Elegante Silhouette, kleine Spoilerkante und breit ausgestellte Kotflügel: Was aussieht wie ein klassischer Mercedes SEC AMG Widebody, entpuppt sich bei genauerem Hinschauen als Restomod. Noch ein weiterer Restomod, höre ich die Skeptiker laut werden? Ja, aber der Mechatronik M SEC ist anders. Das fängt schon beim Motor an – denn unter der Haube steckt der famoseste V8-Saugmotor, den AMG jemals gebaut hat. Neugierig geworden?
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Restauration, Service, Handel: Bei Mechatronik dreht sich alles um das Thema Auto. In erster Linie ist das Unternehmen für seine Expertise im Mercedes-Bereich bekannt, doch über die Jahre hat sich Mechatronik nicht nur einen Namen als ausgewiesener CLK-GTR-Spezialist gemacht, sondern auch als Händler für exklusive Autos anderer Marken. Egal ob Pagani Zonda, Bugatti Veyron oder Maserati MC12 – Mechatronik hatte sie (fast) alle.

Mechatronik war Vorreiter

Was jedoch nur wenige wissen: Das Unternehmen aus Pleidelsheim ist einer der Vorreiter im Restomod-Game. Unter der New-Tech-Sparte bietet Mechatronik schon seit vielen Jahren alte Autos mit moderner Technik an – und das lange bevor so ziemlich jeder halbwegs beliebte Old- und Youngtimer dem Restomod-Wahn zum Opfer fiel.

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So fährt der teuerste Mercedes der Neuzeit

Bild: Keno Zache
Alles begann mit dem M-SL, einer Pagode mit modernem V8. Es folgten M-Coupé/M-Cabrio auf Basis des Mercedes W 111. Zwei Fahrzeuge, die zwar technisch in das 21. Jahrhundert geholt wurden, optisch jedoch klassisch geblieben sind. Klassisch ist allerdings nicht das Adjektiv, das mir als Erstes in den Sinn kommt, wenn ich das dritte Modell der New-Tech-Series betrachte. Müsste ich den M SEC in einem Wort beschreiben, wäre es "böse"!
Mechatronik M SEC 630
Wer kein Fan von moderner LED-Beleuchtung ist, kann des M SEC auch mit der Standard-Beleuchtung bekommen.
Bild: Mechatronik
Pünktlich zum 30. Firmenjubiläum kommt die Neuauflage des legendären Mercedes SEC 2027 auf den Markt – und zwar mit moderner AMG-Technik. AUTO BILD war exklusiv in Ascari und konnte sich den Mechatronik M SEC nicht nur anschauen, sondern auch schon eine Runde fahren!

Über vier Jahre Entwicklungszeit

Mehr als vier Jahre Entwicklungszeit stecken im M SEC, der auf Basis eines C 126 entsteht. Zuerst wird das Spenderfahrzeug zerlegt, entlackt und anschließend von Hand neu aufgebaut. Wichtig: Der M SEC bleibt offiziell ein Mercedes und bekommt keine eigene Fahrgestellnummer, da Mechatronik, anders als beispielsweise HWA, kein eingetragener Hersteller ist.

Bodykit aus Vollcarbon

In liebevoller Detailarbeit hat das Mechatronik-Team ein Bodykit entwickelt, das dem originalen AMG-Widebody zum Verwechseln ähnlichsieht. Anders als Ende der 80er-Jahre werden die vorderen Kotflügel, die Schürzen, die Zierleisten sowie die Spoilerlippe bei Mechatronik in Carbon gefertigt. Lediglich die hinteren Seitenteile bestehen noch aus Blech, aber auch hier wurde in Pleidelsheim optimiert. Denn anstatt die Verbreiterungen aufzuschweißen wurde ein aufwendiges Klebeverfahren entwickelt. So sollen Setzrisse vermieden werden. Außerdem sind die Kotflügelverbreiterungen beim M SEC zu 100 Prozent symmetrisch, was bei Pre-Merger-AMG nicht immer der Fall ist.
Mechatronik M SEC 630
In puncto Individualisierung lässt Mechatronik praktisch kaum Wünsche offen.
Bild: Mechatronik
Besonders viel Entwicklungsaufwand ist in die LED-Beleuchtung geflossen, die dem Original nachempfunden ist, aber auf modernste Voll-LED-Technik mitsamt eigenständiger Tagfahrlichtsignatur setzt. Wer es in diesem Punkt doch lieber klassisch mag, der kann seinen M SEC aber auch ohne LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten ordern. In puncto Individualisierung gibt es sowieso kaum Grenzen. Gelbes Auto mit gelben Felgen gefällig? Kein Problem! Um den Kunden bei der Visualisierung ihrer Traum-Konfiguration zu helfen, hat Mechatronik sogar einen eigenen Konfigurator programmiert.

Vollschalensitze im SEC

Das bedeutet aber auch, dass die Kunden die Qual der Wahl haben – und die Möglichkeiten enden nicht bei der Außenfarbe oder der Materialauswahl. Für den M SEC sind beispielsweise vier unterschiedliche Sitze erhältlich, vom originalen SEC-Gestühl bis hin zum modifizierten Pole-Position-Carbon-Vollschalensitz von Recaro. Ob das Coupé also ein komfortabler GT für den nächsten Roadtrip oder eher ein radikaler Zweisitzer für die Rennstrecke sein soll, hängt allein von den Vorlieben des Kunden ab.
Mechatronik M SEC 630
Der legendäre 6,2-Liter-V8-Sauger passt perfekt in den Mercedes SEC.
Bild: Mechatronik
Was allerdings alle 30 geplanten M SEC eint: der Motor. Schon bei Entwicklungsbeginn war klar, dass der Restomod einen V8 bekommen wird. Und welcher Achtzylinder gilt gemeinhin als der legendärste AMG-Motor der Neuzeit? Natürlich der 6,2-Liter-Sauger mit dem Codenamen M 156. Beim Anblick der charakteristischen Ansaugbrücke wird mir direkt warm ums Herz. Es schaut aus, als wäre der Motor für den C 126 gemacht, wobei logischerweise zahlreiche Änderungen an Ölwanne, Ansaugung und Kühlsystem nötig waren.

