Leapmotor B10 BEV: Test
Viel Auto fürs Geld: Hält der Leapmotor B10 sein Versprechen?

Leapmotor verspricht mit dem B10 viel Platz, viel Ausstattung und viel Auto fürs Geld. Ob das realistisch ist, klärt sich im AUTO BILD-Test.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Die Zielrichtung für den B10 formuliert der chinesische Hersteller Leapmotor vollmundig: "Einfach mehr Auto". Und Fakt ist, wenig zu bieten hat das vollelektrische SUV B10 bereits in den Abmessungen nicht.
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In der Länge misst es mit 4,52 Metern lediglich zwei Zentimeter weniger als ein VW Tiguan, kann aber durch den größeren Radstand von 2,74 Metern (Tiguan 2,69 Meter) auf das üppigere Platzangebot im Innenraum verweisen.
- Für Familien: Der Leapmotor B10 bietet großzügige Platzverhältnisse vorne, im Fond fällt er noch größer aus. Zudem sorgt ein Panorama-Glasdach für ein zusätzlich luftiges Raumgefühl. Etwas einschränken muss man sich allerdings beim Kofferraum.
- Für Preisbewusste: Bereits die Basisversion für 32.400 Euro hat eine umfangreiche Serienausstattung mit unter anderem 360-Grad-Kamera, Soundsystem und zahlreichen Assistenzsystemen. Auch in der Top-Ausstattung bleibt der B10 mit 33.900 Euro günstig.
B10 punktet mit riesigem Platzangebot
Bereits in Reihe eins geht es für den Piloten und den Co-Piloten sehr luftig zu. Wer aber in der zweiten Reihe Platz nimmt, darf sich gar über fürstliche Platzverhältnisse freuen. Auf den Polstern ist man gut untergebracht. Wenn das persönliche Infotainment – für das es natürlich entsprechende USB-A- und USB-C-Ladeports gibt – mal nichts zu bieten hat, kann man sich die Zeit mit einem Blick aus dem riesigen Panorama-Glasdach vertreiben.

Fürstlich: In Reihe zwei fällt der Leapmotor B10 extrem luftig aus. Selbst Große sind hier sehr bequem untergebracht.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Auch vorn sitzt man nicht schlecht, wenngleich der Fahrer etwas zu hoch platziert ist und dem Beifahrersitz eine entsprechende Höhenverstellung fehlt. Das ist ungewöhnlich, weil sich das Gestühl elektrisch ins Lot bringen lässt. Leider ohne eine im Neigungswinkel verstellbare Sitzauflage. Ansonsten sind die Sitze angenehm gepolstert, was wichtig für die Langstrecke ist. In Ermangelung ausgeformter Seitenwangen bieten sie in Kurven aber nur wenig Seitenhalt. Was uns gleich zum Thema Sportlichkeit bringt. Nein, ein Sportler ist der B10 auf keinen Fall.
Fahrzeugdaten
Modell | Leapmotor B10 BEV |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | hinten |
Spitzenleistung | 160 kW (218 PS) |
Dauerleistung | 70 kW (95 PS) |
maximales Drehmoment | 240 Nm |
Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Hinterradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/50–235/50 R 18 H |
Reifentyp | Linglong Sport Master e |
Radgröße | 7,5 x 18" |
Verbrauch* | 17,3 kWh/100 km |
Reichweite* | 434 km |
Batterieart | Lithium-Eisenphosphat (LFP) |
Batteriekapazität | 67,1 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11/168 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | 24 Minuten |
Fach unter Frontklappe | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/750 kg |
Stützlast | 60 kg |
Kofferraumvolumen | 431–1102 l |
Länge/Breite/Höhe | 4515/1885–2110**/1655 mm |
Radstand/Bodenfreiheit | 2735/170 mm |
Grundpreis | 32.400 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 33.900 Euro |
Mag man in Anbetracht der Tatsache, dass die Systemleistung mit maximal 218 PS angegeben ist und der E-Motor die Hinterräder antreibt damit geliebäugelt haben, muss an dieser Stelle der Dynamik-Zahn gezogen werden. Zwar reicht die spontan zur Verfügung stehende Kraft aus, um das mit 1,8 Tonnen verhältnismäßig leichte SUV in 7,5 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen und immerhin bis zu 170 km/h schnell werden zu lassen, aber das war es dann auch.

Der 218 PS starke Elektromotor an der Hinterachse beschleunigt den B10 in 7,5 Sekunden auf Tempo 100. Maximal sind 170 km/h drin.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Der weitergehenden Sportlichkeit stehen einige Sachen entgegen, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen. Zum einen gehören dazu die auf die schicken 18-Zoll-Räder gespannten Reifen der Marke Linglong Sport Master e in 235/50 R 18. Bei unseren Tests wurden die Pneus bereits auf trockener Straße durch geringe Seitenführungskräfte auffällig. Bei Nässe potenzierte sich das Ganze und führte dazu, dass der ohnehin schnell zum Untersteuern neigende B10 kaum noch in der Lage war, dem Lenkbefehl zu folgen.
Bremsen mit Optimierungspotenzial
Auch bei den AUTO BILD-Bremstests machten die China-Gummis keine gute Figur. Die Kaltbremsung absolvierte das SUV mit 37,4 Metern, warm waren es dann sogar 39,2 Meter. Wobei hier noch ein leichtes Fading hinzukam. Abseits dessen zeigte sich im Alltagsverkehr, dass die Dosierung der Bremsen nicht ganz leicht war, weil das dafür notwendige Bremsgefühl schlicht und ergreifend fehlt.

