Monterey Car Week – Pebble Beach: Das sind die übelsten Gurken
Sind das Klassiker oder können die weg?

Bild: T. Geiger
Normalerweise treffen sie sich auf vornehmen Golfplätzen, cruisen in den Auffahrten der Luxus-Hotels, dröhnen durch die Cannery Row und schlürfen teuren Jahrgangs-Champagner. Doch die Monterey Car Week hat auch eine andere Seite. Denn neben all den exklusiven Exoten, den unbezahlbaren Luxusautos, den wild getunten Sportwagen und den edelsten Oldtimern der Welt, huldigen sie hier auch dem Altmetall ohne Glanz und Glamour.
Immer am Samstagmorgen nach The Quail und vor dem eigentlichen Schaulaufen am Sonntag, treffen sich im feuchten Küstennebel auf einer löchrigen Wiese vor dem Rathaus des schmucklosen Nachbarorts Oceanside die hässlichsten Autos und die übelsten Rostlauben des Wochenendes, feiern mit viel Selbstironie den Concours de Lemons – und küren die übelsten Zitronen, die in Detroit und Turin, Stuttgart oder Tokio je auf die Räder gestellt und dann vom Zahn der Zeit angenagt worden sind.

Kuriositäten wohin man schaut.
Bild: T. Geiger
Pebble Beach: "Schrott" und "Kraut"
Schon die Kategorien zeugen davon, wie ernsthaft sich die PS-Gemeinde hier selbst auf die Schippe nimmt. Es gibt die "Unnötig komplexen Italiener", die "Schrott aus dem American Rust Belt", die "Kraut-Wagen" aus Deutschland, die "gut gemachten Müllwagen", "The Good, the Bad and the Ugly", oder die "Autos, die im Leben falsch abgebogen sind".
Und während viele Showcars einen – nun ja – gewissen Reparaturstau haben und dringend ein bisschen Pflege bräuchten, brezeln sich die Besitzer um so aufwändiger auf, tragen wilde oder wirre Kostüme und posieren neben ihren PS-Ruinen. Irgendwie muss man die Juroren ja überzeugen – wenn selbst gebackene Zitronen-Cookies, Limoncello oder Limonade mit Schuss nicht reichen.

Ein passendes Motto für den Concours de Lemons: "Trashy in a good way".
Bild: T. Geiger
Die Autos sind sich dabei trotz ihrer ganz und gar unterschiedlichen Herkunft erschreckend ähnlich: Entweder, weil sie in einem erbärmlichen Zustand sind, wie der Fiat 124, der wahrscheinlich nur deshalb Superleggera heißen darf, weil ihn der Rostfraß sicher schon ein paar Kilo gekostet hat.
Subaru 360, DAF 33, Solyto und Co.
Weil sie schräg, skurril und zumindest in den USA absolut unbekannt waren, wie der Subaru 360, der DAF 33, der Lieferwagen Solyto oder der Datsun Bluebird. Oder weil sie wild verbaut sind wie der auf halbe Länge geschrumpfte T1 von VW mit dem Flammengrill am Auspuff, der von Custom-Legende George Barris veredelte Cadillac Eldorado oder der zum Safari aufgerüstete Porsche 928.

Die Monterey Car Week hat auch ihr eigenes Gruselkabinett.
Bild: T. Geiger
Weil sie einfach Flops waren wie der Ford Edsel oder der AMC Pacer. Weil ihnen keiner zutraut, dass sie überhaupt fahren, wie bei dem Citroen Traction Avant, der in Frankreich entwickelt und in England gebaut wurde ins so das schlechteste aus zwei Welt vereint – denken zumindest die Amerikaner. Oder weil am Ende wir etwa bei dem eigenwilligen VW Fridolin keiner mehr weiß, was er da in seine Garage gestellt hat – und vor allem warum diese Rostlaube bei ihm daheim vor sich hin rottet.
Skurrile Autos von schrägen Vögeln
Skurrile Autos von schrägen Vögeln und eine selbstironische Heiterkeit – über die Jahre hat sich der samstägliche Zitronenmarkt so zu einer Institution während der Monterey Car Week gemausert. Zwar hat das Kuriositätenkabinett unter den Car Shows so auch ein wenig von seiner Unschuld verloren, und mittlerweile gibt es bald mehr Merchandising-Stände als Showcars.

Nicht alle Fahrzeuge fallen schon beim Anschauen auseinander.
Bild: T. Geiger
Doch die Teilnehmer kommen trotzdem immer wieder. Wenn auch mit immer anderen Autos. Denn viele der Rostlauben sind so alt und klapprig, dass sie den Heimweg gar nicht mehr schaffen. Macht nichts, am Ortsausgang von Monterey schiebt der legendäre Gebrauchtwagen- und Oldtimer-Händler Dodi an diesem Wochenende wieder Überstunden und hat den Hof voll mit Rostlauben, die wir nächstes Jahr alle wieder auf der Wiese vor dem Rathaus von Oceanside sehen können.
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