V8-Sauger mit 500 PS

Um die Motorcharakteristik nicht zu verfälschen, verzichtet Mechatronik auf wilde Leistungsexzesse. Mit 500 PS und 630 Nm Drehmoment hat der M SEC sowieso schon mehr Power als sämtliche Pre-Merger-AMG. Selbst als 560 SEC AMG 6.0 war seinerzeit bei 385 PS Schluss. Und wie sich 500 PS in einem C 126 anfühlen, das will ich jetzt herausfinden.

Erste Fahrt im M SEC

Dazu darf ich einen der beiden Prototypen auf dem Circuito Ascari in der Nähe von Malaga fahren. Damit keine falschen Erwartungen aufkommen: Trotz modernem Antriebsstrang, neuem Fahrwerk und auf Wunsch sogar Semislicks ist der M SEC natürlich nicht als Tracktool, sondern vielmehr als Gran Turismo für die Langstrecke oder einen ausgedehnten Roadtrip gedacht.
Mechatronik M SEC 630
AUTO BILD durfte einen Prototyp des Mechatronik M SEC bereits auf der Rennstrecke fahren.
Bild: Benjamin Pust / Triple RPM
Schon beim Anfahren fällt mir die direkte, fast schon spitze Gasannahme auf. Neben dem Motor wurde auch die Speedshift-7G-Tronic von AMG übernommen. Die Wandlerautomatik kann in puncto Schaltgeschwindigkeit naturgemäß nicht mit einem Doppelkupplungsgetriebe mithalten – aber ein DSG würde ehrlicherweise auch nicht zum Charakter des M SEC passen. Zumal die 7G-Tronic im Sportmodus einen mehr als soliden Job macht und ein himmelweiter Unterschied zur Wandlerautomatik des Originals ist.

Voll einstellbares Öhlins-Fahrwerk

Die größte Optimierung ist das voll einstellbare Öhlins-Fahrwerk im optionalen "GT-Paket". Es wurde nochmals sportlicher abgestimmt, und die Karosseriebewegungen wurden deutlich minimiert, ohne dabei bockhart zu wirken. Ein stets volatiler Punkt bei Klassikern ist die Bremsanlage. Kein Wunder, dass Mechatronik hier nachgebessert und dem M SEC eine ordentlich dimensionierte Stahlbremse spendiert hat. Der Bremsweg von 100 auf 0 km/h wird mit 34,2 Metern angegeben. Wer das angesprochene GT-Paket bestellt, bekommt eine noch performantere Bremse mit 390 Millimeter großen Scheiben an der Vorderachse und Sportbremsbelägen, wodurch sich der Bremsweg in Kombination mit den Reifen vom Typ Michelin Pilot Sport Cup 2 auf 33,5 Meter verringert.
Mein Highlight ist und bleibt aber der Motor. Wie giftig der V8 am Gas hängt, wie schön er bis über 7000 U/min ausdreht und wie kraftvoll er sich auch in Zeiten von Elektro- und Turbomotoren anfühlt, ist einfach ein Traum. Und dann ist da ja noch der Sound, der dank der von Mechatronik entwickelten Performance-Abgasanlage einfach phänomenal ist. Überraschend, wie natürlich sich die Kombination anfühlt – es wirkt so, als wäre der Motor für dieses Auto gemacht.
Mechatronik M SEC 630
Vollschalensitze in einem Mercedes SEC sind alles andere als alltäglich.
Bild: Mechatronik
Dass ein Mercedes SEC auch mit modernen Zutaten nicht zum Kurvenräuber mutiert, dürfte hoffentlich klar sein. Für mich macht vielmehr die Kombination aus Oldschool-AMG-Look und der nicht zu modernen Technik den Charme des SEC aus. Aus genau diesem Grund würde ich den M SEC auch ohne die LED-Scheinwerfer, dafür mit den Aero-Rädern mitsamt in Wagenfarbe lackiertem Felgenstern bestellen.

Alle 30 Autos bereits verkauft

Schade nur, dass alle 30 geplanten Exemplare bereits verkauft sind. Zu welchem Preis, das wissen leider nur die zukünftigen Besitzer – denn hier hält sich Mechatronik noch bedeckt. Als kleiner Anhaltspunkt: Für originale Mercedes 560 SEC AMG 6.0 Widebody wurden bei Auktionen schon deutlich mehr als 500.000 Euro geboten.
Und was kommt nach dem M SEC? Da wartet noch das Project 107, das zugunsten des M SEC zurückgestellt wurde. Und dann gibt es ja noch Restauration, Service und Handel. Langeweile kommt bei Mechatronik ohnehin nicht auf!

Fazit

Der Mechatronik M SEC ist ein Restomod nach meinem Geschmack. Einer der emotionalsten Motoren der AMG-Geschichte in einem der coolsten Oldschool-Mercedes – das klingt nach einer ziemlich perfekten Kombination.