Studie identifiziert Stromfresser Nr. 1 beim Elektroauto
Der größte Reichweitenfresser im E-Auto ist gar nicht die Klimaanlage

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ein kaum auszuräumender E-Auto-Mythos besagt, dass die Klimaanlage – oder im Winter die Heizung – die Reichweite von E-Autos ruiniert. Nun wurden im Rahmen einer Studie die Effizienzverluste von Elektroautos im Praxistest untersucht. Überraschendes Resultat: Schnelles Fahren schränkt die Effizienz von Elektroautos gravierender ein als das Heizen oder Kühlen im Innenraum.
Die Studie hat erhoben, wie viel Strom das schnelle Fahren kostet: Denn schon bei geringfügiger Steigerung des Tempos sinkt die Effizienz überraschend schnell. Konkret: Bei sommerlichen Temperaturen um 30 Grad kostet ab 80 km/h ein Steigern des Tempos mehr Strom, als die Klimaanlage zum Kühlen braucht.
Geotab hat drei Millionen Fahrten analysiert
Ermittelt hat das Geotab, ein Spezialist für digitale Fuhrparkverwaltung in Kanada. Die im Jahr 2000 gegründete Firma verwaltet mehr als fünf Millionen Fahrzeuge aus der Ferne. Wie viele davon E-Autos sind, ist nicht bekannt. Für die Studie wurden drei Millionen Fahrten analysiert.
"Viele Autofahrer versuchen, das Einschalten der Klimaanlage bei warmem Wetter hinauszuzögern, um Energie zu sparen. Doch unsere Daten zeigen, dass hohe Geschwindigkeit nachteiliger für die Reichweite ist", sagt Charlotte Argue, leitende Geotab-Managerin zum Thema Nachhaltigkeit.
Luftwiderstand steigt im Quadrat zum Tempo
Als Beispiel nennt Geotab den Datensatz eines elektrischen Transporters mit 65 kWh großem Akku. Fährt der E-Lieferwagen konstant 80 km/h, beträgt die Reichweite 230 km. Steigert der Fahrer das Tempo auf 97 km/h, sind es nur noch 195 km. Fährt er 112 km/h, sackt die Reichweite auf 166 km herunter. Bei annähernd Autobahn-Richtgeschwindigkeit (128 km/h) genügt der Energievorrat nur noch für 142 km. Das sind rund 38 Prozent weniger Reichweite als bei Tempo 80.
Für den Schwund ist ein einfaches physikalisches Prinzip verantwortlich: Der Energieverbrauch hängt ab etwa 80 km/h wesentlich vom Luftwiderstand ab – und der wächst im Quadrat zur Geschwindigkeit. Wer das Tempo verdoppelt, muss dafür die vierfache Menge an Energie aufwenden.
Bei Pkw ist der Einfluss weniger dramatisch
Pkw haben durch ihre niedrigere Silhouette auch einen geringeren Luftwiderstand. Hier ist der Energiefraß weniger drastisch – aber dennoch sichtbar. Geotab nennt als Beispiel eine elektrische Limousine mit einer Reichweite von 446 km bei 80 km/h. Fährt sie annähernd Richtgeschwindigkeit (128 km/h), dann schrumpft die Reichweite um ein Viertel auf 322 km.
"Schon 16 bis 24 km/h langsamer zu fahren, kann die Reichweite je nach Fahrzeug um mehr als 20 Prozent erhöhen", schlussfolgern die digitalen Fuhrparkmanager. Auch wenn Akkus immer größer würden, spielt ein so grundlegendes Naturgesetz wie der Luftwiderstand im Verhältnis zur Geschwindigkeit auch weiterhin eine gravierende Rolle.
Fazit
Schleichen bringt mehr als Schwitzen? Der verdammte Luftwiderstand! Es schadet nicht, sich diese physikalische Größe einmal vor Augen zu rufen. Nein, es geht hier nicht um den großen Zeigefinger – jeder möge grundsätzlich so schnell fahren, wie er möchte (und es erlaubt ist). Aber wir sollten uns dessen bewusst sein, dass wir es im Fuß haben, wie viel Energie im Akku bleibt. Oder im Tank.
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