Mit großen Vorbehalten musste der Renault Mégane TCe 130 GT-Line wirklich nicht kämpfen, als er am 7. Oktober 2016 den Dauertest bei AUTO BILD antrat. Dafür sah er einfach zu gut aus. 18-Zoll-Felgen und tiefes Gletscher-blau außen, schicke Sportsitze innen. Dazu eine Leuchtensignatur hinten, die "immer wieder schön anzusehen ist", wie Kollege Stephan Puls im Bordbuch schwärmt. Überhaupt ist die Erwartungshaltung groß. Kann Renault nach der Dauertest-Bauchlandung mit dem Clio verloren gegangenen Boden gutmachen? Zumindest beim Wohlfühlfaktor sollte das angesichts des kompletten GT-Line-Ornats eigentlich kein Problem sein. Immerhin stehen mit großem Navi, Abstandsradar, Automatik und 132 Turbo-PS für die nächste Langstrecke alle Ampeln auf Grün, oder?
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Das Navi verbreitet eifrig Falschmeldungen

Renault Mégane
Intuitive Bedienung? Bloß nicht, ein Berührbildschirm sieht einfach schöner aus. Form geht bei Renault immer einen Hauch vor Funktion.
Im Prinzip ja, allerdings zeigen die ersten Einträge im Bordbuch, dass die Bedienung des R-Link-Systems, sagen wir mal, Luft für ein Facelift hat. Die etwas wirre Menüstruktur lässt zumindest Kollegen verzweifelt zurück, die das erste Mal im Renault fahren. "Der Wechsel der Ambiente-Beleuchtung gelingt leichter als das Hin-und-Herswitchen zwischen Navigation und Sendersuchlauf", so Kollege Martin Puthz. Verpasst hat der in den Wirren des Computers untergegangene Kollege dabei nicht viel. Der Radioempfang bleibt trotz üppiger Dachantenne, die vor jedem Waschen mühsam abgeschraubt werden will und Erinnerungen an den seligen R 19 weckt, mittelprächtig. Egal ob FM oder DAB: Sender werden nicht gehalten oder von vornherein nicht gefunden. Rauschen oder sekundenlange Aussetzer sind die Regel. Unterbrochen wird der Empfang auch zu oft vom nervösen Navi, das selbst nachts in den entlegensten Ecken der Republik noch einen "Stau voraus" vermutet und sofort eifrig an Umleitungen über die nächsten Feldwege bastelt. Besser kamen Bluetoothkopplung und -telefonie an, die bis zum Schluss klaglos funktionierten. Mehr als Kleinigkeiten – aber es geht bei unserem Dauertest um die Langzeitqualität. Und hier konnte der Renault punkten.
Überblick: Alles zum Renault Mégane

Ab Tempo 140 schaltet die Doppelkupplung nicht mehr zurück

Renault Mégane
Klare Ansage: 69 Prozent aller Mégane fahren auf Super ab. Nur 31 Prozent tanken Diesel.
Da ist zunächst der Motor. Der getestete 1,2-Liter mit 132 PS (er wurde 2018 von einem neuen 1,3-Liter mit 140 PS ersetzt) arbeitet angenehm kultiviert und kraftvoll. Weil er bei den Fahrleistungen die Werksangaben deutlich übertrifft, geht auch der Durchschnittsverbrauch von 8,8 Litern über die gesamte Testdistanz in Ordnung. Vor allem weil sich der Mégane, etwas beherrschter bewegt, auch mit einer Sechs vor dem Komma zufriedengibt. Kleine Abzüge gibt es nur auf der Autobahn, wo sich eine typische Schwäche kleiner Downsizing-Turbos herauskristallisiert: Untenrum spritzig, wird die Luft oberhalb von Tempo 150 dünn. Die Hauptschuld an der Laufschwäche trägt allerdings das optionale Doppelkupplungsgetriebe. Ab Tempo 140 schaltet es partout nicht mehr zurück. Schuld ist die CO2-optimierte Programmierung. Wenn das aber in der Praxis dazu führt, dass ambitionierte Fahrer von 150 erst auf 138 km/h runterbremsen, um dann mit Kickdown voll durchzuziehen, ist nicht viel gewonnen. Die Automatik bietet, abgesehen vom etwas ruppigen Anfahrverhalten (wie nahezu alle Doppelkupplungen) und von der Vorliebe für niedrige Gänge in der Stadt, nicht viele Reibungspunkte. Die Abstufung der sieben Gänge passt, über die gesamte Testdistanz muckt sie trotz mitunter harter Beanspruchung nicht, glänzt auch bei der Zerlegung mit einem einwandfreien Verschleißbild.

