Das war ein Schlag ins Kontor: Der Renault Zoe fiel jüngst beim Euro NCAP-Crashtest durch. Ausgerechnet der charmante Vorreiter der E-Mobilität bekam im aktuellen Test keinen Stern (siehe unten). Das ist in zweierlei Hinsicht erschreckend, denn zum einen betrübt es mich als Markenfan. Zum anderen weckt es vordergründig Zweifel an der Sicherheit des Fahrzeugs. Verwunderlich: Bei seinem Debüt ­bekam der Zoe 2013 noch die volle Punktzahl von fünf Sternen. Und nun fällt das überarbeitete Modell durch, wie das? Und ist das Urteil eigentlich fair?

So bewertete Euro NCAP den Renault Zoe

Renault Zoe floppt bei Euro NCAP

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Der Renault Zoe, Elektro-Liebling der Deutschen, bekam 2021 beim Euro-NCAP-Crashtest null Sterne. Vor acht Jahren gab’s mit fünf Sternen noch die volle Punktzahl. Den Flop des Renault Zoe begründet die renommierte Testorganisation unter ­anderem wegen der Veränderung eines Airbags beim aktuellen Modell und fehlender Assistenten in der Basisversion. Beim Übergang des Konzerns zur E-Mobilität habe die Sicherheit gelitten, so die Prüfer. Renault entgegnete, der Zoe sei ein sicheres Fahrzeug, das alle gesetz­lichen Sicherheitsanforderungen erfülle.

Seitenairbags und fehlende Assistenten gaben den Ausschlag

Euro NCAP strafte den aktuellen Zoe dafür ab, dass ihm beim Facelift die in den Sitz inte­grierten Seitenairbags gestrichen wurden, Brustairbags müssen reichen. Auch änderte die Prüforganisation 2020 die Testprozedur, bewertet seitdem die Assistenzkompetenz. Im Klartext: Assistenten zur Unfallvermeidung ­erhöhen die Punktzahl, ihr Fehlen in der Basisversion des Autos führt zur Abwertung. Beides zog den Zoe nach unten. Einerseits verständlich: Die Testorganisation trägt dem Umstand Rechnung, dass Autos immer klüger sein können. Branchenweit statten die Hersteller ihre Fahrzeuge mit immer mehr Assistenten aus. Immer ausgefeiltere Sensoren überwachen die Fahrt. Die Fähigkeit der Autos, Unfälle zu vermeiden, hat sich weiterentwickelt. So erhöhen maximal ausgestattete, teure Autos das Sicherheitsniveau insgesamt. Nun blieb der Zoe in der Basis bezahlbar. Man kann ihn mit weiteren Assistenten ordern, muss es aber nicht. Wer nun ein günstiges Auto ohne die maximal verfügbare Sicherheitsausstattung ordert, bekommt von Euro NCAP die Quittung. Doch: Sollte man nicht dem Käufer die Entscheidung über Sicherheitstechnik überlassen?
Hinweis
Renault Zoe bei Carwow.de   
Das hört sich an wie eine müde Entschuldigung für das Null-Sterne-Mobil, immerhin das drittbeliebteste E-Auto in Europa. Ist es aber nicht. Denn ich finde, man muss Sicherheit immer im Bezug zum Kaufpreis sehen. Denn der Kunde wird meiner Ansicht nach ein Stück weit entmündigt, wenn er nur fertig konfigurierte Fahrzeuge bekommt. Nun trägt der günstige Zoe zur Elektrifizierung der Autoflotte in Deutschland bei. Dass der Wagen im achten Produktionsjahr nicht mit dem neuen BMW iX für 100.000 Euro mithält? Geschenkt. Was mir zu denken gibt: Der Fiat 500e hat in der gleichen Testrunde vier Sterne ergattert. Grund zum Nachdenken, auch in Paris, wie man hört. So plant Renault bereits um. Der in der Basis fehlende Notbremsassistent gehört ab Frühjahr 2022 beim Zoe zur Serienausstattung. Damit kämen dann auch die Sterne zurück …