Nie war das Tanken teurer in Deutschland, zumindest beim Benzin. Im August 2026 kostete ein Liter Super E10 bundesweit durchschnittlich 2,145 Euro. Das ist laut ADAC der höchste bislang berechnete Monatsdurchschnitt. Gegenüber Juli verteuerte sich E10 um knapp fünf Cent.
Noch heftiger traf es Dieselfahrer: Der Kraftstoff legte um fast 13 Cent auf durchschnittlich 2,223 Euro zu. Nur der Rekordpreis vom April 2026 lag mit 2,263 Euro/Liter noch höher.

Spritpreis Tagespreisentwicklung

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Durchschnittspreise in den 100 größten Städten Deutschlands. Diese Daten sind ohne Gewähr.

AKTUELLE PREISE
Für kurze Zeit stieg der Literpreis für Super am 2. September im bundesweiten Schnitt auf 2,215 Euro, womit der bisherige Rekord von 2,203 Euro vom März 2022 übertroffen wurde. Allerdings ist das nur ein nominaler Rekord, kein inflationsbereinigter. Berücksichtigt man die Inflation, war Benzin beispielsweise 2012 schon teurer.

Warum der Ölpreis allein den Rekord nicht erklärt

Normalerweise gilt: Wird Rohöl teurer, steigen früher oder später auch die Preise an der Tankstelle. Doch dieser Zusammenhang erklärt den aktuellen Benzinrekord nur zum Teil. Denn im April kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zeitweise deutlich mehr als 100 US-Dollar. Trotzdem lag Super E10 im Monatsmittel im April mit 2,109 Euro unter dem August-Wert.
Noch interessanter: Anfang August kostete Rohöl Brent zeitweise nur etwa 79 Dollar je Barrel. Woher kommt der jüngste Preisauftrieb? Der ADAC hält das aktuelle Preisniveau deshalb nicht allein durch die Rohölentwicklung für erklärbar. Bereits Ende Juli hatte der Automobilclub gefordert, Raffinerie- und Großhandelspreise genauer unter die Lupe zu nehmen.
Tankstellentafel mit Diesel- und Benzinpreis in Hamburg-Osdorf, 13. Juni 2025
Ein Bild vor dem massiven Anstieg des Ölpreises: 1,49 Euro für Diesel und 1,62 Euro für den Liter Benzin waren der Stand am 13. Juni 2025, 9:50 Uhr.
Bild: Matthias Brügge/AUTO BILD

Wie der Iran-Krieg den Ölpreis treibt

Ein zentraler Preistreiber bleibt die Lage im Nahen Osten. Durch die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman floss vor dem Iran-Krieg ungefähr ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung. Die Route ist inzwischen zwar nicht vollständig gesperrt, der Schiffsverkehr aber weiterhin stark eingeschränkt. Viele Reedereien meiden die Meerenge aus Sicherheitsgründen, immer wieder werden Frachter und Tanker beschossen.
Dieser Engpass trifft auch Deutschland, obwohl vergleichsweise wenig Rohöl direkt aus der Golfregion importiert wird. Aber der Preis wird durch weltweiten Handel bestimmt. Fehlen Mengen aus dem Nahen Osten, suchen große Abnehmer wie China und Indien Ersatz auf anderen Märkten – und konkurrieren dort mit Händlern aus Europa. Zusätzlich sorgt die politische Unsicherheit rund um Iran und die USA für einen Risikoaufschlag beim Ölpreis, denn schon mehrfach hat US-Präsident Donald Trump den Irankrieg für beendet erklärt, um die US-Streitkräfte doch wieder angreifen zu lassen. Ein Ende der Kampfhandlungen ist nicht in Sicht.

Welche Rolle der Dollarkurs beim Spritpreis spielt

Rohöl wird überwiegend in US-Dollar gehandelt, daher spielt der Wechselkurs zu anderen Währungen immer eine Rolle. Notiert der US-Dollar gegenüber dem Euro fester, verteuert sich Rohöl für europäische Käufer selbst dann, wenn der eigentliche Ölpreis kaum steigt. Ein starker Euro kann umgekehrt einen Ölpreisanstieg teilweise ausgleichen. Aktuell notiert der Euro stark zum US-Dollar – weshalb der Spritpreis eigentlich tiefer stehen sollte.
Zwischen Ölquelle und Zapfsäule liegen allerdings noch weitere Kosten. Das Rohöl muss transportiert und in Raffinerien verarbeitet werden, anschließend folgen Großhandel, Transport zur Tankstelle und Vertrieb. Und genau hier sieht der ADAC derzeit einen Teil des Problems: Sinkende Rohölpreise werden nach Ansicht des Automobilclubs nicht immer im gleichen Maß an die Autofahrer weitergegeben.

