Vier kleine Knaller im Test
Steiler Aufstieg

Vom smarten Einkaufskorb zum harten Sportgerät: Kleinwagen der Extraklasse drängeln sich nach vorn. Vergleich Opel Corsa OPC gegen Mini Cooper S, VW Polo GTI Cup Edition und Peugeot 207 RC.
Die Werbung bejubelte ihn als "schnellsten Volkswagen aller Zeiten", VW selbst sprach vom "jungen Wilden". 1976 war das, und gemeint ist der Golf GTI. Eine 110-PS-Rakete aus einer Zeit, die in Wolfsburg noch 50-PS-Käfer mit Heckantrieb vom Band laufen sah. Okay, das ist über 30 Jahre her, intakte Einser-Golf mit GTI-Emblem in rot umrandeter Frontmaske und am Heck sind inzwischen rare Sammlerstücke. Doch lebendig geblieben ist der Geist des GTI. Nur spukt der heute längst in anderen Gehäusen. Zum Beispiel im neuen Opel . Beim stärksten Corsa sorgen satte 192 PS für einen gehörigen Karrieresprung. Damit überflügelt er den nächststärkeren Deutschen deutlich: VW presst aus einem Polo 180 PS, nennt das Ganze GTI Cup Edition – als Erinnerung an die gleichnamige Motorsport-Serie. Einen kaum schwächeren Kandidaten schickt Mini ins Rennen. Der neue Cooper S präsentiert 175 putzmuntere Turbo-PS, und genauso stark fährt auch Frankreichs kleiner Kracher vor, der Peugeot 207 RC 175 THP – übrigens mit dem gleichen Motor.
Vom Einkaufskorb zum Sportgerät: Motoren und Antriebe
Aus einer Kooperation zwischen BMW und PSA stammt das starke Herz vom Mini und vom 207 RC. Vollgestopft mit neuester Einspritz- und Turbotechnik, macht der aufgeladene 1,6-Liter-Vierzylinder beiden mächtig Beine. Vor allem, weil der kräftige Direkteinspritzer mit 240 Newtonmeter Drehmoment bereits bei 1600 Touren zupackt. Bei durchgetretenem Gaspedal steigert sich das Drehmoment dank einer Overboost-Funktion zudem auf 260 Newtonmeter. Gleichzeitig dreht der kleine Kraftklotz quirlig hoch, zeigt sich auch im oberen Drehzahlbereich noch unnachgiebig bissig. Dabei geht dieser potente 1600er im Mini noch angriffslustiger zu Werke. Grund: Durch ein präzise geführtes, leicht schaltbares Sechsganggetriebe liegt das Drehzahlniveau höher als beim 207 RC, der mit fünf – relativ unsauber zu schaltenden – Gängen auskommen muss.

Kraft haben die Kleinen also genug, aber kommt die auch auf der Straße an? Im Verhältnis zu seinem PS-Wert enttäuscht hier der Opel. Die ungestüme Leistung überfordert ganz klar den Vorderradantrieb. In den unteren Gängen zieht und zerrt es beim Beschleunigen heftig an der Vorderachse, beim Spurten ist keine gerade Linie möglich. Überhaupt wirkt der OPC nervös und fahrig im Geradeauslauf. Die um die Mittellage extrem direkt ansprechende Lenkung braucht Gewöhnung und eine ruhige Hand – sonst bleibt der Opel keinen Meter sauber in der Spur. Beim schnellen Kurvenwetzen ist das ein Vorteil: So spontan lenkt kein anderer hier. Allerdings mischt sich das ESP gern ein, raubt Tempo. Bei langsamer Fahrt federt der OPC steif. Kommen wir zum Peugeot: Der 207 hat praktisch keine Federung, knallt erbarmungslos über jede Gullydeckelkante. Das ist Absicht.
Wie viel Spaß machen die Mini-Sportler?

Im Innenraum stehen alle Zeichen auf Rennstrecke. Die hervorragend stützenden Schalensitze, der konturierte Lederlenkradkranz oder die blau schimmernden Anzeigen stünden auch einem reinrassigen Sportwagen. Außen hat Opel den Corsa OPC ähnlich konsequent geschmückt. Mächtige Schürzen, markante Schlitze in den Stoßfängern oder das dreieckige Auspuffendrohr übermitteln die glasklare Botschaft: Ich bin schnell. Weniger grell, aber mit ähnlich eindeutiger Aussage steht der Polo da. Die Karosserieteile aus dem Cup-Rennwagen schlagen optisch eine Brücke zum Motorsport. Innen aber geht das aktuelle Schlafstudio auf Sendung. Außer ein paar roten Ziernähten an Lenkrad und Gurten sowie Alu-Imitat herrscht eher Langeweile.
Peugeot hat ebenfalls wenig unternommen, den 207 RC fürs Fahrerauge optisch schnell zu machen. Die Karosserieänderungen fallen bis auf den großen Heckspoiler und den markanten Doppelauspuff wohltuend dezent aus, im Cockpit des RC setzen Chromringe um Drehzahlmesser und Tachoanzeige Akzente. Auch wenn die stark ausgeprägten Schalensitze auffallen – so sportlich, wie sie aussehen, sind sich nicht. Die Wangen von Fläche und Lehne sind zu weich gepolstert. Mini versucht gar nicht erst Showeffekte. Die Sitze mit hellen Kedern könnten auch aus einem restaurierten Oldtimer stammen, das Cockpit hat eher Playmobil-Charakter als das Flair eines Sportwagens. Außen das gewohnte Mini-Programm: eine kleine Hutze auf der Haube, kecker Flügel an der hinteren Dachkante und Doppelendrohr. Weiße Zierstreifen gibt's gegen Aufpreis.
Kosten und Nutzen

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

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