Welches Modell kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn es um kompakte SUV geht? Ein VW Tiguan? Gut möglich. Der Wolfsburger ist ein Klassiker, ein Bestseller, eine Bank – die SUV-Größe sozusagen.

Zwei Kompakt-SUV im Test

2,0
gut
2,1
gut
  • gutes Multimediasystem
  • sparsam
  • wendiges Fahrgefühl
  • großer Kofferraum
  • 7 Jahre Garantie
  • umfangreich klimatisiert
  • schweres Auto
  • gewöhnungsbedürftiges Getriebe
  • mäßige Anhängelast
  • großer Wendekreis
  • karge Navigation
  • teure Wartung
Die aber nicht allein auf der Welt ist. Der Kia Sportage etwa meldet bereits seit über 30 (!) Jahren berechtigte Ansprüche an, ist ebenfalls sehr beliebt. Ihn bedenkt Kia zudem mit sieben Jahren Garantie, einer guten Ausstattung und niedrigeren Preisen.

Konventioneller Benziner gegen Vollhybrid

Gleichzeitig haben wir diesem Burschen in vorangegangenen Tests schon häufiger gute Fahreigenschaften und "viel Funktion fürs Geld" attestiert. Also: Den Sportage bitte ab sofort ebenfalls als beständig-guten Vertreter der Liga abspeichern! Ob das auch für die jüngste Evolutionsstufe gelten darf, prüfen wir natürlich.
Kia Sportage 1.6-GDI AWD Renault Austral Full Hybrid E-Tech 200
Blaue Brüder: Die beiden kompakten SUV bewegen sich preislich auf Augenhöhe. In Sachen Technik sind sie allerdings ziemlich verschieden.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im direkten Vergleich tritt ein anderer interessanter Ableger dieser Spezies an: Der Renault Austral liefert ähnliche Funktionalität zu ähnlichen Preisen ab etwa 40.000 Euro. Allerdings bestückt Renault das Kompakt-SUV mit mehr Technik.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Turbo
Dreizylinder, Turbo, Hybrid
Einbaulage
vorn quer
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Kette
Hubraum
1598 cm³
1199 cm³
kW (PS) bei 1/min
132 (180)/5500
147 (200) Systemleistung
Nm bei 1/min
265/1500
k. A.
Vmax
203 km/h
180 km/h
Getriebe
Siebengang-Doppelkupplung
Multimode-Getriebe
Antrieb
Allradantrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
235/50 R 19 V XL
235/40 R 20 V
Reifentyp
Continental PremiumContact 6
Michelin Pilot Sport 4 SUV
Radgröße
7,5 x 19"
7,5 x 20"
Abgas CO2
177 g/km
109 g/km
Verbrauch*
7,8 l/100 km
4,8 l/100 km
Tankinhalt
54 l
55 l
Kraftstoffsorte
Super
Super
Partikelfilter
Serie
Serie
Vorbeifahrgeräusch
64 dB(A)
66 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1650/750 kg
1500/750 kg
Stützlast
100 kg
85 kg
Kofferraumvolumen
562–1751 l 
527–1736 l 
Länge/Breite/Höhe
4540/1865–2080**/1645 mm
4510/1825–2083**/1618 mm
Radstand
2680 mm
2667 mm
Grundpreis
40.090 Euro
39.450 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
50.170 Euro
46.650 Euro
Doch zunächst zum Korea-Klassiker. In diesem Duell tritt der Sportage als 180 PS starker Benziner mit Automatik und Allradantrieb an. Ein 1.6er-Turbobenziner liefert dabei die Leistung, eine Siebengang-Doppelkupplungsautomatik sortiert die Drehzahlen der Vierzylindermaschine, ein variables (elektronisch geregeltes) Mitteldifferenzial verwaltet die Antriebskräfte. Dazu kommt ein erweiterter Funktionsumfang bei Multimedia und Fahrassistenz.

