GTI ist in Sportlerkreisen so was wie Tempo-Taschentücher, Nivea oder Nena. Eine echte Marke. Da kommt ein { "alias": "lex", "anchor": "", "bid": "221055", "element": "ir_link", "params": "", "target": "", "text": "Opel", "type": "b", "url": "" } GSi einfach nicht gegen an. Was dem Corsa fehlt, ist der prominente Name. Sängerin Nena nennt sich ja auch nicht Gabriele Susanne Kerner. Da kann Gabriele noch so gut singen, Nena hört sich einfach besser an. Wenn es nur um die Namen ginge, wäre der Vergleichstest zwischen Corsa GSi und Polo GTI also schnell entschieden. Aber es geht um mehr als das. GTI gegen GSi ist der uralte Vergleich zwischen Golf und Astra – hier nur eine Klasse tiefer ausgetragen bei den Kleinwagen. Eine Glaubensfrage wie Fisch oder Fleisch, Bier oder Wein, entweder – oder. (K)ein kleiner Unterschied ...

Der Polo ist die Reinkarnation des Ur-GTI

Dabei ist der GSi als Kompromiss geboren, als familienfreundlichere Variante des Überfliegers OPC. Da macht Opel gar keinen Hehl draus, sondern verweist stolz auf die sportliche Linienführung, die tiefergelegte Karosserie, den dezenten Heckspoiler und reichlich vorhandenen Platz, um den Wagen mit "GTI-Killer"-Aufklebern zu tunen. Auch der Polo duckt sich, um dem Wind möglichst wenig im Weg zu stehen. Heute verkörpert keiner den Ur-GTI von 1976 besser als er. Alles erinnert an früher: die handliche Größe (3,92 m), das relativ niedrige Gewicht (1245 Kilo), der gefühlsechte Auftritt, und auch der bodennahe Preis von 19.800 Euro kommt dem des Golf I noch am nächsten. Eigenschaften, die auch der 150 Euro teurere Corsa GSi für sich beansprucht. Mit vier Meter Länge ist er ebenfalls wendig. Und mit 1244 Kilo nicht schwerer als der Polo. Durch seine lang gestreckte A-Säule und wegen des kleinen Heckfensters verbaut er dem Fahrer allerdings die Sicht. In diesem Auto fällt es schwer, die Ideallinie zu finden.

In Sachen Sound ist der Corsa GSi eine Enttäuschung

Opel Corsa GSi 1.6 Turbo
Bild: Toni Bader
Schalten wir ihn ein, den Turbo. Tempo. Denn diese scharfen Kleinkaliber von { "alias": "lex", "anchor": "", "bid": "482884", "element": "ir_link", "params": "", "target": "", "text": "VW", "type": "b", "url": "" } und Opel geben Stoff, um blitzartig ins Ziel zu schießen. Legen wir's drauf an: Sechs, sieben, acht Sekunden – die Tachonadeln stehen auf 100 km/h. 40 Sekunden, 41, 42 – schon ist Tempo 200 erreicht. Erst bei 210 km/h ist im Corsa Schluss, der Polo schafft noch mal sechs km/h mehr. Für diese Spitzenwerte dürfen sich die beiden gern selbst bejubeln, stattdessen bleibt der Opel stumm. Null Sound. Null Emotionen. Enttäuschend. Nicht mal das Surren der Turbine lässt er uns hören. Der Polo tritt da selbstbewusster auf, ohne gleich Dorfdisco zu spielen. Volkswagen bringt den Turbo durch einen raffinierten Trick zum Klingen. Ein Hörrohr führt vom Motor unter den Armaturenträger, unterhält den Fahrer mit sportlichen Ansauggeräuschen. GTI soll eben nicht nur als Markenname gut klingen.
Dröhnig klingt er jedoch auf der Autobahn. Da fehlt ihm ein sechster Gang, um Grummeln und Verbrauch zu senken. Mit 8,8 Liter Super liegt er leicht über den Werten des Sechsgang-Corsa (8,6). In beiden wehren sich die Schalthebel sanft gegen blitzartige Gangwechsel, während die gut dosierbaren Bremsen um Zentimeter kämpfen. Trotz vorbildlicher 37 Meter schlägt der Corsa den Polo um einen halben Meter: 36,5 Meter – da tobt der Opel-Stammtisch. Seine Fangemeinde freut sich vor allem auch über die roten Gurte im GSi, die roten Sitznähte, Sportsitze und – na klar – blanke Alupedale. Ja, die kann man den Kumpels vorführen. Während die überlegene Sicherheitsausstattung im Verborgenen arbeitet. Serie: Kopfairbags, dynamische Kopfstützen, die bei einem Crash vor Schleudertrauma schützen. GTI-Fahrer werden im Falle eines Falles weniger weich aufgefangen. So weit soll es nicht kommen: Volkswagen gibt alles, um den Polo auf Kurs zu halten. Die Lenkung arbeitet präziser als die des GSi, das Fahrwerk deutlich harmonischer. Auf Unebenheiten lebt der Opel seine Jugendlichkeit aus. Wie ein wildes Ding in Techno-Trance tanzt er über den Asphalt. Jede Gelegenheit packt er beim Schopfe, um die Insassen mit Fahrwerkstößen zu nerven. Ältere denken: Werd' doch erwachsen, Mann! Das ist der Polo bereits. Er ist zwar auch ein Spaßmobil, aber doch deutlich gelassener. Aber daran liegt es nicht, dass er diesen Vergleich verliert.

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko

Worauf kommt es bei kleinen Sportlern an? Dass sie Spaß machen, die Vernunft spielt nur eine Nebenrolle. Dass der Corsa aber beides beherrscht, macht ihn zu einer doppelten Empfehlung. Er ist ein knackiges Sportgerät, das den Geldbeutel nicht überfordert. Der Polo fährt als Allrounder hinterher. Er hat zwar den besseren Motor und das ausgewogenere Fahrverhalten, macht aber weniger an. Und das reicht gegen einen starken GSi nicht aus.