Porsche-Cheftester Walter Röhrl steht nicht gerade in dem Ruf, ein großer Fan von Limousinen zu sein. Doch auf den Panamera lässt er nichts kommen. SPORTSCARS-Cheftestfahrer Dierk Möller-Sonntag findet, nur ein Elfer ist ein richtiger Porsche. Beide trafen sich auf der Nürburgring-Nordschleife zum Schlagabtausch. Möller-Sonntag: Mensch Walter, du in so einem Dickschiff? Wirst wohl langsam bequem? Röhrl: Darf ein Porsche nicht bequem sein, wenn er trotzdem sportlich ist? Möller-Sonntag: Sportlich? Was wiegt der denn? Über zwei Tonnen? Wo bleibt da die reine Lehre? Röhrl: Der Panamera Turbo wiegt 1,97 Tonnen. Aber er fühlt sich nicht so an – und vor allem fährt er sich nicht so. Ich wette mit dir: Du im Elfer Turbo, ich im Panamera Turbo, und ich brenn dir auf der Nordschleife zehn Sekunden drauf! Möller-Sonntag: Da halte ich dagegen!

Komfort und Sportlichkeit – der Panamera kann beides

Doch daraus wird vorerst nichts. Zum einen ist der Panamera ein Vorserienauto, zum anderen wird die Nordschleife gerade für das 24-Stunden-Rennen vorbereitet und ist nicht komplett befahrbar. Doch für ein erstes Anschmecken reicht das. Zumal der Panamera als viertüriger Gran Turismo auch mit seinen Komforteigenschaften punkten will. Dafür eignen sich die schmalen Landstraßen in der Eifel rund um die Nordschleife perfekt. "Bei der Entwicklung des Panamera ging es auch darum, die Schere zwischen Komfort und Sportlichkeit weiter zu spreizen, als man das bisher kennt", erklärt Röhrl. "Mein Chef wollte einen Fahrkomfort wie bei einer Limousine, mir war wichtig, dass er sich fährt wie ein 911 Turbo." Dann mal los. Im Panamera-Fond sitzt man in zwei sehr bequemen Einzelsitzen, die Fußfreiheit ist selbst hinter dem 1,96-Mann Walter Röhrl gut, doch der sitzt immer sehr weit vorn. Ein Novum im Panamera ist die Luftfederung (Serie Panamera Turbo), die jeder Feder ein zusätzliches Luftvolumen auf Tastendruck bereitstellt. In Komfortstellung nimmt der Viertürer die teilweise sehr holprigen Eifelstraßen mit der Gelassenheit einer sportlichen Limousine, ohne Seitenneigung und sehr geschmeidig.

Im Windschatten des 911 Turbo

Porsche Panamera 911 Turbo
Nach ein paar Kilometern geht er mit flotter, aber softer Fahrweise in den Sport-Plus-Modus, der das Fahrwerk strafft, die Karosserie absenkt, die Schaltzeiten verkürzt, die Gänge höher ausdreht und die Motorcharakteristik spitzt. "Am Anfang stand ich dem Projekt Panamera skeptisch gegenüber. Ein viersitziger Porsche mit ausgeprägt sportlichen Fähigkeiten, das klang nach Kompromiss. Doch als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal mit dem Panamera über die Nordschleife fuhr, war ich sehr überrascht." Nicht alles fand sofort die Zustimmung des Rallye-Weltmeisters. "An der Lenkung haben wir viel gearbeitet." Zudem: "Ich fahr ja auch nicht ständig Rennen, sondern reise gern entspannt und sparsam." Möller-Sonntag: Soweit das mit dem 500-PS-Biturbo möglich ist. Röhrl: Der Panamera Turbo lässt sich sparsamer fahren als der Turbo-Elfer. Die Technik ist moderner und viel effizienter, es gibt eine Start-Stopp-Automatik und das Doppelkupplungsgetriebe.

Möller-Sonntag: Mag ja alles sein, aber so ein richtiges Porsche-Gefühl, wie es der 911 Turbo vermittelt, will sich bei mir nicht einstellen. Röhrl: Dann lass uns mal ein Stückchen Nordschleife fahren. Ich versuche, dranzubleiben. Dierk gibt dem Turbo die Sporen. Der brüllende Boxer setzt sich ein wenig ab, bleibt aber in Schlagdistanz des Panamera. Mit drei Messingenieuren an Bord bin ich Zeiten knapp über acht Minuten gefahren; die wollten nicht mehr raus aus dem Auto. Allein eine 7:56, und da geht noch einiges. Der Turbo liegt bei etwa 7:45 – aber zwischen dem und jeder anderen sportlichen Limousine liegen Welten.

80 Prozent Eroberungskäufe

Mit dem Panamera sind wir da ein gewaltiges Stück nähergekommen. Und wer soll ihn kaufen? "Wir rechnen mit rund 80 Prozent Eroberungskäufern", so Porsche-Sprecher Eckhard Eybl. Die Stuttgarter kalkulieren, dass die mangelnde Familientauglichkeit potenzielle 911-Käufer abgeschreckt hat. Die finden im Panamera jetzt das, was sie suchen: einen Porsche mit vier vollwertigen Sitzen und gutem Fahrkomfort bei hohem Sportpotenzial. Gegen Zuzahlung von 3558 Euro sorgen zwei Sieben-Zoll-Monitore in den Rückenlehnen der Vordersitze für Unterhaltung auf langen Reisen.
Das für 4748 Euro angebotene 1000-Watt-Highend-System ist zudem die günstigste Möglichkeit, sich von der Technik des Edelherstellers Burmester beschallen zu lassen. Zwar liegen die Preise mit 94 575 Euro für den Panamera S mit manuellem Sechsganggetriebe, Stahlfederung, Heckantrieb und 400 PS nicht in den erwartet schwindelerregenden Höhen, gemessen am schwer zu definierenden Konkurrenzumfeld. Möller-Sonntag: Tja Walter … Bei deiner Begeisterung sieht es ganz so aus, als würdest du deinen Dienst-911-Turbo bald gegen einen Panamera eintauschen. Röhrl: Das ist ein sehr verlockendes Auto. Aber für die Familie brauch ich ihn nicht, weil wir eigentlich nur zu zweit unterwegs sind. Und außerdem: So bequem brauch ich's gar nett. Dafür fühl ich mich einfach noch ein bisschen zu jung.
Fazit Dierk Möller-Sonntag: Zugegeben, das Potenzial des Panamera Turbo ist schon beachtlich. Aber der 911 Turbo ist sportlich ein ganz anderes Kaliber. Walter Röhrl meint: Der Panamera Turbo ist näher am 911 Turbo als jede andere Sportlimousine. Er macht Spaß auf der Nordschleife und pfeilt über die Autobahn wie ein ICE.