Pannenursache Nr. 1 im Auto: Starterbatterie
Neue Natrium-Technik: Hat die Batterie-Panne bald ein Ende?

Die Pannenursache Nr. 1 bei Autos könnte bald der Vergangenheit angehören: Ein chinesischer Batteriehersteller hat die 12-Volt-Starterbatterie weiterentwickelt. AUTO BILD erklärt, welche Vorteile den neuen Energiespeicher auszeichnen.
Bild: DPA
- Raphael Schuderer
Die 12-Volt-Starterbatterie ist eine feste Größe im jährlichen ADAC-Pannenreport. Laut des Automobilclubs waren im Jahr 2025 45,4 Prozent der Pannenhilfeeinsätze auf eine leere Batterie zurückzuführen – bei Verbrennern etwa doppelt so häufig wie bei Elektroautos.
Das chinesische Unternehmen Xupai hat nun laut dem Nachrichtenportal heise.de eine Technologie entwickelt, die viele Nachteile der bisherigen Blei-Säure-Starterbatterien vergessen machen soll: eine 12‑Volt-Batterie auf Natrium-Ionen-Basis.
Zusätzlich sollen auch Energiespeicher mit 24‑ und 48-Volt angeboten werden, um neben einem Einsatz als Starterbatterie auch eine Nutzung in Start-Stopp-Systemen und Mildhybriden zu ermöglichen. Die bisherige Alternative zum Blei-Säure-Akku sind Starterbatterien mit Lithium-Ionen-Technik. Diese sind zwar leichter und zuverlässiger als herkömmliche Starterbatterien, allerdings auch wesentlich teurer.
Die Vorteile von Natrium-Ionen gegenüber einer Blei-Säure-Batterie:
➤ Natrium-Batterien verfügen über eine höhere Energiedichte. Es lässt sich also bei gleichem Gewicht mehr Strom speichern. Während eine Blei-Säure-Batterie pro Kilogramm ungefähr 30 bis 40 Wattstunden speichert, liegt dieser Wert bei den Natrium-Zellen zwischen 80 und 110 Wattstunden, wie der deutsche Ingenieursdienstleister IAV (Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr) nach einem Test bestätigte. Die höhere Energiedichte führt natürlich auch zu einem Gewichtsvorteil.
➤ Dazu beschreibt Xupai die neuen Batterien auch als deutlich zyklenfester. Bedeutet: Sie können öfter geladen werden. Eine Blei-Säure-Batterie kommt auf etwa 200 bis 400 Zyklen bei hoher Entladetiefe, für die Natrium-Alternative werden vom Hersteller mehr als 3000 Zyklen angegeben. Eine Start-Stopp-Variante soll sogar mehr als 180.000 Zyklen schaffen.

Die Natrium-Ionen-Batterien sehen aus wie herkömmliche Starterbatterien – aber die Zellchemie macht den Unterschied.
Bild: Xupai Energy
➤ Auch bei der Sicherheit punktet die Natrium-Batterie: Gegenüber Blei-Säure-Batterien sollen die Gefahren durch Schwefelsäure, Korrosion und Knallgasbildung bei Überladung entfallen. Im Vergleich zu Lithium-Akkus droht kein thermisches Durchgehen ("thermal runaway"). So wird die Brand-Kettenreaktion bezeichnet, bei der Akkus nur schwer zu löschen sind und sich auch immer wieder selbst entzünden können.
➤ Im Gegensatz zu Lithium-Batterien funktionieren die Natrium-Ionen-Batterien laut Hersteller in einem Temperaturbereich von minus 40 bis plus 80 Grad Celsius und sollen leistungsfähiger bei Kälte sein. Zudem seien für Natrium-Batterien weniger problematische Rohstoffe nötig als für die Lithium-Konkurrenten.
Natrium-Batterien bereits in Arcfox-Fahrzeugen
Die neuen Natrium-Batterien von Xupai werden mittlerweile in China in großen Stückzahlen produziert. Elektroautos der BAIC-Marke Arcfox (bisher nicht auf dem deutschen Markt) werden komplett mit Starterbatterien von Xupai ausgerüstet. Arcfox hat im Jahr 2025 rund 163.000 Fahrzeuge in China verkauft.
Preise für die neuen Batterien wurden allerdings noch nicht genannt. Sie sollen zwar günstiger als Lithium-Starterbatterien, aber teurer als Blei-Säure-Stromspeicher sein.

Natrium-Ionen-Batterien werden vom Hersteller Xupai für die Auslieferung verladen.
Bild: Xupai Energy
Ein anderer chinesischer Batteriehersteller, die Camel Group, setzt ebenfalls auf Natrium-Ionen-Starterbatterien und meldete Ende August 2026, dass ihre Energiespeicher von einem großen europäischen Hersteller für ein Vorentwicklungsprojekt ausgewählt wurden.
Es ist also damit zu rechnen, dass die neuartigen Starterbatterien auch bald in europäischen Automodellen Verwendung finden. Werkstätten müssten sich dann auf die neue Technik einstellen. Dazu seien Änderungen an den Batterie-Diagnosegeräten notwendig. Ladegeräte müssten ebenfalls an die neue Akkuchemie angepasst werden.
Natrium-Ionen-Chemie auch im Traktionsakku denkbar
Ob die Technik die klassische Starterbatterie verdrängen kann, hänge laut Experten von Kostenentwicklung, einer möglichen Standardisierung und der Gesetzgebung ab. Für europäische Neufahrzeuge soll ein Marktanteil von über 50 Prozent im Zeitraum 2030 bis 2035 realistisch sein. Wegen der niedrigeren Kosten dürften aber auch die Blei-Säure-Batterien weiterhin eine Rolle spielen.
Langfristig soll die Natrium-Chemie von Xupai auch für die Antriebsbatterien von Fahrzeugen infrage kommen. Der weltgrößte Akkuhersteller CATL rüstet bereits das Großserienmodell Changan Nevo A06 mit Natrium-Ionen-Traktionsakkus aus.
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