Mercedes GLB 250+: Elektro-SUV im Test
Elektro-Benz mit Kompetenz: Am GLB 250+ gibt es wenig auszusetzen

Mit der ersten Generation des kastigen GLB konnte Mercedes bereits Elektro-Erfahrung sammeln. Was macht der Neue entscheidend besser?
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Mit diesem Stromer waren sie in Stuttgart früh dran. Zu früh? Nach einem kompakten, vollelektrischen Siebensitzer hatte vor fünf Jahren eigentlich noch keiner gefragt.
Stuttgart lieferte den elektrischen GLB trotzdem – und zunächst schien das Interesse arg überschaubar zu sein. Zwischenzeitlich standen junge, ein bis zwei Jahre alte Gebrauchte zur Hälfte des Neupreises beim Händler.
- Für Familien: Der Mercedes GLB bietet viel Raum auf allen Sitzen. Opltional ist er als Siebensitzer zu haben.
- Für Elektrofans: Mit 467 Kilometern Reichweite im Test und kurzen Ladezeiten überzeugt der GLB 250+ auch als Stromer.
Elektro-Variante ohne eigene Modellbezeichnung
Der neuen, zweiten Generation soll das natürlich nicht passieren. Auch sie bietet sowohl Verbrenner als auch Elektroantriebe in gewohnt kantigem Blechkleid, diesmal aufbauend auf der vom CLA bekannten MMA-Plattform (Mercedes Modular Architecture). Technisch blieb damit kein Stein auf dem anderen. Wir haben die Variante mit 272 PS, Heckantrieb und großem 85-Kilowattstunden-Akku auf dem Hof stehen.

EQB ist Geschichte: Bei der zweiten Generation des GLB bekommt die Elektrovariante keine eigene Modellbezeichnung mehr.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Während das alte E-Modell auf den Namen EQB hörte und unter anderem mit umgestalteter Front vorfuhr, ist dem neuen seine Antriebsart kaum noch anzusehen. Lediglich das Kürzel am Heck (”GLB 250+”) liefert einen Hinweis auf die komplette Elektrifizierung.
Das Raumkonzept profitiert weiterhin vom kantigen Äußeren. In erster und zweiter Reihe gibt es in sämtliche Richtungen viel Luft, die Sitze sechs und sieben sind noch immer Teil der Aufpreisliste (1309 Euro), im Testwagen allerdings nicht verbaut.

Viel Platz, aber wenig Beinauflage in der zweiten Reihe: Die Oberschenkel von Normalgewachsenen (1,81 m) stehen deutlich über.
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Weniger gut gefällt uns, dass es auf der Fondbank an Beinauflage mangelt – drei Zentimeter weniger als beim Vorgänger haben wir gemessen. Den Oberschenkeln fehlt es so etwas an Unterstützung, gerade auf Langstrecken.
Fahrzeugdaten
Modell | Mercedes GLB 250+ EQ |
|---|---|
Einbaulage | hinten |
Spitzenleistung | 200 kW (272 PS) |
Dauerleistung | 125 kW (170 PS) |
maximales Drehmoment | 335 Nm |
Vmax | 210 km/h |
Getriebe | Zweiganggetriebe |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 255/40 R 20 W |
Antrieb | Hinterradantrieb |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport 5 |
Reichweite* | 632 km |
Verbrauch* | 15,8 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität (netto) | 85 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11 (22 optional)/320 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | 22 Minuten |
Ladeanschluss | hinten rechts |
Fach unter Frontklappe | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/750 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 540-1715 l |
Länge/Breite/Höhe | 4723/1902-2029**/1687 mm |
Radstand | 2889 mm |
Grundpreis | 59.048 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 67.985 Euro |
Die Übersicht fällt nach heutigen Maßstäben gut aus, wenn auch nicht mehr ganz so glashausig wie noch im Vorgänger. Vor allem die D-Säule hat deutlich zugelegt und birgt nun einen größeren toten Winkel. Überflüssig zu sagen, dass der GLB den aber über diverse Sensoren und Assistenten absichert.
Das Infotainment und alles zum Thema Vernetzung hat der GLB quasi zu 100 Prozent vom Mercedes CLA übernommen. An den drei Einzelbildschirmen im Cockpit scheiden sich die Geister – sie sind ziemlich eindeutig zu tief montiert, bieten aber ebenso eindeutig viele fortschrittliche Funktionen.

