Mercedes CLA 250+ Shooting Brake: Test
Elektrischer Kombi: CLA Shooting Brake zeigt sich reisetauglich

Der elektrische CLA Shooting Brake verbindet Lifestyle, Alltagstauglichkeit und erstaunliche Effizienz. Ob das reicht, um den hohen Preis zu rechtfertigen, klärt der AUTO BILD-Test.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Fahrzeug-Deals
- Für Langstreckenfahrer: Tatsächlich zeigt sich der elektrische CLA sehr sparsam, im Testdurchschnitt reichte eine Akkuladung für 551 Kilometer. Dank hoher Ladeleistung lassen sich 300 Kilometer in gut zehn Minuten "nachtanken".
- Für Paare, Singles und kleine Familien: Zwei Erwachsene mit Kindern oder aktive Paare mit Freizeit- und Reisegepäck finden im CLA Shooting Brake ausreichend Raum. Zwar ist das Gepäckabteil im Vergleich zum Vorgänger ein wenig geschrumpft, der Frunk fängt den Verlust aber auf. Zudem lassen sich Anhänger bis 1,5 Tonnen ziehen.
- Für Fahrer mit Premium-Anspruch: Der CLA 250+ Shooting Brake bietet moderne elektrische Antriebstechnik, hochwertige Materialien und Verarbeitung sowie mit dem MBUX ein Infotainmentsystem, das keine Wünsche offen lässt.
Weniger Platz trotz gewachsener Abmessungen
Diese Erfolgsgeschichte möchte man in Stuttgart mit dem elektrischen Neuzugang in Form des X 174 nun gern fortschreiben. Der CLA Shooting Brake 250+ basiert auf der Plattform Mercedes Modular Architecture (MMA). Er streckt sich auf 4,72 Meter und ist damit 35 Millimeter länger als der Vorgänger (X 118), mit 1,86 Metern auch 25 Millimeter breiter und mit 1,47 Metern 27 Millimeter höher.

Größer geworden: Der neue CLA Shooting Brake ist in alle Richtungen gewachsen, beim Radstand sogar um sechs Zentimeter. Für die Fondpassagiere wird es trotzdem eng.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Maße, die natürlich auch dank des um 61 Millimeter auf 2,79 Meter gewachsenen Radstands für mehr Platz sorgen müssten. Leider ist das nicht in allen Bereichen der Fall. Vor allem für die Reisenden im Fond ist es im Schulterbereich 13 Millimeter enger geworden. Hinzu kommt der spitze Anstellwinkel der Knie, was bauartbedingt der Batterie im Unterboden geschuldet ist. Personen über 1,85 Meter fällt es so schwer, sich hier wohlzufühlen.
Kofferraumvolumen ist etwas geschrumpft
Auch das Kofferraumvolumen ist im Vergleich zum Vorgänger geschrumpft. Statt der 485 Liter stehen jetzt nur noch 455 Liter zur Verfügung, bei umgelegter Rückbanklehne sind es mit 1290 Litern 60 weniger. Aufgefangen wird der Verlust durch einen Frunk, also ein Staufach unter der Fronthaube, das weitere 100 Liter zur Verfügung stellt. Hinzu kommt die Möglichkeit, 1,5 Tonnen an den Haken zu nehmen, was für ein Elektroauto dieser Klasse ein beachtlicher Wert ist.

Etwas kleiner als beim Vorgänger: Das Gepäckabteil bietet 455 bis 1290 Liter Stauraum, die Rückbanklehne lässt sich im Verhältnis 40:20:40 umklappen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
In Summe halten sich die Einschränkungen mit Blick auf das Vorgängermodell also im Rahmen. Doch was gerade für unseren Test noch viel wichtiger ist, ist das Versprechen von Mercedes, ein Fahrzeug mit einem "bemerkenswert" niedrigen Verbrauch und einer für dieses Segment "beachtlichen Reichweite" auf den Weg gebracht zu haben.
