Kia Sportage 1.6 T-GDI AWD, Renault Austral Full Hybrid E-Tech 200: Test
Kompakt-SUV im Antriebsvergleich: Renault Austral vs. Kia Sportage

Kompakte SUV sind noch immer hoch im Kurs. Doch welcher Antrieb bringt's? Das prüfen wir mit Renault Austral und Kia Sportage – Vollhybrid gegen Turbobenziner!
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Welches Modell kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn es um kompakte SUV geht? Ein VW Tiguan? Gut möglich. Der Wolfsburger ist ein Klassiker, ein Bestseller, eine Bank – die SUV-Größe sozusagen.
Zwei Kompakt-SUV im Test
Die aber nicht allein auf der Welt ist. Der Kia Sportage etwa meldet bereits seit über 30 (!) Jahren berechtigte Ansprüche an, ist ebenfalls sehr beliebt. Ihn bedenkt Kia zudem mit sieben Jahren Garantie, einer guten Ausstattung und niedrigeren Preisen.
Konventioneller Benziner gegen Vollhybrid
Gleichzeitig haben wir diesem Burschen in vorangegangenen Tests schon häufiger gute Fahreigenschaften und "viel Funktion fürs Geld" attestiert. Also: Den Sportage bitte ab sofort ebenfalls als beständig-guten Vertreter der Liga abspeichern! Ob das auch für die jüngste Evolutionsstufe gelten darf, prüfen wir natürlich.

Blaue Brüder: Die beiden kompakten SUV bewegen sich preislich auf Augenhöhe. In Sachen Technik sind sie allerdings ziemlich verschieden.
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Im direkten Vergleich tritt ein anderer interessanter Ableger dieser Spezies an: Der Renault Austral liefert ähnliche Funktionalität zu ähnlichen Preisen ab etwa 40.000 Euro. Allerdings bestückt Renault das Kompakt-SUV mit mehr Technik.
Fahrzeugdaten
Modell | Kia Sportage 1.6 T-GDI AWD | Renault Austral Full Hybrid E-Tech 200 |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo | Dreizylinder, Turbo, Hybrid |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 1598 cm³ | 1199 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 132 (180)/5500 | 147 (200) Systemleistung |
Nm bei 1/min | 265/1500 | k. A. |
Vmax | 203 km/h | 180 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung | Multimode-Getriebe |
Antrieb | Allradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/50 R 19 V XL | 235/40 R 20 V |
Reifentyp | Continental PremiumContact 6 | Michelin Pilot Sport 4 SUV |
Radgröße | 7,5 x 19" | 7,5 x 20" |
Abgas CO2 | 177 g/km | 109 g/km |
Verbrauch* | 7,8 l/100 km | 4,8 l/100 km |
Tankinhalt | 54 l | 55 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super |
Partikelfilter | Serie | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 64 dB(A) | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1650/750 kg | 1500/750 kg |
Stützlast | 100 kg | 85 kg |
Kofferraumvolumen | 562–1751 l | 527–1736 l |
Länge/Breite/Höhe | 4540/1865–2080**/1645 mm | 4510/1825–2083**/1618 mm |
Radstand | 2680 mm | 2667 mm |
Grundpreis | 40.090 Euro | 39.450 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 50.170 Euro | 46.650 Euro |
Doch zunächst zum Korea-Klassiker. In diesem Duell tritt der Sportage als 180 PS starker Benziner mit Automatik und Allradantrieb an. Ein 1.6er-Turbobenziner liefert dabei die Leistung, eine Siebengang-Doppelkupplungsautomatik sortiert die Drehzahlen der Vierzylindermaschine, ein variables (elektronisch geregeltes) Mitteldifferenzial verwaltet die Antriebskräfte. Dazu kommt ein erweiterter Funktionsumfang bei Multimedia und Fahrassistenz.
Im Sportage-Fahrwerk steckt viel Komfort
Das Facelift-Paket hat dem Sportage sehr gutgetan. Ordentlich arbeitende Spurführungs- und Verzögerungssysteme sichern angenehm unauffällig ab, der Fahrkomfort mit deutlich weicherer Federung und feiner hemmenden Stoßdämpfern passt zur Wagenklasse. Es geht grundsätzlich angenehm weich zu. Allenfalls für das spröde Ansprechverhalten des Fahrwerks auf kurz-knappe Kanten im Asphalt ziehen wir Wertungspunkte ab.

