Lamborghini mit 1065 PS, Bugatti mit 1600 PS: die Hypercar-Party von The Quail
The Quail 2026: Paradies der Petrolheads

Hier laufen Car-Spottern die Speicherkarten über und Auto-Aficionados die Konten leer – nirgends sieht man so viele Traumwagen und Hypercars wie bei diesem "Motorsports Gathering". Und wer glaubt, deren Zeit geht dem E-Auto sei Dank so langsam zu Ende, der wird vom Premierenreigen bei "The Quail" eines Besseren belehrt.
Bild: T. Geiger
363 Tage im Jahr ist es nur ein Golfplatz von vielen hier im Carmel Valley – ein bisschen elitärer vielleicht, edler und teurer, aber am Ende doch nur ein kurz geschorener Rasen mit 18 Löchern drin. Aber am zweiten Freitag im August jeden Jahres fahren hier andere Kaliber auf als die knatternden Golf-Karren des Quail Country Clubs. Denn dann ist wieder das Motorsports Gathering am Rande der Monterey Car Week.
Während sich zwei Tage später in Pebble Beach die edelsten Oldtimer der Welt den Juroren stellen, geht es hier neben ein paar Alibi-Klassikern vor allem um die Neuheiten der Edelschmieden, Restomodder und Tuner.
Bugatti, Bentley, Koenigsegg & Co.
Europäische Luxusmarken wie Bugatti, Bentley, Koenigsegg oder Lamborghini, US-Größen wie Hennessey, Cadillac oder Singer und immer mal wieder ein paar exklusive Exoten und Newcomer machen den Golfplatz für einen Tag zum Spielwarenladen der Superreichen, die sich den Eintritt klaglos fast 2000 US-Dollar kosten lassen.

Breit, flach und extrem selten: Dieser Flachbau RS ist ein Einzelstück aus der Porsche-Manufaktur Sonderwunsch.
Bild: T. Geiger
Und wer nicht in den gerade mal 48 Stunden Vorverkauf zum Zuge kommt, zahlt auf dem Schwarzmarkt auch mal das Doppelte. Schließlich gibt's dafür neben dem ersten Blick auf neue Traumwagen auch noch Champagner, Cocktails, Austern und Zigarren bis zum Abwinken. Es gibt schlimmere Arten, seinen Freitag zu verbringen. Selbst wenn man dafür auf seine Runde Golf ausnahmsweise mal verzichten muss.
Aber die Ticketpreise sind nichts gegen die Summen, die hier von den Autoherstellern aufgerufen werden. Stärker, schneller, seltener ist das Motto, und die Quersumme daraus sind Preise, die ebenfalls durch die Decke schießen. Und hier trotzdem keinen stören. Sondern je teurer die Autos sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie bereits vor der Premiere verkauft sind.
Einzelstücke für Millionen
Das gilt insbesondere für die allerteuersten. Denn das sind Einzelstücke, die auf besonderen Kundenwunsch hin gebaut worden sind – allen voran der Bugatti Destrier, der als dritter "Solitaire" der Franzosen sein Debüt auf dem kurz geschorenen Rasen gibt. Er basiert auf dem Rundstrecken-Renner Bolide, fühlt sich aber eher der Schönheit verpflichtet als der Schnelligkeit und kommt deshalb ohne seinen aerodynamischen Kampfanzug sehr viel eleganter daher.
Schnell ist er natürlich trotzdem: Weil im Heck doch noch mal der 1600 PS starke W16-Motor tobt, knackt auch er die 400-km/h-Marke. Und selbst wenn auf The Quail keiner über Geld spricht, weil man es dort einfach hat, braucht es nicht viel Fantasie für ein Preisschild mit acht Stellen. Schließlich hat schon der Bolide knapp fünf Millionen Euro gekostet.

Der Bugatti Destrier ist ein echtes Einzelstück: Unter der eleganten Karosserie arbeitet der 1600 PS starke W16 des Bolide.
Bild: T. Geiger
Ebenfalls eine exklusive Extrawurst steht ein paar Meter weiter bei Porsche. Dort hat die Abteilung "Sonderwunsch" mal wieder einen Sammler glücklich gemacht und ihm – dem Vernehmen nach ebenfalls für einen zumindest hohen siebenstelligen Betrag – einen 911 GT2 RS in Anlehnung an den legendären Moby Dick zum "Flachbau RS" verwandelt.
Das dritte Einzelstück der Monterey Car Week ist so exklusiv, dass es sich gar nicht vor großes Publikum traut – und nur vor der Casa Ferrari parkt: Dort steht ein SF90 Stradale, der als CZ26 in die retro-futuristische Karosserie eines Showcars aus den 1970ern gesteckt wurde.