Die bequemen Sitze ernten viel Lob

Gut rübergekommen
Wer es über die hohe Wange in den Sitz geschafft hat, freut sich über festen Seitenhalt und hohen Langstreckenkomfort.
Das Gleiche gilt für das bequeme und langstreckentaugliche Gestühl. "Definitiv der bequemste Sportsitz, in dem ich je gesessen habe", schwärmt Olaf Leichert nach einer langen Dienstreise. Wer es über die hohe Wange in den Sitz geschafft hat, freut sich über festen Seitenhalt und hohen Langstreckenkomfort. Auf Dauer. Dank der hochwertigen und soliden Stoffbespannung bewahrten die Sitze ihren festen Charakter, trotz vieler unterschiedlicher Fahrer, bis zum Schluss. Gibt's sonst nichts zu meckern? Nicht an der Qualität. Einzig die etwas gefühllose Lenkung in Kombination mit dem recht harten Fahrwerk der GT-Ausstattung stört den ein oder anderen Dynamiker. Auch der schlecht platzierte Ölpeilstab nervt. Immerhin musste er nicht oft bemüht werden, über die gesamte Testdistanz verbrauchte der Mégane gerade mal einen Liter Schmierstoff.
Mehr zum Thema: Die Dauertest-Rangliste mit allen Testergebnissen!

Kein Perfektionist, aber eine hübsche Alternative zum Golf

Arrangieren mussten sich alle Fahrer mit einigen digitalen Unzulänglichkeiten, die wir einfach mal unter französischer Spielerei verbuchen. Der Sportsound aus den Lautsprechern klingt so künstlich, dass ihn niemand mehr eingeschaltet hat. Und die quälend nervige Piepserei der Einparkhilfe haben wir mit einem Seufzen hingenommen. Kritik gibt's auch für die Entriegelung der Motorhaube, an deren Linkshänder-Mechanismus einige Kollegen verzweifelten, wenn sie versehentlich mal wieder den ganzen Hebel in der Hand hielten. Doch der ließ sich ebenso einfach wieder einclipsen, wie es dem Auto insgesamt gelang, sich über die ganze Zeit mehr und mehr Respekt bei den Kollegen zu verdienen. Unterm Strich bleibt das Bild eines schicken, soliden und angenehmen Reisebegleiters. Kein Perfektionist, aber doch eine hübsche Alternative zu Golf und Co. mit Langzeitqualitäten. Am Ende fasst es Kollege Frank B. Meyer so zusammen: "Der Mégane ist verlässlich – und hat, mindestens genauso wichtig, eine Menge Charakter." Anders gesagt: Der ist gut rübergekommen.

Bildergalerie

Renault Mégane TCe 130 GT-Line im Dauertest
Renault Mégane TCe 130 GT-Line im Dauertest
Renault Mégane TCe 130 GT-Line im Dauertest
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Renault Mégane TCe 130 GT-Line im Dauertest

Fazit

von

Manfred Klangwald
Für teutonische Perfektionisten sind Autos wie der Renault Mégane eine harte Probe. Zu verwirrend ist die Bedienung, zu inkonsequent das Fahrverhalten. Einigkeit herrscht dagegen bei der Qualität. Keine Ausfälle, nur 13 Fehlerpunkte überzeugen Zweifler ebenso wie das positive Bild nach der Zerlegung. Kein Wunder, dass er bei Renault weiterrollen soll. Note: 2