Bilder Renault Trafic SpaceClass (2019)

Renault Trafic SpaceClass (2019): Test, Preis, Motoren, Innenraum

Es muss nicht immer Bulli sein

Neben dem VW Transporter nimmt der überarbeitete Renault Trafic SpaceClass Konkurrenten wie den Opel Zafira Life und die Mercedes V-Klasse ins Visier. Die Argumente: schickere Optik, mehr Assistenten und neue Motoren.
Der Renault Trafic steht in Deutschland seit jeher im Schatten des übermächtigen VW Bus. Doch er ist eine unterschätzte Größe: Immerhin wurden von dem französischen Kleintransporter seit 1980 mehr als zwei Millionen Exemplare verkauft. Mit dem Facelift wurde jetzt auch der Passagier-Kleinbus SpaceClass überarbeitet. Bei der Variabilität braucht sich die Großraum-Limousine schon mal nicht vor der Konkurrenz verstecken: Bis zu neun Passagiere haben Platz, die Sitzbänke in der zweiten und dritten Reihe sind auf Schienen montiert, daher längs verschiebbar und lassen sich herausnehmen. Die Sitzneigung ist in fünf Stufen verstellbar.

Design und Ausstattung: Näher an der Pkw-Modelle

Mit dem Facelift steigt die Leuchtstärke der Scheinwerfer deutlich an.

Mit dem Facelift soll der Trafic weg vom reinen rustikalen Blaumann-Image und zum Alleskönner mit entsprechender Technik werden. Das fängt schon beim leicht veränderten Aussehen an. Der überarbeitete Renault Trafic hat das Voll-LED-Licht sowie das C-förmige Tagfahrlicht vom Renault Clio übernommen. Diese Veränderungen machen das Antlitz nicht nur schicker, sondern haben auch einen handfesten praktischen Nutzen: Dadurch steigt die Leuchtstärke beim Abblendlicht um 34 Prozent und beim Fernlicht um 50 Prozent. Damit hört die Transformation des Nutzfahrzeugs nicht auf. Die Technik hält, was die Optik verspricht. Das kommt vor allem dem Trafic SpaceClass zugute, mit dem Renault Konkurrenten wie den VW T6 und dem Opel Zafira Life Käufer abjagen will.

Der Innenraum ähnelt stark dem der vorherigen Clio-Generation.

Das Cockpit mit dem sieben Zoll Infotainment-Bildschirm, dem neuen Schaltknauf des Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebes ist sehr eng an das der Pkw angelehnt. Deswegen ist jetzt auch die Einbindung des Smartphones via Apple CarPlay oder Android Auto möglich und Renault R-Link sorgt für die Vernetzung. Eine Rückfahrkamera und der Weitwinkel-Innenrückspiegel in der Sonnenblende auf der Beifahrerseite helfen beim Rangieren. Ein Tempomat entspannt bei langen Autobahnetappen.

Motoren: Alle Diesel wurden überarbeitet

Mit der Modellpflege halten beim Renault Trafic auch aktuelle Diesel-Triebwerke Einzug. Neben dem bekannten 1,6-Liter-Aggregat (dCi 95) mit 95 PS kommen beim Transporter die drei neuen 2,0-Liter-Turbodieselmotoren zum Einsatz, die bis zu 25 PS mehr Leistung und 40 Newtonmeter mehr Drehmoment als die bisherigen 1,6-Liter-Aggregate bieten. Beim getesteten Top-Motor mit 170 PS bedeutet das: von 0 auf 100 in 11,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 174 km/h. Der Norm-Durchschnittsverbrauch beträgt 6,3 Liter pro 100 Kilometer. Per Eco-Mode-Taste lässt sich der Spritverbrauch weiter reduzieren: Neben der Motorleistung und das maximale Drehmoment (380 Newtonmeter) wird auch die serienmäßige Klimaautomatik zurückgefahren.

Fahren und Preis: Am Berg wirkt er schwachbrüstig

Auf Landstraßen macht der Bulli-Gegner so richtig Spaß. Der Zweiliter-Selbstzünder rasselt vor sich hin und lässt Schiffsdiesel-Gefühl durchschimmern, sodass man sich am Steuer fühlt, wie ein Kapitän der Landstraße: Dank der erhöhten Sitzposition sowie den großen tiefheruntergezogenen Scheiben hat man alles im Blick und mit dem 170 Diesel geht es flott voran. Da kommt das von den Renault-Verantwortlichen so oft zitierte Pkw-Fahrgefühl auf. An Steigungen müht sich der Kleinbus dagegen etwas und das Triebwerk meldet sich lauter zu Wort. Auch das sonst unauffällig agierende Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe kann diese Durchzugsschwäche nicht kaschieren.

Bei Fahrbahnunebenheiten fängt das Interieur an manchen Stellen an zu knarzen.

Bei schlechten Straßen ließ das sonst solide wirkende Testfahrzeug ein paar Verarbeitungsmängel erkennen – denn das Interieur knackte und knarzte beim Überfahren von Bodenunebenheiten. Der Hartplastik-Anteil ist groß, aber da kochen andere auch nur mit Wasser. Hilfreich sind die Nutzfahrzeugs-Gene, wenn es um das Verstauen der Utensilien geht. Es gibt kaum eine Ecke des Cockpits, wo man nicht eine Ablagemöglichkeit findet, das reicht von der Sonnbrille bis große Trinkflaschen. Das Gestühl und damit auch die Sitzposition des Fahrers ist ebenfalls verbessert, man sitzt jetzt weniger aufrecht und daher bequemer als bisher. Lange Etappen haben so etwas von einem Fernsehabend auf dem Sofa. Allerdings hat der mit mindestens 53.097 Euro auch seinen Preis.

Bilder Renault Trafic SpaceClass (2019)

Autor: Wolfgang Gomoll

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