Im Sportage-Fahrwerk steckt viel Komfort

Das Facelift-Paket hat dem Sportage sehr gutgetan. Ordentlich arbeitende Spurführungs- und Verzögerungssysteme sichern angenehm unauffällig ab, der Fahrkomfort mit deutlich weicherer Federung und feiner hemmenden Stoßdämpfern passt zur Wagenklasse. Es geht grundsätzlich angenehm weich zu. Allenfalls für das spröde Ansprechverhalten des Fahrwerks auf kurz-knappe Kanten im Asphalt ziehen wir Wertungspunkte ab.
Kia Sportage 1.6-GDI AWD
Feine Federung: Der Sportage läuft auch auf unebenen Straßen satt, geht bestens geradeaus. Er dürfte aber sparsamer sein.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Außerdem dürfte der 1.6er gerne kultivierter laufen. Zwar gibt er sich bei Teillast und entspannten Drehzahlen zahm und leise-zurückhaltend. Doch unter Tempostress werkelt der Verbrenner arg angestrengt, dröhnt bei hohen Touren und ist dann auch kein Kostverächter. Bis zu 11,4 Liter Super auf 100 Kilometer verbrennt das Aggregat laut unserer Prüfung.

Das Kia-Getriebe hat zwei Seiten

Auch das Getriebe kennt zwei Medaillenseiten: Bei Bummelfahrt geht es sehr sanft und unauffällig zu. Im Gegensatz dazu schaltet die Automatik im Fahrprogramm "Standard" immer etwas früh und hektisch herunter, der Antrieb läuft dann unnötig hochtourig. Tipp: Im Eco-Modus der Fahrprogramme arbeiten Motor und Automatik souveräner zusammen. Auch auf das hektische Rangierverhalten (geht zu hochtourig in den Kupplungsschlupf) hat das Fahrprogramm beruhigende Wirkung.
Kia Sportage 1.6-GDI AWD
Im "Eco"-Modus und in Bummelfahrt arbeitet die Kia-Automatik unauffällig. In "Standard" schaltet sie aber zu früh herunter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
In unseren Ausweichtests zeigt der Sportage ein deutlich gelasseneres Wesen. Er stolpert nie, wirkt allerdings schwerer, als es die 1800 Kilogramm Leermasse vermuten lassen. Die Lenkung arbeitet präzise und direkt genug für diese Liga, fehlerlos läuft der Kia auch bei hohem Tempo geradeaus.

Renault setzt aufs Doppelherz

Das gilt auch für den Renault. Der gleichzeitig leiser schnürt und sowohl im Durchzug als auch aus dem Stand heraus viel kräftiger und entspannter vorwärtsgeht. Dem Austral E-Tech 200 hilft ein in der Theorie komplexes, doch im Umgang sorgloses Antriebspaket. Der 131 PS starke 1.2er-Dreizylinder erhält nämlich Unterstützung von einer 69 PS starken Elektromaschine. Beide Aggregate wirken über ein Getriebe (ohne Kupplung) mit bis zu 16 möglichen Übersetzungen auf die Vorderräder.
Renault Austral Full Hybrid E-Tech 200
Unter Spannung: Im Bug des Renault Austral arbeiten ein 1.2er mit drei Zylindern und eine E-Maschine (51 kW Leistung) zusammen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das klappt gut, solange man auf der Autobahn nicht zu verwegen am 1.2er wringt oder zu sehr im Kickdown-Sumpf wütet. In solchen Situationen wirkt der Austral nämlich überhastet, schafft darüber hinaus die versprochenen 180 km/h Höchstgeschwindigkeit nur in der vorletzten Übersetzungsstufe. Auch eine sehr lange Schaltpause bei rund 120 km/h ist uns unangenehm im Gedächtnis geblieben. Gleichfalls gefallen uns die Brummfrequenzen des Antriebs bei niedrigen Drehzahlen (z. B. sobald die E-Maschine als Generator läuft und den 1.2er anzapft) nicht.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,3 s
3,9 s 
0–100 km/h
8,9 s
9,0 s 
0–130 km/h
14,5 s
14,7 s 
0–160 km/h
23,4 s
22,8 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,8 s
4,3 s 
80–120 km/h
6,2 s
4,9 s
Leergewicht/Zuladung
1659/571 kg
1683/459 kg
Gewichtsverteilung v./h.
59/41 %
58/42 %
Wendekreis links/rechts
11,5/11,6 m
10,6/10,5 m
Sitzhöhe
670 mm
690 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,1 m
34,3 m 
aus 100 km/h warm
33,0 m
33,8 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A)
59 dB(A) 
bei 100 km/h
64 dB(A)
63 dB(A) 
bei 130 km/h
69 dB(A)
67 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
6,5 l S/100 km
5,4 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
8,2 l S/100 km
(+5 %)
7,2 l S/100 km
(+50 %)
Sportverbrauch
11,4 l S/100 km
9,4 l S/100 km
CO2 (Testverbrauch)
194 g/km
171 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
658 km
763 km
Alles andere macht der Renault jedoch sehr anständig. Er saust mit spürbarer Elektrounterstützung drauflos, läuft insgesamt leiser und hängt in mittleren Drehzahlregionen viel emsiger am Gas als der Sportage. In der Folge geht der Franzose dann auch nachhaltiger mit dem Kraftstoff um. Wir haben bei Misch-Fahrt brauchbare 7,2 Liter auf 100 Kilometer errechnet – das ist ein ganzer Liter weniger als beim Konkurrenten.