Nicht wirklich gut: Mit warmer Bremsanlage steht der B10 aus 100 km/h erst nach 39,7 Metern. Hinzu kommt leichtes Fehlen und fehlendes Gefühl im Bremspedal.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Auch bei der Lenkung würden sich sportlich orientierte Piloten mehr Rückmeldung und eine direktere Reaktion aus der Mittellage wünschen. Das alles macht den B10 nicht unfahrbar, aber zu dem, was er in den Augen seiner Erfinder in erster Linie sein will: ein komfortabel abgestimmtes Auto für die Familie. Gerade in der von uns gefahrenen Ausstattungslinie Design mit der größeren 67,1-kWh-LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) soll der B10 ja universelle Alltagstauglichkeit garantieren.
Testreichweite liegt bei 344 Kilometern
Dazu gehört neben der maximalen Ladeleistung von bis zu 168 kW auch eine Reichweite, die seitens des Herstellers mit maximal 434 Kilometern angegeben wird. Nach unserem Test können wir diese Zahl nicht ganz bestätigen. Auf unserer 155 Kilometer langen Teststrecke mit Stadt-, Land- und Autobahnpassagen ergaben sich für den Drittelmix bei 21 kWh ordentliche 344 Kilometer – bei einer Außentemperatur von 30 Grad Celsius.

Mit einer Akkuladung schaffte der Leapmotor B10 im Test eine Reichweite von 344 Kilometern. Das ist ordentlich, liegt aber deutlich unter der WLTP-Angabe.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Ordentlich auch die Ladeleistung. Die bereits oben angeführten 168 kW basieren auf einer 400-Volt-Architektur und mögen im Vergleich zu anderen Herstellern nicht nach viel klingen, reichen aber aus. Dank der thermischen Stabilität und des geringen Verschleißes der LFP-Batterie bleibt die Ladeleistung über einen langen Zeitraum konstant. Was wiederum dazu führt, dass der Akku an der richtigen DC-Säule in knapp 30 Minuten von 10 auf über 90 Prozent Ladestand gebracht werden kann.
Messwerte
Modell | Leapmotor B10 BEV |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,3 s |
0–100 km/h | 7,5 s |
0–130 km/h | 11,6 s |
0–160 km/h | 18,5 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,5 s |
80–120 km/h | 4,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1847/433 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 49/51 % |
Wendekreis links/rechts | 10,8/10,9 m |
Sitzhöhe | 695 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 37,4 m |
aus 100 km/h warm | 39,2 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 11,9 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 21,0 kWh/100 km (+21 %) |
Sportverbrauch | 24,7 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 344 km |
Auch bei den technischen Beigaben verspricht Leapmotor "lebensvereinfachende Technologie und Fahrspaß". Dazu gehören mit Sicherheit auch die Assistenzsysteme, wie zum Beispiel der Spurverlassensassistent, die Spurzentrierung oder der Lenkassistent. Ganz ehrlich, besser geht es ohne sie. Im Normalverkehr neigt der B10 trotz Spurzentrierung zum Pendeln zwischen Mittel- und Seitenstreifen. Kurven folgt er nicht zuverlässig, neigt sogar dazu, die Spur zu überfahren. Hinzu kommt ein recht rigides Reißen am Lenkrad, wenn die Elektronik der Meinung ist, dass der Fahrer in Kürze die Spur verlässt.
Bedienung ist etwas umständlich
Das ist ebenso schade wie die etwas umständliche Bedienung. Die Komponenten müssen in einem über zwei Stufen zu erreichenden Untermenü einzeln über einen Slider deaktiviert werden. Nach einem Stopp sind alle erneut aktiv. Ratsam ist es hier, sich sogenannte Shortcuts für häufig gebrauchte Einstellungen anzulegen. Wenigstens für den Ablenkungswarner und den Geschwindigkeitsassistenten ist das möglich und mehr als ratsam.