Mit dem V-One wagt Cadillac den Vorstoß in die Hypercar-Liga und setzt auf Leistung, Leichtbau und Exklusivität.
Bild: T. Geiger
Und dann sind da noch zwei Solitäre, die aber mehr wollen als eine Karriere als Einzelstück und irgendwann mal Serie werden sollen: Cadillac zeigt mit der über 800 PS starken Studie V-One, wie ein straßentaugliches Hypercar aus Amerika gegen AMG One oder Aston Martin Valkyrie antreten könnte.
Und McLaren wirft mit dem 6GT den Blick zurück nach vorn. Denn inspiriert von der damals nie umgesetzten Vision für einen eigenen Straßensportwagen des Firmengründers Bruce McLaren geben sie mit dem erfreulich frisch gezeichneten Coupé den Ausblick auf das erste neue Modell seit Jahren. Rückwärtsgerichtet ist dabei aber nicht nur die Inspiration, sondern auch die Technik. Statt eines elektrischen Magnetläufers gibt's einen soliden V8-Benziner. Und geschaltet wird – zum ersten Mal seit dem seligen F1 – wieder von Hand.
Restomods von Singer & Co. liegen weiter im Trend
Dazu passt ein Trend, der rund um The Quail ungebremst Fahrt aufnimmt: Weil die Zukunft so ungewiss erscheint, richten viele Petrolheads den Blick wieder nach hinten und lassen ihre alten Träume als sogenannte Restomods neu aufleben.
Vorreiter ist Singer, der durch die Kooperation mit Louis Vuitton endgültig in die Luxusliga aufgestiegen ist. Doch längst gibt es Nachahmer wie Gunther Werks. Luftgekühlte Porsche, Ford Broncos, VW Bullis oder sogar der legendäre Hundeknochen-Escort von Ford rollen heute mit moderner Technik und Preisschildern auf Hypercar-Niveau vor.
Zwischen den neuesten Supersportlern wirken sie deshalb längst nicht mehr wie Exoten. Flankiert wird das Ganze von Privatjets, Hubschraubern und für besonders sicherheitsbewusste Milliardäre auch von luxuriösen Panzerwagen.

Mit dem Blackbird präsentiert Hennessey einen exklusiven Supersportwagen mit 800 PS und markantem Flugzeug-Design.
Bild: T. Geiger
Dazu kommen natürlich die üblichen Verdächtigen und Stammgäste auf dem edlen Green: Lokalmatador Hennessey begeistert die Fans mit dem neuen, aus der Luftfahrt inspirierten Blackbird, den es mit 800 PS für 2,5 Millionen nur 71 Mal geben soll. Koenigsegg macht aus einem am Reglement gescheiterten Rennwagen aus den 2000ern 20 Jahre später den straßentauglichen CCGT1 mit 1600 PS.
Und als wäre der Vanquish mit seinem V12 nicht schon exquisit genug, legt Aston Martin auf der gleichen Basis jetzt auch noch den Valen auf und macht ihn mit einem dezenten Leistungsschub auf 850 PS zum stärksten Seriensportwagen mit Frontmotor. Eine komplett neue, ziemlich coole Carbon-Karosse, der stärkere Motor und die Limitierung auf 150 Exemplare gibt's natürlich nicht umsonst. Sondern statt knapp 400.000 Euro wie beim Vanquish verlangen die Briten dafür rund 1,8 Millionen Euro.
Und müssen sich trotzdem die Schau stehlen lassen. Denn auf der gegenüberliegenden Seite des Golfplatzes steht auf der gleichen Basis für deutlich weniger Geld mit noch mal 150 PS mehr Leistung ein ganz ähnliches Konzept: Brabus hat seinen Bodo mitgebracht und dem Coupé passend zum kalifornischen Wetter gleich noch ein Cabrio zur Seite gestellt.
Spyker feiert bei The Quail sein Comeback
Und dann gibt es da noch ein spektakuläres Comeback unter den Boutique-Herstellern: Spyker ist wieder da und will es mit dem Preliator XXV Coupé noch einmal wissen. Genau wie vor der Zwangspause wieder wunderbar barock gezeichnet und mit reichlich rosé schimmerndem Gold veredelt, fährt das Coupé einmal mehr mit einem Audi-Achtzylinder, der den Wiedergänger mit 800 PS und 350 km/h buchstäblich zum fliegenden Holländer macht.

Nach Jahren der Pause meldet sich Spyker zurück und präsentiert in Monterey das exklusive Preliator XXV Coupé.
Bild: T. Geiger
Dumm nur, dass sich angesichts dieses schillernden Blickfangs kaum mehr einer für das seltene Gastspiel der Herren der Ringe interessiert, die dem Audi Nuvolari auf The Quail ein gebührendes US-Debüt inszenieren. Genau übrigens wie für die Alpina-Studie nebenan am BMW-Stand, mit der die Bayern jetzt auch die Amerikaner auf den Neustart der Marke einstimmen wollen.
Lamborghini Revuelto SV mit 1065 PS
Ach ja, und dann ist da ja noch die fast schon obligatorische Weltpremiere von Lamborghini, die zu The Quail gehört wie der überdimensionale Bellboy der gastgebenden Peninsula-Gruppe, der als meterhohe Luftnummer über die Veranstaltung wacht: Die Italiener leisten sich wieder ein SV-Modell und machen den Revuelto damit zum "Super Veloce".
Dafür gibt es den Donnerkeil mit einem vor allem für die bessere Aerodynamik nochmals nachgeschärften Design, einem auf 1772 Kilo gedrückten Trockengewicht und einem um fünf Prozent erstarkten Antrieb. Die Kombination aus dem 6,5 Liter großen V12-Motor und dem batterieelektrischen Booster kommt nun auf 1065 PS und bis zu 1425 Nm und ermöglicht Fahrleistungen, die dem bei Lamborghini zum ersten Mal vor 55 Jahren eingeführten Beinamen Super Veloce alle Ehre machen: Mit einem Sprintwert von 2,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und maximal 345 km/h ist der Revuelto dann tatsächlich "super schnell".

Bild: T. Geiger
Aber selbst wenn der SV der stärkste und schnellste Lamborghini aller Zeiten ist, reicht es für ihn im Spielwarenladen der Superreichen nur für eine Nebenrolle. Nicht nur, dass er bei einem Preis von knapp 600.000 Euro fast schon als Sonderangebot durchgeht. Sondern mit einer in Anlehnung an das Gründungsjahr auf 1963 Exemplare limitierten Serie ist er nach den hiesigen Maßstäben eben auch ein Massenmodell.
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