Fußball ist ein Spiel von 22 Leuten, die rumlaufen, den Ball spielen, und am Ende gewinnt immer Deutschland. Das Zitat von Englands Kicker-Legende Gary Lineker ist ein Satz für die Ewigkeit. Was das mit Autos zu tun hat? Kompaktklasse ist, wenn Astra, Focus und Co um Kunden kämpfen, und am Ende siegt immer der Golf. Ja, ja, der Golf. Vielleicht hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass auch andere gute Gölfe bauen. Opel zum Beispiel. Der Astra H, 2004 vorgestellt, ist ein richtig gutes Auto. Es gibt ihn als fünftürige Limousine, als Dreitürer namens GTC, als Caravan, als Klappdach-Cabrio Astra TwinTop sowie höchst selten und auch erst seit 2008 mit Stufenheck. Warum den Astra kaufen? Weil der jetzt günstig ist. Mit 1,4 Litern und 90 PS gibt es einen knapp sechs Jahre alten Astra der allerersten Serie schon für 6500 Euro.
Opel Astra H
Die Materialien im Cockpit zeigen auch im Alter kaum Abnutzung.
Dann hat der Opel 100.000 Kilometer runter, aber noch ein langes Leben vor sich. AUTO BILD hat das getestet. Der Astra H war nach dem 100.000-km-Dauertest so gut drauf, dass wir ihn noch mal über die gleiche Distanz schickten. Am Ende des Tests stand dann folgendes Fazit: "Opel scheint wieder auf dem richtigen Weg zu sein." Bei Kilometer 47.094 sorgte ein Plastikstück im zentralen Kupplungsausrücker für einen Liegenbleiber, nach 186.369 km war ein defekter Nockenwellensensor (13,20 Euro) schuld, dass sich der Astra 1.9 CDTI nicht mehr starten ließ. Innen sah man dem Astra die 200.000 km nicht an, Armaturenträger, Teppich und Sitze zeigten kaum Abnutzungserscheinungen. Ein Opel für die Ewigkeit?

Die AUTO BILD Probefahrt

Opel Astra H
Problematisch: undichte Antriebswellenmanschetten und ausgeschlagene Spurstangenköpfe.
So sieht ein Opel der Vernunft aus: Unser Astra H hat einen 1,6-Liter-Benziner mit 105 PS unter der Haube und 68.500 km auf dem Tacho. Die "Elegance"-Ausstattung mit Velourssitzen und Holz-Dekorleisten ("Brasilia") in Instrumententafel und Vordertüren ist Geschmackssache. Wer so was geordert hat, der schreckt auch vor einer Schrankwand in Eiche rustikal nicht zurück. Ansonsten ist alles da, was man braucht: Paket "Cool" mit Klimaanlage und CD-Radio, 16-Zoll-Aluräder, der Lack glänzt in Silbermetallic, sogar eine Anhängekupplung (nachträglich montiert, nicht abnehmbar) ist dabei. Und ein lückenlos geführtes Serviceheft, immer vom gleichen Autohaus.
Gut 21.000 Euro hat der Opel mal gekostet, Dello in Hamburg will 8490 Euro, 840 Euro über EurotaxSchwacke. Fünfeinhalb Jahre hat der Astra auf dem Buckel. Man merkt es nicht. Klappergeräusche, Knarzen? Nichts da, der Astra fühlt sich an wie ein Jahreswagen. Und fährt sich auch so, das Fahrwerk gehört noch immer zum Besten, was es in dieser Klasse gibt, die Lenkung reagiert spontan auf kleinste Impulse. Auch auf der Hebebühne macht dieser Astra Spaß: null Rost, kein Ölverlust, eben werkstattgepflegt. 840 Euro über dem von EurotaxSchwacke ermittelten durchschnittlichen Verkaufspreis – hier sollte noch was gehen. Mit diesem Auto macht man jedenfalls nichts falsch.

Das macht Ärger

Lenkungsspiel: Eigentlich schneidet der Astra im AUTO BILD TÜV-Report 2010 passabel ab. Aber in einem Kapitel gibt’s die Rote Karte: Das Lenkungsspiel ist zu groß, viele Lenkgetriebe zeigen viel zu früh Verschleiß. Unter Ölverlust leiden einige der geprüften Astra H, die Mängelquote ist aber im Vergleich zum Durchschnitt nicht extrem hoch. Ein weiterer Kritikpunkt der TÜV-Prüfer ist der hohe Bremsscheibenverschleiß. Alles keine Macken, die richtig ins Geld gehen. Wenn unter der Haube ein Benziner arbeitet, besteht ohnehin nur ganz selten Anlass zur Sorge. Der 1.6er mit 105 PS zum Beispiel gilt als Dauerläufer, dessen Zahnriemen erst nach zehn Jahren oder 150.000 km gewechselt werden muss.
Opel Astra H
Inkontinent: Der TÜV stellt schon bei der ersten Prüfung erhöhten Ölverlust am Antrieb fest.
Etwas Aufmerksamkeit sollte man den Spurstangenköpfen widmen, die sehr oft ausgeschlagen sind. Wenn die Klimaanlage nicht mehr die gewünschte Wirkung erzielt, kann das zwei Gründe haben: fehlendes Kühlmittel, oder der Klimakompressor hat schlappgemacht. Das passierte im AUTO BILD-Dauertest nach 170.000 km. Kosten: knapp 1800 Euro. Im AUTO BILD-Kummerkasten sind Klagen über ausgeleierte Keilriemen-Spannvorrichtungen bekannt. Und: Augen auf bei Astra-H-Modellen der ersten Serie. Durch einen Montagefehler rissen häufiger die Manschetten der Antriebswellen. Spinnt die Elektronik, kann das an korrodierten Massepunkten liegen. Aber, wie gesagt: Einen richtigen Mängelschwerpunkt gibt es beim Astra H nicht.

Fazit

Warum muss es immer Golf sein? Opel baute mit dem Astra H ein richtig gutes Auto, einen Kompakten, der gebraucht viel günstiger ist als der Wolfsburger Bestseller. Wer ein haltbares Auto zum attraktiven Kurs sucht, sollte aber Folgendes beachten: Viele Astra, vor allem mit Dieselmotor, wurden im Flottenbetrieb heruntergeritten. Daher mein Tipp: Ein Benziner sollte es sein, gern der 1.6er. Schon für 7000 Euro ist der zu haben, die Mängel sind überschaubar. Ein Opel für die Ewigkeit? Zumindest für viele Jahre.