Studie zum Elektroauto-Umstieg
Was Deutschland beim E-Auto besser machen könnte

Deutschland setzt aufs E-Auto, landet bei der Attraktivität laut Studie aber nur auf Rang zwölf in Europa. Was machen andere Länder besser?
Bild: Volkwagen AG
- Raphael Schuderer
Elektroautos sind in Deutschland bereits günstiger unterwegs: Der Kilometer kostet im Schnitt 35 statt 36 Cent beim Verbrenner. Dass beim Umstieg zur E-Mobilität in Deutschland trotzdem noch Luft nach oben ist, zeigt der aktuelle "Mobility Guide 2026" vom Mobilitätsdienstleister Ayvens: Beim Elektroauto-Reifegrad sind wir demnach im europäischen Vergleich nur Mittelmaß!
Ayvens hat für den Mobility Guide insgesamt 30 Länder untersucht. Bewertet wurden fünf Kernbereiche: Elektroauto-Verkaufszahlen, Ladeinfrastruktur, Besteuerung und Regulierung, Gesamtbetriebskosten von Elektrofahrzeugen (BEV) im Vergleich zu Verbrennern sowie die Nachhaltigkeit der Stromerzeugung. Anhand der Punktzahl (zwischen 1 und 100) werden die Länder in drei Stufen des E-Auto-Reifegrads eingeteilt: "ausgebaut" (ab 60 Punkten), "im Übergang" (40 bis 59 Punkte) und "aufstrebend" (bis 39 Punkte).
Elektro-Spitzenreiter: Norwegen
Deutschland landet europaweit nur auf Rang zwölf, trotzdem attestiert Ayvens uns den höchsten Reifegrad "ausgebaut". Mit 61 von 100 Punkten erreicht die Bundesrepublik die Bestwertung allerdings nur knapp und liegt damit deutlich hinter Norwegen (93 Punkte), Belgien (78) und den Niederlanden (74). Diese Länder profitierten laut Untersuchung besonders von günstigen Steuerbedingungen, gut ausgebauten Ladenetzen und attraktiven Betriebskosten.
Vorteile wie die niedrigere Dienstwagenbesteuerung für E-Fahrzeuge sowie Kaufanreize für Privatkunden beschleunigten laut Ayvens den Attraktivitätszugewinn für E-Autos in Deutschland. Nachholbedarf sieht Ayvens dagegen bei Ladepunkten, Wirtschaftlichkeit und grünem Strom
Süd- und Osteuropa: Elektroauto-Reifegrad geringer
Laut Studie nähere sich der E-Auto-Reifegrad im Europavergleich zwar an, bleibe aber weiterhin uneinheitlich. Nord- und Westeuropa seien bei der Umstellung führend, während sich die Märkte in Süd- und Osteuropa langsamer entwickelten. Italien kommt etwa nur auf 54 Punkte, Spanien auf 53.
Die Gesamtschlusslichter Serbien (19) sowie Bulgarien, Estland und Rumänien (jeweils 21) liegen sogar noch deutlich darunter. Die Bremsklötze der E-Mobilität laut Ayvens: Unterschiede bei steuerlichen Rahmenbedingungen, Ladeinfrastruktur und Akzeptanz durch die Verbraucher.
Portugal fährt beim Kostenvergleich vorneweg
In den meisten nord- und westeuropäischen Ländern seien E-Autos dank höherer Steuervorteile und niedrigerer Betriebskosten kostengünstiger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Portugal fährt beim Kostenvergleich vorneweg: 25 Cent pro Kilometer im E-Auto stehen 39 Cent im Verbrenner gegenüber.
In einigen Teilen Osteuropas bleibe die Wettbewerbsfähigkeit bei den Kosten jedoch eine größere Herausforderung, da Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor dort nach wie vor von niedrigeren Anschaffungs- und Betriebskosten profitierten. Auffallend: Alle elf Länder mit der schlechtesten Einstufung "aufstrebend" liegen östlich von Deutschland.

Grün markiert sind die Länder mit dem besten Elektroauto-Reifegrad "ausgebaut", gelbe Gebiete befinden sich "im Übergang", rote Staaten sind "aufstrebend".
Bild: Ayvens Mobility Guide 2026
Ladeinfrastruktur auf gutem Weg
Positiv: Die öffentliche Ladeinfrastruktur wurde in ganz Europa ausgebaut, sodass Ende 2025 mehr als 1,2 Millionen öffentliche Ladepunkte zur Verfügung standen. Dennoch gibt es auch hier zwischen den einzelnen Ländern noch immer große Unterschiede, was in Regionen mit dünnem Ladenetz weiterhin Zweifel am E-Auto-Kauf und Reichweitenangst schürt.
Deutschland liegt mit 1,9 Ladepunkten pro 1000 Einwohner deutlich hinter den Niederlanden mit 10,2 Ladepunkten und Belgien mit 6,5 Ladepunkten. Ein von der Einwohnerzahl vergleichbares Land wie Frankreich kommt auf 2,3 Ladepunkte pro 1000 Einwohner.
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