Krise bei Mercedes: Kommentar
Können diese Modelle es jetzt richten?

Die Gewinneinbrüche bei Mercedes sind derzeit in aller Munde. Doch dem stehen eine Kursänderung und eine große Modelloffensive entgegen. Kann Mercedes so das Ruder rumreißen? Ein Kommentar!
Bild: Mercedes-Benz AG – Communicati
Mercedes hat in den vergangenen Jahren einige falsche Entscheidungen getroffen. Die radikale Luxusstrategie sollte die Marke auf ein neues Renditeniveau heben. "Luxury First" bedeutete: weniger Volumen, mehr Marge. Doch der Markt hat diese Rechnung nicht mitgetragen. EQE und EQS blieben hinter den Erwartungen zurück, hohe Rabatte fraßen die Rendite auf. Die elektrische G-Klasse ist technisch faszinierend, wirtschaftlich aber ein Flop. Und die Abkehr von der A-Klasse hat eine Lücke gerissen, die man nicht einfach mit teureren Modellen schließen kann.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 2025 ist der operative Gewinn auf rund 5,8 Milliarden Euro eingebrochen – ein Minus von 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während man sich in Stuttgart einst zweistellige Renditen ausmalte, lag die Pkw-Marge im vierten Quartal nur noch bei gut zwei bis drei Prozent. Gleichzeitig schrumpfte der weltweite Absatz um etwa neun Prozent, in China sogar um fast 20 Prozent. US-Zölle belasteten das Ergebnis zusätzlich mit rund einer Milliarde Euro. Externe Faktoren spielten eine Rolle – doch die strategischen Weichenstellungen kamen aus Stuttgart selbst.
Diese Autos sollen Mercedes den Erfolg bringen
Doch jetzt passiert etwas Entscheidendes: Mercedes beginnt umzusteuern. 140 Jahre nach Erfindung des Autos wird 2026 zum Jahr der Korrektur.

In der Basis gibt es den neuen CLA ab 46.243 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Größter Hoffnungsträger ist der neue CLA, der erstmals auf der MMA-Plattform als Elektro- und Verbrennerversion gebaut wird. Er soll technisch überzeugen und gleichzeitig bezahlbarer sein als die großen Luxusmodelle. Damit soll der CLA wieder Volumen bringen. In der Elektrovariante setzt Mercedes auf 800-Volt-Technik, hohe Effizienz und Reichweiten von bis zu fast 800 Kilometern – ein technologisches Ausrufezeichenn in der Kompaktklasse. (Ob der CLA sein Versprechen erfüllt, lesen Sie im Test.)

Der GLC ist das meistverkaufte Modell von Mercedes. Das neue Modell soll an den Erfolg anknüpfen.
Bild: Mercedes
Der GLC EQ tritt in die Nachfolge des EQC und soll mit moderner EQ-Technologie, über 700 km Reichweite und kurzen Ladezeiten punkten. Damit will Mercedes im elektrischen SUV-Segment Boden gutmachen und an GLC-Erfolge anknüpfen. Auffällig ist der neu interpretierte Kühlergrill – eine dezente Hommage an Mercedes-Modelle der 1970er-Jahre.
Bei der elektrischen C-Klasse (auch: C-Klasse mit EQ-Technologie) plant Mercedes möglicherweise ebenfalls noch einen Start in 2026. Die Stromlimousine wird auf der MB.EA-Plattform gebaut und teilt sich viele technische Elemente mit dem GLC EQ, inklusive neuem Grill und moderner Softwareausstattung, um im hart umkämpften Mittelklasse-EV-Segment zu bestehen.

Der GLB EQ ist bereits ab 59.000 Euro bestellbar.
Bild: Mercedes-Benz Group
Auch die kompakten SUV GLA EQ und GLB EQ stehen für Mercedes' neue EQ-Offensive. Der GLA EQ, Nachfolger des EQA, soll gegen Ende 2026 auf den Markt kommen und den Einstieg in die elektrische SUV-Familie markieren. Der GLB EQ wird als weiteres MMA-basiertes SUV mit 800-Volt-Elektrik, effizienten Ladezeiten und praxistauglichen Reichweiten versuchen, neue Kunden zu gewinnen.

Die neue S-Klasse kommt mit opulenter Optik, bei der nicht an Sternen gespart wurde.
Bild: Mercedes Benz AG
Gleichzeitig sichern die Facelifts von S-Klasse, GLE und GLS die Wettbewerbsfähigkeit im Luxussegment: Die Flaggschiffe erhalten modernisierte Technik, überarbeitete Infotainment- und Assistenzsysteme sowie Effizienz-Updates, um im Premiumbereich Profitabilität und Attraktivität zu stützen.
Stuttgart rudert bei wichtigen Entscheidungen zurück
Und man hört endlich wieder auf die Kunden: AMG verabschiedet sich offenbar schrittweise vom ungeliebten Vierzylinder-Experiment. Zumindest kehrt im neuen GLC 53 der Reihensechser zurück. Dazu soll auch das legendäre "Black Series"-Kürzel wiederbelebt werden.
Und am unteren Ende der Modellpalette soll es zukünftig doch einen echten Einstieg unterhalb des CLA geben. Wie Entwicklungschef Jörg Burzer kürzlich gegenüber der Automobilwoche bestätigte, soll 2028 ein Nachfolger der A-Klasse kommen und damit das Volumen wieder stärken. Mercedes rückt wieder näher an die Kunden heran.
Kann das reichen? Ja, wenn der Strategiewechsel konsequent umgesetzt wird. Die Marke ist weiterhin stark, die Ingenieurskunst unbestritten. Aber Premium funktioniert nur, wenn man weiß, was die Kunden wirklich wollen.
Mercedes hat Fehler gemacht. Jetzt biegen sie es wieder gerade. Entscheidend ist, dass sie diesmal Kurs halten.
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