Das klingt nach einer Win-win-Situation: geringere Kosten und dabei mehr Reichweite. Polestar bringt nach dem P2 mit Dual Motor – ein E-Motor an der Vorderachse, einer hinten – jetzt auch eine Variante mit Single Motor, also reinem Frontantrieb ohne den Motor im Heck. Der 78-kWh-Akku ist der gleiche wie im Dual Motor, dort mit 480 km Reichweite. Als Single ermöglicht er mehr, nämlich bis zu 540 Kilometer. 440 Kilometer verspricht die Basis mit 64-kWh-Akku. (Wichtige Tipps für den Neuwagenkauf im Internet)

Der frontangetriebene Polestar verteilt keine Nackenschläge

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Polestar 2 (2021): Test - Connectivity-Check - Elektro - Bedienung - Info

Infotainment-Check im Polestar 2

In Fahrt braucht es gleich mal eine erste Anpassung. Die Rekuperation (max. 100 kW) fällt im Modus Standard sehr stark aus, das gefällt nicht jedem. Wir empfehlen den Modus Gering, der Polestar 2 verzögert damit angenehm zurückhaltend. Eingestellt wird die Rekuperation ausschließlich über das 11,15-Zoll-Touchdisplay. Im Hamburger Großstadtdschungel und auf den umliegenden Autobahnen vermissen wir dann grundsätzlich wenig. Die 231 PS verzichten auf Nackenschlag-ähnliche Beschleunigung, ein flotter Ampelstart und souveräne Überholvorgänge gelingen aber ohne Probleme. Gerade in der Stadt bei geringeren Geschwindigkeiten missfällt der in China gebaute Polestar mit relativ wenig Federungskomfort. Erst auf der Autobahn, bei höherem Tempo, verbessert sich das. Das Handling ist agil, die Lenkung direkt, sie geizt jedoch mit Rückmeldung – typisch Volvo.

Mit der versprochenen Reichweite klappt es nicht ganz

Polestar 2 Long Range Single Motor
Entspannt: Der krasse E-Auto-Punch fehlt, die 231 PS des Frontantriebs-P2 sind aber mehr als genug.
Und der Verbrauch? 540 Kilometer sollten es ja sein, wie gesagt. Bei sommerlichen 20 Grad und flüssigem Verkehr haben wir auf der traditionellen AUTO BILD-Verbrauchsrunde mit je einem Drittel Stadt-, Land- und schnellem Autobahnanteil einen Durchschnittsverbrauch von 19,7 kWh gemessen. Das würde dann einer Reichweite von 395 Kilometern entsprechen. Viel oder wenig? Entscheiden Sie selbst. Im Alltag  lässt sich der P2 kaum etwas zuschulden kommen. Erfüllt aber die Erwartungen an traditionelle Schweden-Tugenden auch nicht komplett. Das Platzangebot etwa fällt eher bescheiden aus – kaum zu glauben, dass der Polestar 2 auf einer reinen E-Plattform steht. Da gibt es normalerweise viel mehr Platz. Doch in der zweiten Reihe kommen sich die Passagiere schon ziemlich nah. Die Kopffreiheit geht aber in Ordnung. Der Kofferraum hinten schluckt 405 bis maximal 1095 Liter. Ein Fach darunter nimmt weitere 41 Liter auf, das Ladeabteil vorn (35 Liter) bietet Platz für die Ladekabel oder andere Kleinigkeiten. Was die Verarbeitung betrifft, fehlt es unserem Vorserien-Exemplar noch ein wenig an Feinschliff.
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Beim Betriebssystem geht Polestar eigene Wege und setzt auf Google. Die Bedienung erfolgt über große Kacheln – die dürfte man kaum verfehlen. Schön: Es gibt noch einen klassischen Drehregler für die Lautstärke, er sitzt unter dem Display, praktisch. Das System braucht zwar kaum Eingewöhnung. Doch, typisch Touchscreen, auch während der Fahrt muss der Blick eben immer auf das Display gerichtet werden. Und damit weg von der Straße.

Als Sonderausstattung sollte das Plus-Paket an Bord sein

Polestar 2 Long Range Single Motor
Der Frontantriebs-P2 mit großem Akku kostet 44.930 Euro. Nehmen Sie das Plus-Paket dazu.
An der Kasse warten die Kollegen von Polestar und bitten um 41.930 Euro für die 64-kWh-Variante. Das Exemplar mit 78-kWh-Akku und 231 PS kostet zusätzliche 3000 Euro. Zum Vergleich: Das Topmodell mit Dual Motor und 408 PS steht ab 47.930 Euro in der Liste. Optionale Ausstattung und Annehmlichkeiten, die den Alltag versüßen, gibt es reichlich, gebündelt in zwei Paketen. "Pilot" und "Plus" kosten 3500 beziehungsweise 4500 Euro und werten den P2 mit Nettigkeiten wie Pixel-LED-Scheinwerfern, Panoramadach, Adaptivtempomat, 360-Grad-Kamera und Premium-Soundsystem auf. Pflichtkauf: das Plus-Paket! Warum? Dazu gehört die Wärmepumpe, die die Abwärme von Batterie und E-Motor für die Klimatisierung nutzt und so kostbare zusätzliche Kilometer ermöglicht. (Unterhaltskosten berechnen? Zum Kfz-Versicherungsvergleich)

Bildergalerie

Polestar 2 Long Range Single Motor
Polestar 2 Long Range Single Motor
Polestar 2 Long Range Single Motor
Kamera
Polestar 2 im Test
12 Bilder Pfeil

Fazit

von

Christoph Richter
Auch mit nur einem Motor überzeugt der P2. Er bietet bei günstigerem Kurs sogar mehr Reichweite als das Modell mit Allradantrieb. Die Fahrleistungen gehen in Ordnung, Platzangebot und Komfort sind jedoch nur Durchschnitt. AUTO BILD-Testnote: 2-

Von

Christoph Richter