Fahrzeugdaten
Modell | Mercedes CLA 250+ Shooting Brake |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | hinten |
Spitzenleistung | 200 kW (272 PS) |
Dauerleistung | 145 kW (197 PS) |
max. Drehmoment | 335 Nm |
Vmax | 210 km/h |
Getriebe | Zweiganggetriebe |
Antrieb | Hinterradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/45–255/40 R 18 W |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport 5 |
Radgröße | 7,5–9 x 18" |
Reichweite* | 688 km |
Verbrauch* | 14,3 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität netto | 85 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11 (22 optional)/320 kW |
Ladezeit (10-80 %; DC-Ladung) | 22 Minuten |
Ladeanschluss | hinten rechts |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/750 kg |
Stützlast | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 455–1290 l + 101 l vorn |
Länge/Breite/Höhe | 4723/1855–2021**/1469 mm |
Radstand | 2790 mm |
Grundpreis | 57.096 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 65.046 Euro |
Befeuert von einer 85-kWh-Lithium-Ionen-Batterie arbeitet eine permanenterregte Synchronmaschine, die eine Systemleistung von 272 PS bietet und ein maximales Drehmoment von 335 Newtonmetern über ein Zweiganggetriebe an die Hinterachse schickt. Dessen Aktivität ist übrigens ab circa 106 km/h durch einen kurzen Moment der Zugkraftunterbrechung spürbar, was hier nicht als unangenehm, sondern fast schon als emotional verbucht werden kann.

Ordentlicher Sprinter: Mit gemessenen 6,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 ist der CLA 250+ Shooting Brake drei Zehntel schneller als von Mercedes versprochen. Maximal sind 210 km/h drin.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Wie bei allen E-Autos handelt es sich bei den 272 PS allerdings nicht um die Dauerleistung. Die gibt Mercedes mit 197 PS an. Anders gesagt: Mit Boost ist der knapp zwei Tonnen schwere Shooting Brake in den von AUTO BILD ermittelten 6,5 Sekunden auf Tempo 100 geschnellt. Das ist 0,3 Sekunden schneller, als der Hersteller es in seinem Datenblatt vermerkt hat.
Vermerkt hat er aber auch eine maximale Reichweite von 688 Kilometern. Die war in unserem Test nicht ganz zu erreichen. Allerdings sind die von uns ermittelten 551 Kilometer im Drittelmix bei einem Durchschnittsverbrauch von 16,4 kWh ein erfreulicher Wert, der auch den flotten Ritt auf der Autobahn zu einer ganz neuen Erfahrung macht. Selbst wer zügig unterwegs ist – und wir reden hier von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 124 km/h auf der Autobahn –, schafft eine Distanz von über 400 Kilometern ohne Zwischenstopp.

Kommt angenehm weit: Eine Akkuladung reichte im Test für 551 Kilometer. Im Drittelmix verbrauchte der CLA 250+ Shooting Brake nur 16,4 kWh/100 km.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das ist in vielerlei Hinsicht befreiend, muss doch nicht permanent ein angstvoller Blick auf die Reichweitenanzeige gelenkt werden und der nächste Ladestopp in die Routenplanung eingerechnet werden. So ließ sich eine Strecke von 326 Kilometern, auch dank kurzer Vmax-Einlagen von 210 km/h, in 2 Stunden und 38 Minuten absolvieren. Einschränkend bleibt bei dieser freudvollen Erfahrung nur anzumerken, dass die diesen Ergebnissen zugrunde liegenden Fahrten bei nahezu idealen Witterungsbedingungen gemacht wurden. Die Temperaturen lagen bei 15 bis 21 Grad Celsius, und es war nahezu windstill.
Messwerte
Modell | Mercedes CLA 250+ Shooting Brake |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,9 s |
0–100 km/h | 6,5 s |
0–130 km/h | 10,7 s |
0–160 km/h | 15,5 s |
0–200 km/h | 24,5 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,0 s |
80–120 km/h | 4,4 s |
Leergewicht/Zuladung | 2051/459 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 46/54 % |
Wendekreis links/rechts | 11,2/11,2 m |
Sitzhöhe | 575 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,1 m |
aus 100 km/h warm | 34,0 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 13,2 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 16,4 kWh/100 km (+15 %) |
Sportverbrauch | 21,3 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 551 km |
Ladezeiten sind erfreulich kurz
Wie dem auch sei, irgendwann muss auch der CLA Shooting Brake 250+ an die Ladestation. Dank seiner 800-Volt-Architektur kann er an der richtigen Station mit bis zu 320 kW laden. Da die Ladeleistung nicht über die gesamte Dauer gehalten wird, ergibt sich eine durchschnittliche Zeit von 22 Minuten, die es braucht, bis der Akku von 10 auf 80 Prozent gefüllt ist. Da der Ladevorgang bei niedrigem Ladestand aber sehr aggressiv startet – mit bis zu 350 kW, die wir gemessen haben –, sind bereits nach zehn Minuten Energiemengen im Akku, die eine Reichweite von gut 300 Kilometern ermöglichen.

