Mercedes E 63 AMG gegen Jaguar XFR: Vergleich
Zwei aufgeblasene Typen mit über 1000 PS

Mitten in der Eurokrise mag es drängendere Fragen geben als die, ob eine Mercedes E-Klasse mit neuem Biturbo-V8 besser ist als ein Jaguar XF mit Kompressor. Wir beantworten sie dennoch gern.
- Heinrich Lingner
Eine Anmerkung, bevor es losgeht: Es ist so etwa vier Jahrzehnte her, da erfand Mercedes – wer sonst? – den perfekten Wählhebel für Automatikgetriebe. Seither haben sich die automatischen Schaltboxen zwar mächtig weiterentwickelt, doch am Prinzip der Bedienung hat sich wenig geändert. Dennoch fehlt es nicht an Versuchen, den tiefen Teller immer wieder neu zu erfinden. Jaguar und auch Mercedes beteiligen sich sehr rege daran. Doch weder der Drehknopf im XFR noch das unlogisch programmierte Schalterchen im E 63 sind wirklich besser als ein simpler Wählhebel. Nur anders und komplizierter. Die fehlende Bedienerotik des Elektroherd- Knaufs im Jaguar und des Schubhebel-Imitats im Mercedes sorgen bei jedem Anfassen für ein innerliches Kopfschütteln.
Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes E 63 AMG

Dezent geht anders: Der Mercedes E 63 AMG trompetet mächtig aus vier Endrohren.
Bild: Sven Krieger
Überblick: Alle News und Tests zum Jaguar XF

Vorsicht: Bei abgeschaltetem ESP neigt der Jaguar XFR zu unvermittelten Heckschwenks.
Bild: Sven Krieger
Den besseren Fahrkomfort bietet ebenfalls der AMG-Bomber. Nur harte, kurze Fugen, wie sie auf Autobahnen gern vorkommen, lassen ihn etwas unwirsch reagieren. Derbere Schläge bügelt er mit seinem adaptiven Sportfahrwerk viel ungerührter weg als der hibbeligere Jaguar. Die straffe Grundabstimmung kann der XFR zudem nicht so recht in besseres Handling umsetzen. Bei schneller Gangart untersteuert er erst heftig, bevor das eilfertig regelnde ESP ihn wieder auf Kurs zwingt. Das elektronische Fangnetz lässt sich komplett abschalten. Das empfiehlt sich allerdings nur für Fortgeschrittene und abseits öffentlicher Straßen. Dann nämlich kann der Jag recht unvermittelt mit dem Heck ausschwenken. Die zwar leicht gängige, doch rück meldungsarme Lenkung ist dabei nicht sehr hilfreich.
Wie das alles besser funktionieren kann, zeigt der E 63. Er stürmt neutral und gut kontrollierbar durch die Biegungen. Sein ebenfalls dreistufiges ESP schreitet wohldosiert und viel unauffälliger ein. Ein zwei Tonnen schwerer, über 500 PS starker Brummer, der sich so einfach und rasant schnell bewegen lässt – das ist nicht nur ein großer Spaß, sondern auch ganz ganz großes Ingenieurkino. Punkt. Was saufen die denn, wurde der Tester mit dem aufgeblasenen Duo an der Tankstelle gefragt. Nur vom Feinsten, antwortete er. Und zwar der Mercedes (12,2 Liter) meist über einen Liter weniger als der Jaguar (13,4 l). Auch hier ist der Biturbo eben einfach besser.
Fazit
Die Frage nach dem Testsieger ist einfach zu beantworten. Der Mercedes E 63 ist das in fast allen Belangen bessere Auto. Nur im Kostenkapitel schneidet der Jaguar XFR besser ab. Der ist zwar keine schlechte Wahl, doch verglichen mit dem E 63 mangelt es ihm etwas an Feinschliff. Das sind allerdings Unterschiede, die sich nur abseits öffentlicher Straßen ausloten lassen. Wer an der Eleganz des XFR und der lässigen Coolness seines Interieurs Gefallen findet, wird sich an ein paar Punkten weniger im Test nicht stören. Und das ist gut so.
Service-Links