Feine Federung: Der Sportage läuft auch auf unebenen Straßen satt, geht bestens geradeaus. Er dürfte aber sparsamer sein.
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Außerdem dürfte der 1.6er gerne kultivierter laufen. Zwar gibt er sich bei Teillast und entspannten Drehzahlen zahm und leise-zurückhaltend. Doch unter Tempostress werkelt der Verbrenner arg angestrengt, dröhnt bei hohen Touren und ist dann auch kein Kostverächter. Bis zu 11,4 Liter Super auf 100 Kilometer verbrennt das Aggregat laut unserer Prüfung.
Das Kia-Getriebe hat zwei Seiten
Auch das Getriebe kennt zwei Medaillenseiten: Bei Bummelfahrt geht es sehr sanft und unauffällig zu. Im Gegensatz dazu schaltet die Automatik im Fahrprogramm "Standard" immer etwas früh und hektisch herunter, der Antrieb läuft dann unnötig hochtourig. Tipp: Im Eco-Modus der Fahrprogramme arbeiten Motor und Automatik souveräner zusammen. Auch auf das hektische Rangierverhalten (geht zu hochtourig in den Kupplungsschlupf) hat das Fahrprogramm beruhigende Wirkung.

Im "Eco"-Modus und in Bummelfahrt arbeitet die Kia-Automatik unauffällig. In "Standard" schaltet sie aber zu früh herunter.
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In unseren Ausweichtests zeigt der Sportage ein deutlich gelasseneres Wesen. Er stolpert nie, wirkt allerdings schwerer, als es die 1800 Kilogramm Leermasse vermuten lassen. Die Lenkung arbeitet präzise und direkt genug für diese Liga, fehlerlos läuft der Kia auch bei hohem Tempo geradeaus.
Renault setzt aufs Doppelherz
Das gilt auch für den Renault. Der gleichzeitig leiser schnürt und sowohl im Durchzug als auch aus dem Stand heraus viel kräftiger und entspannter vorwärtsgeht. Dem Austral E-Tech 200 hilft ein in der Theorie komplexes, doch im Umgang sorgloses Antriebspaket. Der 131 PS starke 1.2er-Dreizylinder erhält nämlich Unterstützung von einer 69 PS starken Elektromaschine. Beide Aggregate wirken über ein Getriebe (ohne Kupplung) mit bis zu 16 möglichen Übersetzungen auf die Vorderräder.