Schöne neue Autowelt: Der GLB kommt mit formatfüllendem Display aus drei Bildschirmen – die für unseren Geschmack etwas zu tief positioniert sind.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu zählen eine sehr verständige, KI-unterstützte Sprachsteuerung, hochauflösende Google-Karten für das Navi sowie eine Ansicht fürs assistierte Fahren, in welcher der GLB Elemente aus den Navi-Karten – zum Beispiel umstehende Häuser – fleißig mit eigenen Sensordaten mischt.
Messwerte
Modell | Mercedes GLB 250+ EQ |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,3 s |
0–80 km/h | 5,4 s |
0–100 km/h | 7,3 s |
0–130 km/h | 11,6 s |
0–160 km/h | 17,3 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,3 s |
80–120 km/h | 5,8 s |
Leergewicht/Zuladung | 2198/487 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 46/54 % |
Wendekreis links/rechts | 11,8/11,8 m |
Sitzhöhe | 665 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 32,0 m |
aus 100 km/h warm | 33,6 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 54 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 14,3 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 18,9 kWh/100 km (+20 %) |
Sportverbrauch | 25,3 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 467 km |
Auch ein gut gefüllter App-Store mit diversen Spielen, Medienanbietern und Lieferdiensten ist vorhanden. Kurioserweise kann man im Stand den Bordrechner des GLB leise arbeiten hören – er rödelt und knistert dezent vor sich hin. Fast wie früher zu Hause beim Hochfahren des eigenen PCs.
Große Trümpfe kann der GLB ausspielen, wenn es auf die Straße geht. Geschmeidig liefert er seine 272 PS und 335 Newtonmeter ab, rekuperiert nachdrücklich und auf Wunsch bis zum Stillstand. Zur Sparsamkeit trägt – wie im CLA – auch ein Zweiganggetriebe an der Hinterachse bei, das ungefähr bei Tempo 120 mit kleiner Unterbrechung die Übersetzung wechselt.

Sehr ordentlich: Mit seinen 272 PS und 335 Nm Drehmoment geht der GLB 250+ in 5,4 Sekunden auf Tempo 100. Sein 85-kWh-Akku reicht im Test für 467 Kilometer.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Maßnahme scheint tatsächlich Wirkung zu zeigen: mit 18,9 Kilowattstunden inkl. Ladeverlusten zeigte sich der GLB genügsam, auch wenn der Wert 20 Prozent oberhalb der Werksangabe lag. An der Säule entspricht der GLB den Herstellerangaben: 350 kW und 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent – in der Spitze sogar etwas mehr als angegeben (320 kW). Wer 655 Euro berappt, kann die Ladeleistung an der AC-Säule von 11 auf 22 kW erhöhen.