Warum Diesel besonders teuer ist

Benzin und Diesel entstehen zwar aus demselben Ausgangsstoff, ihre Preise können sich trotzdem sehr unterschiedlich entwickeln. Der Grund: Raffinerien stellen aus Rohöl verschiedene Produkte her – neben Benzin und Diesel etwa Heizöl und Kerosin für den Luftverkehr.
Spritpreise auf Spritpreistafel: Tanken am 22. August 2024, 18.40 Uhr Benzin und Diesel in Hamburg-Osdorf
Gegenüber diesem Bild vom Mitte 2024 ist Diesel rund ein Drittel teurer
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Derzeit ist vor allem Diesel auf dem Weltmarkt knapp. Die Nachfrage nach sogenannten Mitteldestillaten trifft auf eingeschränkte Raffineriekapazitäten und geringere Exporte wichtiger Lieferländer. Die Raffinerien in Russland werden von der Ukraine angegriffen. Zudem wird russisches Öl stark im Handel beschränkt. Deutschland ist außerdem stärker auf Dieselimporte angewiesen als andere Länder. Das erklärt, weshalb sich Diesel im August mit einem Plus von fast 13 Cent wesentlich stärker verteuert hat als Benzin.
Das erklärt noch nicht den aktuell höheren Preis des Selbstzündkraftstoffs gegenüber Benzin: Denn Diesel genießt einen Steuervorteil gegenüber Ottokraftstoff von rund 18,4 Cent/Liter – die Energiesteuer auf Benzin liegt bei 65,45 Cent, auf Diesel bei 47,04 Cent pro Liter. Dazu kommen CO₂-Preis und Mehrwertsteuer. Im Juli bestanden nach Berechnungen des ADAC rund 57 Prozent des Benzinpreises und etwa 47 Prozent des Dieselpreises aus Steuern und Abgaben.

Warum selbst der Wasserstand des Rheins eine Rolle spielt

Im August spielte ein weiterer Faktor eine Rolle: das Niedrigwasser am Rhein. Tankschiffe konnten teilweise weniger Kraftstoff transportieren, wodurch die Transportkosten stiegen. Besonders in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz machte sich das bemerkbar. Zwischen den Bundesländern lagen Mitte August bis zu acht Cent Preisunterschied pro Liter.

Wann wird Benzin wieder günstiger?

Eine zuverlässige Prognose dazu ist kaum möglich, weil noch weitere Faktoren beim Spritpreis eine Rolle spielen – hier eine weitere Analyse, welche das sind. Der größte Hebel bleibt der Nahe Osten. Entspannt sich der Konflikt und kann Öl wieder problemlos durch die Straße von Hormus transportiert werden, könnte ein Teil des Risikoaufschlags aus dem Ölpreis verschwinden.
Ein niedrigerer Rohölpreis allein garantiert keinen günstigen Preis an der Zapfsäule. Auch Raffineriepreise, Großhandel, Wechselkurs, Transportkosten und nicht zuletzt der Wettbewerb zwischen den Tankstellen bestimmen, wie viel der Autofahrer tatsächlich bezahlt. Es ist vor allem ein außenpolitisch bedingter Preis. Der für das erneuerbare Klimabenzin schwankt aktuell nicht.
Angesichts hoher Energiekosten steigen einige Autofahrer um aufs E-Auto, auch wegen der größeren Berechenbarkeit der Preisentwicklung beim Strom.
Der Benzinpreis erreicht einen Höchststand, nominell und im Monatsmittel. Ob der Spritpreis wieder sinkt? Die politische Lage spricht aktuell nicht dafür. Die Welt ist mit einem US-Präsidenten Donald Trump unberechenbarer und mit einem kriegerischen Autokraten Wladimir Putin unsicherer geworden. Das schlägt sich auch im Spritpreis nieder. Unsichere Zeiten treiben die Preise.