Maybach 62 S Landaulet (2013): Sitzprobe
Das ist der letzte jemals gebaute Maybach
Obwohl die Fertigungsstraße schon demontiert wurde, wurde dieser einzigartige Maybach 62 S Landaulet noch fertiggestellt. Die verrückte Geschichte des letzten echten Maybach!
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
Diesen Maybach hätte es eigentlich gar nicht geben dürfen. Und doch bietet Mercedes-Spezialist Mechatronik den einzigartigen Maybach 62 S Landaulet zum Kauf an. Das ist die verrückte Geschichte des letzten jemals gebauten Maybach!
Bevor wir uns dem mutmaßlich einzigartigsten Maybach widmen, werfen wir einen Blick auf die jüngere Vergangenheit. 2002 belebte Mercedes die Traditionsmarke mit einem ehrgeizigen Ziel wieder: Maybach sollte die luxuriösesten und damit auch teuersten Limousinen der Welt bauen. Gerüchteweise soll rund eine Milliarde Euro in die Entwicklung der Modelle 57 und 62 geflossen sein.
Das Projekt Maybach war ein Flop
Der Plan sah vor, 1000 bis 1500 Autos pro Jahr zu verkaufen. Ein ambitioniertes Vorhaben, das spektakulär floppte. Am Ende wurden zwischen 2002 und 2012 nicht mal 3500 Fahrzeuge gebaut und verkauft.
Das Hauptproblem lag auf der Hand: Nur wenige Kunden waren bereit, knapp 400.000 (Maybach 57) bzw. 460.000 Euro (Maybach 62) für eine Luxus-Limousine auszugeben, die der S-Klasse (W 220) sehr ähnlich sah und in Grundzügen sogar noch auf der S-Klasse der Generation W 140 basierte. Daran konnten auch die stärkeren S-Versionen und Sondermodelle wie Zeppelin oder Landaulet nichts ändern.
Produktion frühzeitig eingestellt
Ursprünglich sollte die Produktion Ende 2013 und somit zum Modelljahr 2014 eingestellt werden, doch die schlechte Auftragslage bewog die Verantwortlichen dazu, das Maybach-Experiment bereits ein Jahr früher zu beenden. Das wiederum führte zu einem unvorhergesehenen Problem, denn der damals größte Maybach-Kunde hatte am Freitag, dem 14. September 2012 einen ganz speziellen Sonderwunsch in Auftrag gegeben: Als Schlusspunkt einer Ära wünschte sich der Schweizer Kunde einen rechtsgelenkten Maybach 62 S Landaulet.
Landaulet nur auf Kundenwunsch gebaut
Hintergrund: Nach Vorbild des legendären Mercedes 600 Pullman Landaulet bot Maybach ab 2008 eine Landaulet-Version des Maybach 62 S an. Das exklusive Teil-Cabrio kostete über eine Million Euro und wurde nur auf expliziten Kundenwunsch gefertigt. Insgesamt sollen nur 22 Maybach 62 S Landaulet gebaut wurden sein, darunter nur vier Facelift-Modelle.

Hier fehlt es an nichts: Die Ausstattungsliste ist so umfangreich, dass sie jeglichen Rahmen sprengt.
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
Verschiedenen Quellen zufolge ist meist von 21 Exemplaren die Rede, weil das hier gezeigte Exemplar außen vorgelassen wird. Das liegt daran, dass die Bestellung für das Einzelstück so spät einging, dass die Fertigungsstraße bereits demontiert wurde, obwohl der spezielle Landaulet noch nicht fertig war. Die pragmatische Lösung: Der Maybach wurde an einem eigens eingerichteten Arbeitsplatz in Handarbeit fertiggestellt, während nebenan die Produktionsstraße abgebaut wurde.
Letztgebauter Maybach erst 2013 ausgeliefert
Am Montag, dem 18. Februar 2013 war es schließlich so weit – der letzte jemals gebaute, echte Maybach wurde an seinen Besitzer ausgeliefert. Anstatt das Einzelstück zu fahren, wurde der Maybach jedoch lediglich in der eigenen Sammlung ausgestellt, ehe er 2021 von Mechatronik nach Japan verkauft wurde.
Knapp 2300 Kilometer auf dem Tacho
Nach fünf Jahren und nur knapp 2300 Kilometern ist der in vielerlei Hinsicht einzigartige Landaulet zurück bei Mechatronik. Genau der richtige Zeitpunkt also, um sich den Maybach 62 S genauer anzuschauen.

