Maurizio Reggiani macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. "Wenn es nach mir ginge, würden wir an einem hochdrehenden Saugmotor ohne Aufladung festhalten", erzählt der langjährige Lamborghini-Cheftechniker, "aber den gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen wir uns stellen. Und das werden wir tun." Die absoluten Stückzahlen des norditalienischen Sportwagenherstellers sind überschaubar, und so mussten sich die Techniker mit dem WLTP-Zyklus nicht derart streng beschäftigen wie die Volumenmarken im und außerhalb des Volkswagen-Konzerns. Doch Reggiani weiß, dass auch er bald um den ungeliebten Benzinpartikelfilter nicht herumkommt. Der OPF, wie er abgekürzt heißt, kostet Leistung, Elastizität und natürlich auch Motorklang – gerade bei Sportwagen ein schwieriges Unterfangen.

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Neue Hypercars (2018, 2019 und 2020)
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Hypercar-Neuheiten bis 2020
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E-Motor für die Vorderachse

Die Rettung des V12
Der V12-Sauger soll in Zukunft von einem E-Motor an der Vorderachse unterstützt werden.
Mittelfristig wird es damit jedoch nicht getan sein. "Ich kann so viel sagen, dass der Nachfolger des Aventador einen V12-Saugmotor behalten wird und eine Elektrifizierung bekommt", lächelt der grauhaarige Italiener gewohnt spitzbübisch. Wie die Elektrifizierung selbst genau aussehen soll, damit hält er sich zurück. Denkbar erscheint jedoch, dass der dann wohl deutlich über 800 PS starke V12-Saugmotor an der Vorderachse mit einem oder zwei Elektromotoren kombiniert wird. Um die Kardanwelle, die die üppige Motorleistung wie bisher partiell an die Vorderachse transferiert, käme man so herum, wie es unter anderem auch der BMW i8 macht. Das würde einiges Gewicht sparen, damit das kommende Topmodell aus dem Hause Lamborghini nicht noch schwerer wird als ohnehin. Akkupaket und Elektromotor dürften allein über 200 Kilogramm zusätzlich ins Auto bringen. Das ließe sich nur teilweise mit mehr Motorleistung ausgleichen. Anzunehmen, dass der kommende Lamborghini Aventador nach Vorbild von entsprechenden Konkurrenten deutlich mehr als 1000 PS leisten dürfte. Als Plug-in-Version ließe sich der wohl 2021 auf den Markt kommende Aventador II an der heimischen Steckdose oder einer Ladesäule aufladen, sodass der Supersportwagen eine entsprechende Strecke auch rein elektrisch zurücklegen könnte.

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Lamborghini Huracán Evo (2019)
Lamborghini Huracán Evo (2019)
Lamborghini Huracán Evo (2019)
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Lamborghini Huracán Evo (2019)

Auch der Huracán wird elektrifiziert

Die Rettung des V12
Der Huracán Evo könnte der letzte Lamborghini sein, der nur von einem Verbrenner angetrieben wird.

"Der Lamborghini Aventador ist nach wie vor sehr erfolgreich", unterstreicht auch Lamborghini-CEO Stefano Domenicali, "wir verkaufen von ihm pro Jahr unverändert mehr als 1000 Fahrzeuge." Viele Kunden dürften beim derzeitigen Lamborghini Aventador zugreifen, weil man weiß, dass das aktuelle Modell der letzte ohne Elektrifizierung sein wird. "Für unsere Kunden und speziell diese in den USA ist ein V12-Saugmotor bei unserem Topmodell gesetzt", ergänzt Maurizio Reggiani. Gut möglich, dass auch der Nachfolger des kleinen Bruders Huracán, der im Frühjahr 2019 komplett überarbeitet als Evo auf den Markt kommt, zukünftig mit einem Elektromodul ausgestattet wird. Der 5,2 Liter große V10-Saugmotor leistet in seiner neuesten Ausbaustufe 470 kW/640 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Nm. Für die Lamborghini-Entwickler wird der Druck beim kommenden Huracán in Richtung eines aufgeladenen Turbomotors nicht nur durch das Schwestermodell Audi R8 größer. "Derzeit müssen wir uns damit noch nicht beschäftigen", tritt Maurizio Reggiani auf die Bremse, "zunächst einmal bleibt der Saugmotor gesetzt."

Von

Stefan Grundhoff