Steht schön kurz an der Ladesäule: 10 bis 80Prozent Akkuladung erledigt der CLA 250+ in 22 Minuten. Bereits nach 10 Minuten ist Strom für rund 300 Kilometer "nachgetankt".
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Bei Ladevorgängen an der heimischen Wallbox oder anderen AC-Ladern hängt die Geschwindigkeit von einem Kreuz in der Optionsliste ab. Serienmäßig ist nur ein 11-kW-Lader an Bord, bei dem ein vollständiger Ladezyklus mit neun Stunden berechnet wird. Wer lieber mit 22 kW lädt, muss dafür 654 Euro zusätzlich zahlen.
Preisliste beginnt bei 57.096 Euro
Da wir gerade bei Zahlen sind: Der Einstieg in einen CLA Shooting Brake 250+ gelingt erst ab 57.096 Euro. Das ist ein erkleckliches Sümmchen, das sich mit einigen begehrlichen Beigaben, die unser Testwagen hatte, locker auf 65.046 Euro steigern lässt. Viel Geld für ein Auto, das sich ob seiner Größe im Kompaktsegment einsortiert.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Natürlich soll nicht ungeklärt bleiben, was es für das Geld gibt. Bereits die von uns gefahrene Ausstattung Progressive verfügt serienmäßig über LED-High-Performance-Scheinwerfer mit adaptivem Fernlicht-Assistenten, Komfortsitze mit Vier-Wege-Lordosenstütze und eine Klimaautomatik mit Luftauslässen auch für die zweite Sitzreihe.
Hinzu kommt ein Multifunktions-Lederlenkrad, das auf Kundenwunsch wieder klassische Bedienelemente für Tempomat, Abstandskontrolle und Lautstärke trägt. Ein Umstand, den auch wir begrüßen, nachdem wir die Slider-Lösung lange kritisiert hatten. Aber nicht nur das alte, neu entdeckte Bedienkonzept am Volant erfreut.
Fahrverhalten besser als beim Verbrenner
Auch der Umstand, dass sich der Elektriker trotz seines üppigen Leergewichts leichtfüßig ums Eck führen lässt. Tatsächlich liegt der 250+ Shooting Brake sehr satt auf der Straße, überzeugt auch auf schlechten Wegen und ohne Verstelldämpfer mit hohem Fahrkomfort.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Zudem gibt es selbst bei schnellen Kurvenfahrten nur wenig Tendenz zum Untersteuern. Wenn aber doch, dann regelt das ESP feinfühlig und nahezu unspürbar im Hintergrund. Insofern ist das Programm Sport keine bloße Spielerei – der Stromer reagiert spontaner auf Gaspedalbefehle, und die Lenkung wirkt einen Tick direkter.
Wertung Mercedes CLA 250+ Shooting Brake
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Kompaktkombi nah an der Mittelklasse, gutes Raumgefühl, hinten etwas eng, 1,5 Tonnen Anhängelast | 3,5 / 5 |
Antrieb | Gutes Fahrwerk, Vmax 210 km/h, lädt mit bis zu 320 kW, Zweiganggetriebe mit kurzer Schaltpause | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Super abgestimmtes ESP, gute Fahrzeugbalance, Lenkung aus der Mitte kippelig, dann sehr gefühlvoll | 4 / 5 |
Connected Car | Riesige Bildschirmlandschaft, exzellente Grafik, Aufpreis für CarPlay und Android, verständige KI | 5 / 5 |
Umwelt | Hohes Gewicht, der Kompaktklasse fast entwachsen, lokal emissionsfrei, geringes Außengeräusch | 4 / 5 |
Komfort | Etwas hohe Sitzposition, komfortabel ohne Verstelldämpfer, gute Assistenzsysteme, recht leise | 4 / 5 |
Kosten | Üppiger Anschaffungspreis, klassenübliche Versicherung, Wartung alle zwei Jahre | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,7 |
In Summe hat uns das Fahrverhalten besser gefallen als beim kurz zuvor getesteten CLA 220 4Matic mit 1,5-Liter-Verbrenner und 48-Volt-Unterstützung, der bei der Sortierung des Vortriebs und der Gänge immer etwas unentschlossen wirkte.