Länge läuft: Mit 6,17 Metern ist der Maybach 62 S satte 69 Zentimeter länger als ein aktueller Mercedes-Maybach S 680.
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
Müsste ich dieses Auto mit nur einem Wort beschreiben, so wäre es dekadent – angesichts einer Außenlänge von gigantischen 6,17 Metern und einem gewaltigen Radstand von 3,83 Metern. Doch es sind die Details, die diesen Maybach so besonders machen.
Einzigartige Sonderausstattungen
Erst auf den zweiten Blick fallen beispielsweise die Standartenträger in den vorderen Kotflügeln oder die geteilten Endrohre des Zeppelin auf. Gar nicht sichtbar sind die hinter dem Chrom-Kühlergrill versteckten Blaulichter, die auf expliziten Kundenwunsch verbaut wurden. Gleiches gilt im Übrigen für eine werksseitige Leistungssteigerung, denn in diesem Landaulet leistet der 6,0-Liter-V12-Biturbo (M 275) 630 statt der serienmäßigen 612 PS.

Prestigemotor: Wie jeder Maybach hat natürlich auch dieses Einzelstück einen V12 unter der Haube. In diesem speziellen Auto wurde die Leistung werksseitig von 612 auf 630 PS angehoben.
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
Der einzige rechtsgelenkte Landaulet
Die größte Besonderheit ist jedoch das Lenkrad auf der rechten Seite, was auch erklärt, warum das Auto nach seiner Zeit in der Schweiz nach Japan verkauft wurde. Dass es sich hierbei um den einzigen rechtsgelenkten Maybach 62 S Landaulet handelt, ließ sich der Erstbesitzer durch eine Plakette "One & only RHD" auf dem Schlossträger im Motorraum zusichern.
An dieser Stelle ein Verbraucher-Tipp: Falls Sie planen, sich einen Maybach 62 S Landaulet anzuschaffen, bedenken Sie, dass der Chauffeur idealerweise unter 1,80 Meter groß sein sollte. Aufgrund der starren Bordwand wird es mit meinen 1,83 Metern nämlich schon eng hinterm Steuer. Abgesehen von den beengten Platzverhältnissen in Reihe eins, begeistert der Maybach allerdings mit einer Materialauswahl und Verarbeitungsqualität, die man heutzutage in den meisten Autos vergeblich sucht.
Doch der eigentliche Sonnenplatz befindet sich natürlich im Fond. Und so heißt es für mich: Einmal fühlen wie DJ Khaled! Die riesige Tür gibt den Blick auf einen Innenraum frei, der dekadenter kaum sein könnte. Passend zur Landaulet-typischen Lackierung in "Antigua Weiß" erstrahlt der Innenraum in edlem Beige.

Einzigartig: Der Erstbesitzer ließ sich zusichern, dass es nur diesen einen rechtsgelenkten Maybach 62 S Landaulet geben wird.
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
Ausstattungsliste sprengt den Rahmen
Dass ein Maybach stets gut ausgestattet ist, versteht sich von selbst, bei diesem Exemplar fehlt es aber tatsächlich an nichts. Champagnerkelche aus Silber? Check! Kühlfach? Check! Zusätzliche Silberbecher? Check! DVD-Player mit zwei Bildschirmen? Check! Ausklappbare Schminkspiegel, die aussehen wie ein edler Briefbeschwerer? Check! Sie merken schon, worauf das hinausläuft, ich könnte diese Liste jetzt beliebig lang ausführen, doch das würde den Rahmen sprengen. Eine Besonderheit, die diesem Maybach vorbehalten ist, ist der zusätzliche dritte Bildschirm in der Bordwand, der mit einer zwischen den Vordersitzen montierten Kamera verbunden ist.
Was den Landaulet jedoch von allen anderen Maybach unterscheidet, ist das einmalige Raumgefühl: Das großflächige Stoffverdeck öffnet elektrisch und faltet sich hinter den Fondsitzen zusammen. Für den schnörkellosen Look kann eine mehrteilige Leder-Persenning mit Maybach-Logo montiert werden, was allerdings definitiv ein Job für den Chauffeur ist. Sind die Verdunklungsvorhänge zugezogen, herrscht maximale Privatsphäre, nur eben unter freiem Himmel.
Unvergleichlich: Bei geschlossenen Vorhängen genießen die Fondpassagiere maximale Privatsphäre – und das unter freiem Himmel.
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
So viel soll das Einzelstück kosten
Dieses einmalige Raumgefühl hat allerdings seinen Preis: 2.320.500 Euro brutto oder 1,95 Millionen Euro netto möchte Mechatronik für den einzigartigen Maybach haben. Nur blöd, dass DJ Khaled schon einen Landaulet besitzt.
Service-Links










