Rauf auf die Tankstelle, Zapfpistole rein, zahlen, und weiter geht's: Diese einfachen Zeiten sind vorbei. Die klassische Welt der Verbrenner kriegt gerade mächtig Konkurrenz von E-Autos. Und die funktionieren völlig anders, wenn es um die Energieversorgung geht.
Wie schnell und effizient ein E-Auto lädt, hängt von drei Faktoren ab: Lademöglichkeit, Ladesystem im Auto und die Kabel-Stecker-Kombinationen. Klingt simpel, der Teufel steckt aber gerade bei der E-Mobilität im Detail. Die einfachste Variante ist die Haushaltssteckdose (230 V) mit Mode-2-Kabel, professioneller funktioniert die Heimladestation (Wallbox) mit Mode-3-Kabel und Typ-2-Stecker (alle Steckertypen im Überblick). An klassischen Steckdosen dauern Ladevorgänge lang, dafür sind Tarife und Kabel günstig.
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Viel schneller, aber auch teurer sind Wallboxen mit 11 oder 22 kW Leistung (so kommt man an 900 Euro Förderung). Wallboxen müssen vom Elektriker installiert werden, die stärkere Variante braucht zudem das Go vom Stromversorger. Gibt es der Onboard-Lader des E-Autos her, macht so eine Powerstation Sinn, vor allem wenn man kurze Ladezeiten wünscht. Noch schneller geht es an den öffentlichen Ladepunkten, die über das Mode-3-Kabel eine Leistung von bis zu 43 kW zur Verfügung stellen. Die Ladekönige sind E-Autos mit Gleichstrom-Ladern (DC) an Bord. Anders, als die üblichen Typ-2-Stecker ist zum Laden mit DC ein CCS- oder CHAdeMO-Anschluss nötig. Diese Systeme laden den Akku derzeit mit bis zu 270 kW in 30 bis 45 Minuten zu 80 Prozent auf. Der Strom fließt dabei durch gut daumendicke Kabel. Die sind meist direkt mit der Station verbunden und müssen nicht im Kofferraum liegen.

Welche Länge und Form für das Ladekabel?

Kabel für E-Autos
Vor- und Nachteile: Glatte Kabel sind vielseitig, landen aber gern im Dreck.
Wie lang sollte die Strippe fürs E-Auto sein? Und welche Form sollte sie haben? Glatt oder spiralförmig? Gar nicht so einfach, wie es anfänglich klingt. Kurze Kabel sind leicht und verschwenden keinen Platz im Kofferraum. Liegt aber der Ladeanschluss ungünstig, kann kurz schnell zu kurz sein – und entscheidende Zentimeter fehlen. Besonders dann, wenn eine öffentliche Stromstation von einem Verbrenner zugeparkt ist, davor oder dahinter aber Platz ist. Dann hilft ein extralanges Ladekabel, um an Saft zu kommen. Der Nachteil: Lange Leitungen sind schwer, sperrig und teurer. Außerdem steigt mit der Kabellänge die Verlustleistung.

Dickere Kabel bringen größeren Leistungsverlust beim E-Auto-Laden

Ein 32-Ampere-Kabel hat einen Querschnitt von sechs Quadratmillimetern je Phase. Dabei entsteht pro Meter Kabellänge ein Verlust von ca. drei Watt. Bei dreiphasigen Kabeln gehen also neun Watt verloren. Macht bei einem fünf Meter langen Ladekabel 45 Watt Verlustleistung – also etwa so, als würde während des gesamten Ladevorgangs eine mittelstarke Glühlampe mitbrennen. Nicht dramatisch, für E-Vielfahrer aber wissenswert (Preisübersicht für Deutschland und Europa).

Ladekabel zu Hause eher kurz, mobil lieber länger

Darum: Wer zu Hause lädt, der sollte das Kabel so kurz wie möglich wählen. Für den mobilen Einsatz empfiehlt sich die Faustformel: Breite plus Länge des Autos gleich Kabel-Mindestmaß. Für einen Smart reicht in der Regel ein Vier-Meter-Kabel, bei einem Tesla Model X sollte es dagegen fast doppelt so lang sein. "Im Markt sind Kabellängen von 4 über 7,5 bis zu 10 Metern üblich", sagt Rüdiger Vogel vom Branchenprimus Mennekes. Ein neuartiges Zwei-in-eins-Kabel von Bosch könnte das Laden in Zukunft einfacher machen: Es ermöglicht das Laden an Ladestationen wie Wallboxen, eignet sich aber auch für die herkömmliche Schuko-Steckdose.

Spirale oder glattes Kabel?

Kabel für E-Autos
Spiralkabel zum Laden lassen sich luftig verlegen, sind aber eher selten.
Bleibt die Frage der Form: Spirale oder glattes Kabel? Letzteres lässt sich leichter am und ums Auto herum verlegen, landet dafür aber gern im Dreck. Spiralkabel ziehen sich immer auf ihr kleinstes Packmaß zusammen und lassen sich luftig verlegen. Allerdings können sie den Lack und Anbauteile des Autos gefährden. "Außerdem verbrauchen sie mehr Material, sind darum teurer und haben höhere Widerstände", so Mennekes-Mann Vogel. Auf dem Markt verlören sie momentan an Bedeutung.

Was taugen Billigkabel für E-Autos wirklich?

Kabel für E-Autos
Ein Billigkabel für 130 Euro aus dem Web: Bislang funktioniert es gut.
500 Euro beim Hersteller, 130 Euro im Onlineshop: AUTO BILD bestellte ein 230-Volt-Notladekabel für den Renault Zoe zum Bruchteil des Herstellerpreises. Und was taugt es? Vorläufige Antwort: Bislang funktioniert die fünf Meter lange Leitung vom Typ "Orion Motor Tech" tadellos. Im Gegensatz zum Herstellerkabel zeigt ein Display sogar getankte Kilowattstunden und Ladezeit an. Auch Materialqualität und Verarbeitung machen einen guten Eindruck. Ob es auch einen Stecker-Überfahrtest besteht, muss sich erst noch zeigen. Bei teurer Markenware wie etwa von Mennekes sind solche Extremprüfungen üblich. In der folgenden Galerie finden Sie fünf in Deutschland populäre E-Autos mit Ladekabel, Ladeleistung und Fahrzeugdaten:

Bildergalerie

Kabel für E-Autos
Renault Zoe R110 Z.E. 40
Renault Zoe R110 Z.E. 40
Kamera
Fünf beliebte E-Autos und ihr Ladesystem
11 Bilder Pfeil

Fazit

Musste Berta Benz anno 1888 noch eine Apotheke ansteuern, um an Sprit zu kommen, entwickelte sich darauf schnell ein lückenloses Netz an bequemen Tankstellen. Jetzt heißt es umdenken: Statt mit Zapfpistolen hantiert der elektromobile Mensch heute mit Kabeln und Steckern. Sich mit Leitungslängen, -formen und Onboard-Ladern sowie Stromarten und-speichern auszukennen, ist wichtig. Denn nur wer Kabel, Lade-leistung des Autos und Akkukapazität optimal auf einander abstimmt, holt das Beste aus seinem Stromer. Das, was die Autohersteller ihren E-Modellen serienmäßig mit auf den Weg geben, ist nicht immer das Optimum. Leider!