Nissan Leaf: erste Fahrt im Prototyp
Zurück mit 604 km Reichweite: So gut ist der neue Nissan Leaf wirklich

Bild: Nissan
- Wolfgang Gomoll
Der Nissan Leaf ist ein echter Eisbrecher. Ja, richtig gelesen. Denn die versenkbaren Türgriffe schnellen mit einer derartigen Wucht nach oben, dass selbst eine Eisschicht kein Hindernis ist. Damit verliert der Aerodynamik-Kunstgriff auch bei frostigen Temperaturen seinen Schrecken. Die dritte Generation des japanischen E-Autos basiert wie unter anderem der Megane E-Tech Electric und der Nissan Ariya auf der CMF-EV-Plattform.
Also ist der Leaf eher zum Crossover geworden. Dementsprechend fallen auch die Abmessungen aus: Der neue Leaf ist 4,35 Meter lang, 1,81 Meter breit und 1,55 Meter hoch. Das freut vor allem die Passagiere.
Neuer Nissan Leaf mit 214 PS aus 3-in-1-Antrieb
Fast noch wichtiger ist die Technik. Der Leaf nutzt als erster Nissan-Stromer den neuen 3-in-1-Elektroantrieb: Diese Einheit fasst den Inverter, das Untersetzungsgetriebe sowie die eigentliche E-Maschine zusammen, ist dennoch um zehn Prozent kompakter als der Elektromotor der vorherigen Generation und leistet bis zu 160 kW sowie 355 Newtonmeter Drehmoment. So bestückt beschleunigt der Leaf in 7,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und ist bis zu 160 km/h schnell.

Der Nissan Leaf 3 steht im Frühjahr 2026 bei den Händlern.
Bild: Nissan
Die Leistungsfähigkeit des Antriebs hängt auch immer mit den Energiespeichern zusammen. Die sind im neuen Leaf potenter als bisher. Zwei Akkugrößen stehen zur Auswahl: Die eine ist die 52-Kilowattstunden-Batterie, die eine Reichweite von 436 Kilometern ermöglicht und mit dem 130-kW-Motor (345 Nm) kombiniert wird. Da dauert der Standardsprint eine Sekunde länger, bei identischer Höchstgeschwindigkeit. Das stärkere Triebwerk ist Teil der "Extended"-Version mit 75-kWh-Akkus, die Energie für maximal 604 Kilometer bereitstellen. Fährt man auf der Autobahn konstant 130 km/h kommt man mit einer Akkuladung mehr als 330 Kilometer weit.

Die beiden 14,3-Zoll-Monitore passen gut zum Innenraum.
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Um diese Werte zu erreichen, müssen die Akkus stets in Höchstform sein. Deshalb erwärmt der Onboard-Lader auch beim AC-Laden mit 11 kW die Akkus. Die Hochvoltbatterie ist Teil eines integrierten Wärmekreislaufs, bei dem Antriebsstrang, Klimaanlage und Batterie zusammenhängen. Die maximale DC-Ladeleistung ist mit 150 kW (bei den großen Akkus) bzw. 105 kW durchschnittlich. In weniger als 30 Minuten fließt Strom für 417 Kilometer (20 bis 80 Prozent) bzw. 277 km (bei der 52-kWh-Batterie) in die Energiespeicher. Gut: Der Nissan Leaf kann auch als Stromquelle für handelsübliche Haushaltsgeräte dienen und 3,6 kW Leistung abgeben, ist aber auch für die V2G-Zukunft (Vehicle-to-Grid) gerüstet.
Karosserie mit optimalem cw-Wert
Der E-Crossover wiegt zwischen 1789 und 1937 Kilogramm. Das liegt unter anderem an den Batterien, die flacher, aber eben auch schwerer sind. Die gute Reichweite ist eine Konsequenz aus der guten Aerodynamik. Der Leaf hat einen cw-Wert von 0,25. "Wir haben seit dem ersten Leaf viele Daten gesammelt, die jetzt alle in die dritte Generation einfließen. Effizienz hat die oberste Priorität. Nur so erreicht man Reichweite", erklärt Chefingenieur Hiroki Isobe. Details wie die der Unterboden, die optimierte Frontschürze oder die Heckscheibe, die mit einem Winkel von 17 Grad abfällt, tragen gemeinsam zur Windschlüpfigkeit bei.
Bei der Probefahrt mit dem Nissan Leaf fiel uns die Ruhe im Innenraum auf. Das Fahrwerk mit einer MacPherson-Vorderradaufhängung und der Mehrlenker-Hinterachse entspricht im Grunde dem des Ariya und ist komfortabel abgestimmt, verarbeitet aber schnell aufeinanderfolgende Querfugen etwas hölzern. "Wir haben die Hinterachse so abgestimmt, dass die Passagiere im Fond nicht reisekrank werden", erklärt Hiroki Isobe. Grundsätzlich agiert der E-Crossover neutral-gutmütig, kann aber in schnell genommenen Kurven sein Gewicht nicht verhehlen und schiebt in Richtung Fahrbahnrand. Aber auch diese Untersteuerneigung stellt den Fahrer vor keine große Herausforderung und auch die Lenkung meldet höflich, sobald man sich dem Grenzbereich nähert. Somit kann man mit dem Leaf flott und entspannt unterwegs sein.
Vier Fahrmodi stehen zur Auswahl
Beim Leaf stehen die vier Fahrmodi zur Auswahl: "Eco", "Normal", "Sport" und "Personal", bei dem man sich den Stromer nach eigenem Gusto konfigurieren kann. Die einzelnen Programme unterscheiden sich merklich. Am entspanntesten ist man mit den Programmen "Normal" oder "Eco" unterwegs, während "Sport" zum Spaßfahren einlädt, aber auch am meisten Energie aus den Akkus saugt. Vier Rekuperationseinstellungen, die mit den Wippen am Lenkrad definiert werden, schaufeln Energie zurück in die Batterie. Die "E-Step"-Einstellung entspricht dem One-Pedal-Fahren, aber der Nissan Leaf ermöglicht auch das Segeln. Lässt man sich vom Navigationssystem leiten, wird die Batterie automatisch vorkonditioniert, sobald man sich einer Ladestation nähert.

Mit dem 75-kWh-Akku kommt der Leaf maximal 604 Kilometer weit.
Bild: Nissan
Der Innenraum mit den beiden 14,3-Zoll-Monitoren ist einladend. Das liegt unter anderem am dimmbaren Panorama-Glasdach, das nicht nur die Wärme abhält, sondern auch für angenehmes Licht in der Fahrgastzelle sorgt. Dass auch Nissan unter Kostendruck steht, erkennt man vor allem am Hartplastik in den unteren Bereichen des Cockpits. Ein Head-up-Display ist ebenso vorhanden wie eine 360-Grad-Kamera. Das Infotainment wird mit drahtlosen Updates versorgt, die Drehwalzen in den Bedienflächen haben einen definierten Druckpunkt, und auch die Klavierlackflächen werten das Ambiente auf. Der Nissan Leaf kommt im Frühjahr 2026 zu den Händlern.
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