Studie Faurecia Premium Attitude
Wirklich gutes Design ist zeitlos

Ein Konzeptauto für die inneren Werte: Der Zulieferer Faurecia zeigt einen Tatra 603, ein fast vergessenes Nobelauto, mit neuem Namen und Innenleben. Ziel der Designer ist es, sich als Premium-Ausstatter einen Namen zu machen.
Verrückte Zeiten: Eine engagierte Designertruppe holt eine seit Jahrzehnten vergessene Luxuslimousine aus der automobilen Mottenkiste, hübscht sie auf und zeigt das frisch kreierte Monster stolz den Medien. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die automobile Öffentlichkeit überschlägt sich vor Begeisterung. Nur: Natürlich transportiert dieses Design-ConceptCar nichts und niemanden, außer den Selbstdarstellungsabsichten seiner Schöpfer. Es hat keinen Motor, bleibt ein Unikat und wird in Kürze wieder dahin geschoben, wo es her kam: ins Museum. Das Auto wird immer mehr zum Retromobil: Der Trend begann vor ein paar Jahren mit rollenden Zitaten der goldenen Zeiten beginnender Massenmobilität – die Kugelform des New Beetle machte uns weiß, er hätte etwas mit dem guten, alten Käfer gemein. Der Chrysler PT Cruiser, der neue Mini, der Fiat 500 und zuletzt der neue 3er BMW flirteten mit den unerreichbaren Formen der Vergangenheit.
Tatra hat Idealmaß
Nun schaltet Faurecia, einer der größten Autozulieferer der Welt, noch einen Gang höher: Die Ausstatter von Modellen wie dem BMW X5 oder der Mercedes S-Klasse zeigen ihre Designkünste gleich in einem alten Auto, das äußerlich nur mit ein paar Blenden auf neu umgemodelt wurde. Überdies handelt es sich um ein Fabrikat, das bereits Geschichte ist: Tatra. Der 607 wurde in den 60-er Jahren gebaut, um tschechoslowakische Bonzen zum nächsten Parteitag zu kutschieren. Privatpersonen konnten die einstige Luxuslimousine, die ein Achtzylinder mit erst 95, später 105 PS auf bis zu 165 km/h antrieb, nicht erwerben. Kaum 20.000 Stück wurden produziert. Doch Faurecia, ein internationaler Konzern, der sich vor allem in der Herstellung von Autositzen und Innenausstattungen einen Namen gemacht hat, fand den Saurier vor allem wegen seiner Abmessungen interessant: Rund fünf Meter lang ist der Tatra, und 1,895 Meter breit. Da passt viel hinein, was die Ideenschmiede glänzen lässt.
Klassik trifft High-Tech

Eine durchgearbeitete Nacht später ist die Animation schon fertig: unter dem alten Blech, mit ein paar Blenden notdürftig an Windkanal-Erfordernisse und den Zeitgeschmack der Gegenwart angepasst, erstreckt sich Mobiliar vom Feinsten, und das hübsche Paar fällt sich selig vor Glück um den Hals. Eben alles "Premium", und darum geht es Faurecia: sich als Hersteller von hochklassigem Equipment zu platzieren. "Während der Automarkt in vielen Ländern stagniert oder sogar sinkt, ist der Bereich der Premium-Fahrzeuge eines der am stärksten wachsenden Marktsegmente weltweit", hieß es auf der Präsentation. Und bei Premium-Modellen wie dem Mini, dem Renault Laguna oder anderen ist Faurecia dabei mit seinem exklusivem Innenraumdesign, hochwertigen Materialien und ausgeklügelten Komfort-Ideen.
Edles Gehölz
Damit keine Missverständnisse entstehen, liefert Faurecia die Definition gleich mit: "Premium, das ist guter Geschmack, schönes Design, hochwertige Materialien, erstklassiges handwerkliches Können und hohe Qualitätsanmutung." Das müsse aber nicht teuer sein. Wie viel Geld die Projektteams in "Premium Attitude" gesteckt haben, bleibt unbekannt – doch bei einer Bauzeit von zwölf Monaten und mehrheitlich Handarbeit dürfte der Aufwand beträchtlich gewesen sein. Auf den ersten Blick fällt der Einstieg auf: Die B-Säule ist weg, stattdessen sind die Türen an der vorderen A- bzw. hinteren C-Säule aufgehängt, so dass der Einstieg riesig wurde. Im Innern fällt der Blick vor allem auf Holz: Faurecia hat gemasertes Ahorn eingesetzt, das als ultradünne Schicht, dünner als ein Millimeter, kostengünstig und vielseitig verwendbar ist.
Neue Instrumententafel ab 2008 erhältlich

Klimasystem aus der Luftfahrt
Im Cockpit verhindert eine andere Innovation, dass am Fahrersitz die charakteristischen kahlen Stellen vom Ein- und Aussteigen entstehen: Bei geöffneter Tür hebt ein Elektromotor die Mitte des Fahrersitzes automatisch leicht an. Die Rückbank treibt das Spielchen noch ein wenig weiter: Sie passt sich der Statur des Passagiers, der auf ihr sitzt, automatisch hinsichtlich der Größe und der Festigkeit einzelner Abschnitte an. Neben einer drahtlosen Schnittstelle für alle elektronischen Geräte, die sich über eine zentrale Benutzeroberfläche steuern lassen, heizt auch das innovative Klimasystem die Stimmung an: Faurecia hat im Tatra erstmals die Luftstromtechnologie aus der Luftfahrt übernommen.
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