Test Bentley Brooklands/Rolls-Royce Phantom Coupé
Luxus-Coupés für 770.000 Euro

Wahrer Überfluss ist, wenn selbst die Superreichen schwärmen. Für diesen Zweck halten Rolls-Royce und Bentley zwei überaus exklusive Coupés bereit. AUTO BILD durfte darin Platz nehmen – und, ja: auch Gas geben.
- Georg Kacher
Es war eine lange, harmonische Liaison. Noch als hochbetagtes Paar gingen die beiden Hand in Hand bis zur Zwangsscheidung 2002. Ihre Ehe dauerte Jahre. Und jetzt sind sie in anderen Händen. Zwischen den vornehmen Ex-Partnern ist ein Konkurrenzkampf entbrannt. Schneller, höher, weiter, und nur nicht die Contenance verlieren – eine harte Aufgabe für Bentley und Rolls-Royce. Ihr vornehmstes Duell tragen sie in der Coupé-Klasse aus. Bentley Brooklands contra Rolls-Royce Phantom Coupé. Das heißt: 2655 gegen 2590 Kilogramm. 5,41 gegen 5,61 Meter. Und: 345.100 gegen 425.000 Euro. Aber Zahlen spiegeln nicht wider, worum es geht. Die wahre Frage ist: Welcher von beiden schafft es überzeugender, aktuelle Leistungsansprüche und höchste traditionelle Werte gleichermaßen zu erfüllen?
Bentley: Höllischer Durchzug mit 1050 Newtonmeter Drehmoment

Bild: V.V. Dimbleby
Turbo? Wie schnöde! Der Rolls-Royce fährt ohne Zwangsbeatmung

Bild: C. Magee
Gefühlter Gleichstand bei gerechter Gunstverteilung herrscht beim Auftritt der bei den Ganz-ganz-oben-Coupés. Distinguiert, eine Spur blasiert, opulent und würdevoll, dennoch sensationell elegant – dumm nur, dass kein Foto die wahre Aura dieser Wagen übermitteln kann. Eigentlich wirkt ihre Ausstrahlung nur live. Ein Vergleich vielleicht, um wenigstens die Größenordnungen zu verdeutlichen: Der Rolls, dem eine schlanke Linie attestiert werden kann, ist in der Tat nicht flacher als ein Opel Zafira mit Sportfahrwerk. Verzeihung. Das sollte keine Majestätsbeleidigung sein. Das Unentschieden in der Kategorie Auftritt und Wirkung ist umso bemerkenswerter, als dass die aristokratischen Zweitürer durch völlig unterschiedliche Taktiken zur Höchstwertung gelangen. Der Bentley Brooklands: stilistisch eine übervorsichtige Evolution seiner Ahnen aus der Frühzeit der Pontonform – nur die Chromstoßfänger fehlen. Obwohl: Wir vermissen sie nicht. Dagegen das Rolls-Royce Phantom Coupé: Zwar wird hier noch immer die kaum verkleinerte Replik eines hellenischen Tempels als Kühlergrill verbaut, auch der Abwärtsschwung des Achterdecks lässt ein gewisses Geschichtsbewusstsein erkennen.
Science-Fiction am und im Rolls-Royce Phantom Coupé

Bild: C. Magee
Kaminzimmer-Atmosphäre ist hier Pflicht

Bild: V.V. Dimbleby

Bild: C. Magee
Fazit: Luxus ist Luxus ist Luxus
Wer dieses Duell gewinnt? Ganz klar: die deutschen Konzerne Volkswagen und BMW. Mit viel Fingerspitzengefühl schaffen sie es, dem höchsten Niveau britischen Automobilbaus neuen Glanz zu verleihen. Und die Coupés selbst? Wir plädieren für ein Unentschieden. Einfach deshalb, weil keines die Schmach des zweiten Platzes verdient.
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