Mercedes W 124 im Jahreswagen-Zustand bei eBay
Diese Mercedes-Limousine hat nur 100.000 km auf der Uhr
Musterbeispiel eines Rentner-Uhu: Diese 124er-Limousine von Mercedes aus BRD-Zeiten wurde viel gepflegt, wenig gefahren und steht daher heute makellos da! Das H-Kennzeichen ist ebenfalls möglich.
So was sieht man selten: Dieser Mercedes-Benz W 124 von 1993 glänzt in einem Zustand, als ob er gestern vom Band gelaufen wäre. Und dann erst der Tachostand: Nur 91.870 Kilometer ist er gelaufen. So was wird in der Szene als "Uhu" bezeichnet, eine freakige Abkürzung von "U-nter HU-nderttausend". Dabei kann es sich nur um einen legendären Rentner-Benz handeln.

Das "E" zeigt: Dieser Benz wurde in der ersten Hälfte 1993 gebaut. Nach den Werksferien benannte Mercedes mit der Modellpflege 2 den 124er in "E-Klasse" um.
Bild: AUTO BILD Montage eBay/royal*vip*
Also ein Auto, das sich ein rüstiger Pensionär in den fetten Jahren der alten Bundesrepublik kaufte, um es anschließend kaum zu fahren, in der Garage abzustellen und beim Benz-Vertragshändler um die Ecke fristgerecht und schön nach Scheckheft warten zu lassen. Ein rollendes Symbol behaglichen Wohlstands, wie er heute fast im Märchenbuch steht ...
Wer sich die Bilder ansieht, kommt aus dem Staunen nicht heraus: Allein der Teppich im Kofferraum sieht aus wie frisch verlegt, die Skalen der Rundinstrumente hinterm Lenkrad sind kein bisschen ausgeblichen, die Holzapplikationen auf der Mittelkonsole glänzen fett wie am ersten Tag. Spontan möchte man sagen: aufgearbeitet. Doch KM-Stand und Gesamtbild machen diesen Top-Zustand plausibel.
Etwas zu meckern gibt es natürlich auch
Wer unbedingt möchte, findet natürlich auch was zu meckern: Ausstattung und Motorisierung sind – ebenfalls typisch für einen Rentner-Benz – nicht wirklich üppig. Die Maschine, ein 200 E mit vier Zylindern, ist das kleinste mögliche Triebwerk. Auf 124er-Treffen erregt so was Mitleid. Es fährt bis zu 200 km/h, kann aber bei gezügelter Fahrweise auf unter neun Liter getrimmt werden.
Immerhin bringen seine 136 PS die 1,3 Tonnen Leergewicht einigermaßen zeitnah vom Fleck: 11,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Wenn man sich mit dem Schalten seeehr beeilt, denn Opas 124er ist (natürlich) kein Automatikwagen – Großväterchen hat sich die sagenhaften 3369 (!) Mark Aufpreis damals geklemmt.

Das Zebranoholz auf Armaturenbrett und Mittelkonsole glänzt wie am ersten Tag. Der Fahrer-Airbag war beim E200 bereits Teil der Serienausstattung.
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So auch fast alle anderen Extras, bis auf eins: Immerhin hat der Wagen Schiebedach, also Bio-Klimaanlage. Die kostete damals satte 2265 Euro, aber frische Luft war Opa offenbar wichtig. Was hat der 124er noch an Bord? Der Fahrer-Airbag war damals tatsächlich schon Serie, der Kassettenrekorder ist laut Anbieter original. Das war's. Aber, auch bei einem Benz gilt die tröstliche Weisheit: Was nicht an Bord ist, kann auch nicht kaputt gehen... Die Konstruktion insgesamt dürfte noch lange halten, die Vitalität des 124ers ist legendär.
Doch natürlich kann so ein Uhu-Rentner-Benz auch Macken haben: Die Kombi aus 30 Lebensjahren und derart niedrigem Tachostand bedeutet einen Schnitt von rund 3000 km pro Jahr - das ist so wenig, dass die Gefahr von Standschäden real ist. Das heißt für Kaufinteressenten: Probefahrt machen und dabei unbedingt einen Oldtimer-Check, also eine Inspektion auf der Bühne. ADAC, TÜV, Dekra und andere bieten so etwas für ab 100 Euro an.

Der Verkäufer hebt hervor, dass der Wagen außen wie innen sehr gepflegt ist. Und richtig wurde in diesem Kofferraum offenbar nie etwas Dreckiges transportiert.
Bild: AUTO BILD Montage eBay/royal*vip*
Wie gelingt die Probefahrt trotz Abmeldung?
Womit wir zu einem klitzekleinen Problem kommen: Der Wagen hat offenbar keine Zulassung, ist abgemeldet. Das muss geklärt werden, notfalls mit einem Kurzzeit-Kennzeichen. So was gibt's auch für unter 100 Euro (z.B. beim ADAC), muss aber in der Heimat-Zulassungsstelle beantragt werden. Das dauert und setzt die Kooperation des Anbieters voraus. Doch ohne dem geht's nicht. Bei der Gelegenheit lasse man sich noch Scheckheft, Werkstattrechnungen und TÜV-Berichte zeigen, das erhärtet hoffentlich das Bild vom gepflegten Rentner-Benz.
Zum Schluss der fehlende Mercedes-Stern: Offenbar das Opfer der üblichen Vorbeigeh-Vandalen, doch der Verkäufer hat bereits die Montage eines Ersatz-Sterns versprochen. Das muss auch sein, damit man mit dem 124er später wirklich standesgemäß cruisen kann!
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