Die Hinterachslenkung des Austral ist einstellbar

Zum ausgeprägteren Vorwärtsdrang des Franzosen passt das leichtere Fahrgefühl. Er rollt aufrechter durch die Kurven, reagiert zügiger auf Lenkbefehle. Das passiert zudem "einstellbar". Dabei hilft die serienmäßig verbaute Hinterachslenkung eifrig mit. Bei hohem Tempo spontan, bei niedrigeren Geschwindigkeiten enorm handlich – speziell, wenn der Schwenkwinkel der Hinterräder über das Bedienfeld auf Maximum (13 Stufen möglich) justiert wird.
Renault Austral Full Hybrid E-Tech 200
Quirlig: Mit der auf maximalen Einschlagwinkel eingestellten Hinterachslenkung gibt sich der Austral besonders querdynamisch.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
In dieser Phase mutiert das große SUV zum überquirligen Slalomkönig – ein seltsames, gleichzeitig lustiges Fahrgefühl. Beim Ausweichen bleibt der Renault spurtreu und wird unerbittlich vom ESP eingefangen. Der Austral gibt sich also ein Quäntchen aktiver als der Sportage – so die Kurzform seiner Fahrdynamik.
In den praktischen Disziplinen herrscht nahezu Gleichstand. Wo der Austral mit guter Bedienbarkeit und schlauer Google-Vernetzung punktet, hält der Kia mit toller Klimatisierung gegen. Der Kia bietet etwas mehr Seitenhalt über strammer gepolsterte Seitenwangen der Vordersitzflächen, im Austral genießt man dagegen eine etwas längere Beinauflage.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
567
557
Platz
1
2
Testnote
2,0
2,1
Fazit
Im Kern komplex, im Wesen problemlos, dabei sparsam und fahraktiver. Beim Kauf zudem günstiger.
Besser gefedert, insgesamt komfortabler, gleichfalls durstiger. Sieben Jahre Garantie und gefühlt das erwachsenere Auto.
Tolle Details im Kia: Die Fondpassagiere können USB-Anschlüsse in den Lehnen der Vordersitze nutzen und ihre Lehne verstellen, Fahrer und Beifahrer dürfen auf eine Sitzbelüftung bauen. Im Renault dagegen freuen sich Nutzer über sehr schnelle Reaktionen auf Sprachbefehle inklusive fehlerfreier Routenführung am Stau vorbei.
Zählen wir zusammen: Flotter, agiler, sauberer und besser "connected" – der Renault ist das bessere Auto, der Kia dafür das bequemere.

Bildergalerie

Kia Sportage 1.6-GDI AWD Renault Austral Full Hybrid E-Tech 200
Kia Sportage 1.6-GDI AWD
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Zwei Kompakt-SUV im Test

Fazit

von

AUTO BILD
Das komfortablere SUV stellt Kia, gleichzeitig ist der Sportage belastbarer. Der Renault wirkt moderner, ist flinker und unterm Strich nicht teurer. So geht der Sieg nach Frankreich.