Ausreichend querdynamisch: Dank der weit einschlagenden Vorderräder ist der 4,72 Meter lange GLB handlich. Das zweistufige Fahrwerk ist eher straff ausgelegt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu gibt sich der GLB für ein Auto seiner Größe handlich, die Vorderräder schlagen weit ein. Das Fahrwerk ist zweistufig verstellbar, wir bewerten schon die weichere der beiden Grundstellungen als eher straff – zumindest für ein Auto mit Stern.
Sie merken schon: Wir tun uns schwer, am GLB viel herumzukritteln. Das setzt sich auch bei den Assistenzsystemen fort, die lediglich dann ein etwas diffuses Gefühl in der Lenkung erzeugen, wenn sie den Benz auf der Autobahn in der Mitte der Fahrspur halten wollen. Ansonsten übernimmt der GLB überaus forsch selbst das Steuer, folgt gelben Baustellenlinien akkurat und lässt im Ernstfall auch auf der Bremse nichts anbrennen.
Wertung Mercedes GLB 250+
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Vorn und hinten gutes Platzangebot, allerdings nur 487 Kilogramm Zuladung. Recht übersichtlich. | 4 / 5 |
Antrieb | Kräftig und sparsam mit starker Rekuperation, wenn gewünscht. Bis zu 1,5 Tonnen Anhängelast. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Für einen Benz eher straff abgestimmt. Schwer, aber wendig. Top-Bremswege – warm wie auch kalt. | 4 / 5 |
Connected Car | Sehr aufmerksame Sprachassistenz, gutes Navi mit scharfer Grafik, viele Apps. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Ein wenig größer ist er geworden, wiegt fast 2,2 Tonnen. Antriebsseitig natürlich sehr sauber. | 3,5 / 5 |
Komfort | Der GLB ist leise und bietet allerhand Komfort-Funktionen. Die Beinauflage hinten fällt zu kurz aus. | 4,5 / 5 |
Kosten | Teuer in der Anschaffung, mit potenziell hohem Wertverlust. Dazu nur zwei Jahre Garantie. | 2 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,6 |
Abzüge in der B-Note kann man dem kastigen Benz allenfalls für Kleinigkeiten verpassen – zum Beispiel für die Massagefunktion der Vordersitze. Drückt man dafür den Knopf, verfällt die Lendenwirbelstütze auf einmal in blinden Aktionismus. Mit Massage hat das aus unserer Sicht nicht viel zu tun.
Wie beim Daimler üblich fallen die Preise selbstbewusst aus. Bei 59.048 Euro geht es los, wie getestet bringt der GLB 250+ 67.985 Euro auf die Rechnung. Und mehr als zwei Jahre Technik-Garantie spendieren die Schwaben dennoch nicht.
Die wichtigsten Fragen zum Mercedes GLB
Welche Motorisiserungen gibt es?
Den Mercedes GLB gibt es neben den vier Elektrovarianten (GLB 200 elektrisch, GLB 250 elektrisch, GLB 250+ elektrisch und GLB 350 4Matic elektrisch) auch als Verbrenner. Die vier Benziner (GLB 180, GLB 200 und GLB 220) kommen allesamt als Mildhybrid, die beiden stärkeren Varianten sind auch mit dem Allradantrieb 4Matic zu haben.
Wie weit kommt der elektrische GLB?
Der GLB 250+ hat einen 85 kWh großen Akku, der im Test für 467 Kilometer reichte.
Wie hoch sind die Ladezeiten?
Mit 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent fällt die Ladezeit erfreulich kurz aus. In der Spitze lädt der GLB 250+ in unserem Test mit 350 kW – das liegt deutlich über der Herstellerangabe von 320 kW.
Was kostet der Mercedes GLB?
Die Preisliste (Stand: Juli 2026) startet mit dem GLB 180 für 50.396 Euro. Günstigster Stromer ist der GLB 200 elektrisch für 53.454 Euro. Für den getesteten GLB 250+ elektrisch ruft Mercedes mindestens 59.047 Euro auf.
Fazit
Mit dem elektrischen GLB präsentiert Mercedes ein rundes Paket: viel Platz, tolle Fahreigenschaften, modernes Infotainment. Dass das alles seinen Preis hat, ist klar. Auffällig: Der GLB liefert im SUV-Format, was auch der CLA schon beherrschte: ein Elektro-Fahrerlebnis, das sich nahtlos in den eigenen Alltag einfügt. Weder an der Ladesäule noch auf der Autobahn beginnt die Reise, unangenehm zu werden. Das macht richtig Spaß! AUTO BILD-Testnote: 1,6
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