Das helle Interieur lässt den Arbeitsplatz des Fahrers edel wirken. Bei der Bedienung über den Touchscreen macht es einem der Leapmotor B10 leider etwas schwer.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Der lange Weg ist mindestens so lästig wie der Umstand, dass der One-Pedal-Modus, also das rekuperative Bremsen bis zum Stillstand, nur im Stand ein- oder ausgeschaltet werden kann. Auch die Rekuperationsstufen selbst müssen über den 14,6-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole eingestellt werden, wie eigentlich alles bis hin zur Verstellung der Seitenspiegel. Wobei man die auch auf die doppelt belegbaren Lenkradtasten verschieben kann, was das Ganze etwas einfacher macht.
Eine letzte Eigenart soll hier noch beschrieben werden: die Aktivierung der Adaptive Cruise Control (ACC) oder auf Deutsch des adaptiven Abstandsregeltempomaten. Die erfolgt nämlich über den Gangwählhebel an der Lenksäule. Zur Aktivierung muss während der Fahrt nachdrücklich der Drive-Modus eingelegt werden, während die gewünschte Geschwindigkeit über das linke Scroll-Rädchen am Lenkrad bestimmt wird. Leider wird dieses Bedien-Feature optisch für den Fahrer nicht ersichtlich.
Wertung Leapmotor B10 BEV
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Großzügiges Platzangebot, nur 1102 Liter Kofferraum, einfache Kunststoffe, gute Verarbeitung. | 3,5 / 5 |
Antrieb | Gute Fahrleistungen, One-Pedal-Modus etwas eckig, annehmbare Reichweite, AC-Laden nur mit 11 kW. | 3,5 / 5 |
Fahrdynamik | Langer Bremsweg, leichtes Fading, untersteuert, gefühllose Lenkung, grob regelndes ESP. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Großer Zentralbildschirm, begriffsstutzige KI, viele Apps, CarPlay und Android Auto kabellos. | 3,5 / 5 |
Umwelt | Kompakte Maße, Gewicht mit 1,8 Tonnen verhältnismäßig leicht, niedriges Außengeräusch. | 3,5 / 5 |
Komfort | Keine Höhenverstellung für Beifahrersitz, Fahrwerk recht weich, ab 130 km/h erstaunlich laut. | 3 / 5 |
Kosten | Fairer Preis, teure Versicherung, jährliche Wartung, 4 Jahre Garantie, nur 8 gegen Durchrostung. | 3,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,1 |
Ebenso wenig der Umstand, dass die Deaktivierung des ACC über den Rückwärtsgang am Gangwählhebel erfolgt. Wer hier das Handbuch nicht gelesen hat, muss sich über "Versuch und Irrtum" an diese Thematik heranarbeiten. Vieles in der Bedienführung und in der Optik erinnert auch im B10 an die frühen Tesla-Modelle.
Sprachassistent ist nicht besonders verständig
Anders als die kann das Navi des B10 aber bei der Routenführung sehr sicher einschätzen, wie lange der Akku halten wird und wann und wo es sinnvoll ist, an die Ladestation zu fahren. Ob die Ladestationen frei oder besetzt sind, wird ebenfalls angezeigt, die dort aufgerufenen Standardpreise hingegen nicht.

Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Wer auf das lästige Schreiben von Navi-Zielen verzichten möchte, kann mit dem Hilferuf ”Hallo Leapmotor” den Sprachassistenten wecken. Leider zeigt der sich nicht besonders verständig. Komplexe Sätze müssen vereinfacht werden, dürfen aber auch nicht zu kurz sein.
An der Kasse bleibt Leapmotor bescheiden
Abseits aller Kritikpunkte bietet Leapmotor mit dem B10 aber tatsächlich in Größe und Praktikabilität ein familientaugliches Fahrzeug. Vor allem beim Preis bleibt das kompakte SUV selbst in der von uns gefahrenen Topausstattung "Design" mit 33.900 Euro auf dem Teppich. Denn dafür gibt es ein großes Panorama-Glasdach mit elektrischem Sonnenschutz, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, eine 360-Grad-Parkkamera und ein komplettes ADAS-Paket mit 17 Assistenten.

Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Hinzu kommen Premium-Surround-Sound mit zwölf Lautsprechern und LED-Licht an Front und Heck. Dem Käufer dürfte auch entgegenkommen, dass Leapmotor Teil des Stellantis-Konzerns ist. Er also mit Fiat, Peugeot, Opel etc. auf ein sehr gut ausgebautes Händlernetz zurückgreifen kann. Geboten werden zudem vier Jahre Garantie (bis 100.000 km).
Die wichtigsten Fragen zum Leapmotor B10 BEV
Wie fährt sich der Leapmotor B10?
Der B10 ist klar auf Komfort ausgelegt. Die Sitze sind angenehm gepolstert und eignen sich gut für längere Fahrten. Sportliche Ambitionen stehen dagegen nicht im Vordergrund – Lenkung, Fahrwerk und Bereifung sind auf entspanntes Fahren abgestimmt.
Welche Leistung hat der Elektromotor?
Der Elektromotor an der Hinterachse leistet in der Spitze 218 PS und 240 Nm. Als Dauerleistung gibt Leapmotor 95 PS an.
Wie hoch ist die Reichweite?
Im Praxistest haben wir einen Verbrauch von 21 kWh/100 km ermittelt, was mit der 67 kWh großen Batterie für 344 Kilometer reicht. Der Wert liegt deutlich unter den 434 Kilometern, die der Hersteller als WLTP-Verbrauch angibt.
Wie schnell ist der Akku geladen?
An DC-Schnellladesäulen erreicht der B10 eine Ladeleistung von bis zu 168 kW. In 24 Minuten kann der Akku so von 10 auf 80 Prozent geladen werden.
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