Unter Spannung: Im Bug des Renault Austral arbeiten ein 1.2er mit drei Zylindern und eine E-Maschine (51 kW Leistung) zusammen.
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Das klappt gut, solange man auf der Autobahn nicht zu verwegen am 1.2er wringt oder zu sehr im Kickdown-Sumpf wütet. In solchen Situationen wirkt der Austral nämlich überhastet, schafft darüber hinaus die versprochenen 180 km/h Höchstgeschwindigkeit nur in der vorletzten Übersetzungsstufe. Auch eine sehr lange Schaltpause bei rund 120 km/h ist uns unangenehm im Gedächtnis geblieben. Gleichfalls gefallen uns die Brummfrequenzen des Antriebs bei niedrigen Drehzahlen (z. B. sobald die E-Maschine als Generator läuft und den 1.2er anzapft) nicht.
Messwerte
Modell | Kia Sportage 1.6 T-GDI AWD | Renault Austral Full Hybrid E-Tech 200 |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 3,3 s | 3,9 s |
0–100 km/h | 8,9 s | 9,0 s |
0–130 km/h | 14,5 s | 14,7 s |
0–160 km/h | 23,4 s | 22,8 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 4,8 s | 4,3 s |
80–120 km/h | 6,2 s | 4,9 s |
Leergewicht/Zuladung | 1659/571 kg | 1683/459 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 59/41 % | 58/42 % |
Wendekreis links/rechts | 11,5/11,6 m | 10,6/10,5 m |
Sitzhöhe | 670 mm | 690 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,1 m | 34,3 m |
aus 100 km/h warm | 33,0 m | 33,8 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 57 dB(A) | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) | 67 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 6,5 l S/100 km | 5,4 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 8,2 l S/100 km (+5 %) | 7,2 l S/100 km (+50 %) |
Sportverbrauch | 11,4 l S/100 km | 9,4 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 194 g/km | 171 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 658 km | 763 km |
Alles andere macht der Renault jedoch sehr anständig. Er saust mit spürbarer Elektrounterstützung drauflos, läuft insgesamt leiser und hängt in mittleren Drehzahlregionen viel emsiger am Gas als der Sportage. In der Folge geht der Franzose dann auch nachhaltiger mit dem Kraftstoff um. Wir haben bei Misch-Fahrt brauchbare 7,2 Liter auf 100 Kilometer errechnet – das ist ein ganzer Liter weniger als beim Konkurrenten.
Die Hinterachslenkung des Austral ist einstellbar
Zum ausgeprägteren Vorwärtsdrang des Franzosen passt das leichtere Fahrgefühl. Er rollt aufrechter durch die Kurven, reagiert zügiger auf Lenkbefehle. Das passiert zudem "einstellbar". Dabei hilft die serienmäßig verbaute Hinterachslenkung eifrig mit. Bei hohem Tempo spontan, bei niedrigeren Geschwindigkeiten enorm handlich – speziell, wenn der Schwenkwinkel der Hinterräder über das Bedienfeld auf Maximum (13 Stufen möglich) justiert wird.

Quirlig: Mit der auf maximalen Einschlagwinkel eingestellten Hinterachslenkung gibt sich der Austral besonders querdynamisch.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
In dieser Phase mutiert das große SUV zum überquirligen Slalomkönig – ein seltsames, gleichzeitig lustiges Fahrgefühl. Beim Ausweichen bleibt der Renault spurtreu und wird unerbittlich vom ESP eingefangen. Der Austral gibt sich also ein Quäntchen aktiver als der Sportage – so die Kurzform seiner Fahrdynamik.
In den praktischen Disziplinen herrscht nahezu Gleichstand. Wo der Austral mit guter Bedienbarkeit und schlauer Google-Vernetzung punktet, hält der Kia mit toller Klimatisierung gegen. Der Kia bietet etwas mehr Seitenhalt über strammer gepolsterte Seitenwangen der Vordersitzflächen, im Austral genießt man dagegen eine etwas längere Beinauflage.
Platzierung
Modell | Renault Austral Full Hybrid E-Tech 200 | Kia Sportage 1.6 T-GDI AWD |
|---|---|---|
Punkte* | 567 | 557 |
Platz | 1 | 2 |
Testnote | 2,0 | 2,1 |
Fazit | Im Kern komplex, im Wesen problemlos, dabei sparsam und fahraktiver. Beim Kauf zudem günstiger. | Besser gefedert, insgesamt komfortabler, gleichfalls durstiger. Sieben Jahre Garantie und gefühlt das erwachsenere Auto. |
Tolle Details im Kia: Die Fondpassagiere können USB-Anschlüsse in den Lehnen der Vordersitze nutzen und ihre Lehne verstellen, Fahrer und Beifahrer dürfen auf eine Sitzbelüftung bauen. Im Renault dagegen freuen sich Nutzer über sehr schnelle Reaktionen auf Sprachbefehle inklusive fehlerfreier Routenführung am Stau vorbei.
Zählen wir zusammen: Flotter, agiler, sauberer und besser "connected" – der Renault ist das bessere Auto, der Kia dafür das bequemere.
Service-Links






