Das Innenleben der Brüder ist hingegen nahezu identisch. Je nach Gusto des Käufers gibt es eine sich über die gesamte Breite der Armaturentafel streckende digitale Welt, die aus drei in sich verschmolzenen Displays besteht. Das Fahrerdisplay misst 10,25 Zoll, der zentrale Bildschirm 14 Zoll. Optional gibt es im Rahmen des Premium-Plus-Pakets zudem ein ebenso großes Beifahrerdisplay.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Zum Paket gehören außerdem Head-up-Display, 3D-Surround-Soundsystem, Keyless Go, Zweizonen-Klimaautomatik, Multibeam-LED und versenkbare Türgriffe. Vor allem das Lichtsystem rechtfertigt den Aufpreis. Ob der Beifahrer einen eigenen Bildschirm braucht, muss jeder selbst entscheiden. Seltsam: Der Fahrer kann die Inhalte am Co-Piloten-Platz immer mitverfolgen.
Für 1785 Euro bietet Mercedes den Extra Drive Assist mit Lenk- und Spurwechsel-Assistenten an. Im Autobahntest konnte das etwas zögerliche System nicht in Gänze überzeugen. Insofern bleibt der Fahrer auch im CLA 250+ Shooting Brake die wichtigste und letzte Instanz für Fahrentscheidungen.
Die wichtigsten Fragen zum Mercedes CLA 250+ Shooting Brake
Wie viel Platz bietet der elektrische Shooting Brake?
Der CLA Shooting Brake ist mit 4,72 Metern etwas größer als sein Vorgänger. Allerdings fällt der Fond im Schulterbereich etwas enger aus, der Kofferraum schrumpft auf 455 Liter. Zusätzlich steht jedoch ein 100-Liter-Frunk unter der Fronthaube zur Verfügung.
Welche Reichweite hat der CLA 250+ Shooting Brake?
Mercedes gibt nach WLTP eine Reichweite von bis zu 688 Kilometern an. Im Test schaffte der CLA 250+ 551 Kilometer bei einem Durchschnittsverbrauch von 16,4 kWh pro 100 Kilometer. Selbst bei zügiger Autobahnfahrt sind mehr als 400 Kilometer ohne Ladestopp möglich.
Wie hoch sind die Ladezeiten?
Dank 800-Volt-Technologie lädt der CLA 250+ mit bis zu 320 kW, im Test sogar kurzzeitig mit bis zu 350 kW. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent dauert etwa 22 Minuten. Nach rund zehn Minuten Ladezeit ist bereits Energie für etwa 300 Kilometer Reichweite nachgeladen.
Was kostet der CLA 250+ Shooting Brake?
Der Einstiegspreis liegt bei 57.096 Euro. Zur Serienausstattung gehören unter anderem LED-High-Performance-Scheinwerfer mit adaptivem Fernlichtassistenten, Komfortsitze mit Lordosenstütze, Klimaautomatik, ein Multifunktions-Lederlenkrad und moderne digitale Displays. Optional sind weitere Komfort- und Assistenzsysteme erhältlich. Für den Testwagen standen am Ende 66.046 Euro auf der Rechnung.
Fazit
Hohe Reichweite, niedriger Verbrauch und echte Reisetauglichkeit: Der CLA 250+ Shooting Brake liefert genau das, was viele Autofahrer von einem E-Auto verlangen. Wäre der Preis bodenständiger, hätte Mercedes hier einen nahezu perfekten Elektro-Kombi auf die Räder gestellt. AUTO BILD-Testnote: 1,7
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