VW-Rückruf: Schraube am Lenkgetriebe
Elf Jahre lang verbaut: Jetzt wird diese Schraube zum VW-Problem

Eine korrodierende Schraube am Lenkgetriebe sorgt allein in Deutschland für einen Rückruf von knapp einer Million Fahrzeugen aus dem Volkswagen-Konzern. Interne Unterlagen, die AUTO BILD vorliegen, zeigen, wo das Problem sitzt, welche Folgen drohen. Und warum manche Autos möglicherweise sogar zweimal in die Werkstatt müssen!
Bild: Christoph Börries
Auffällig ist die technische Verwandtschaft der betroffenen Autos: Sie basieren auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) des Volkswagen-Konzerns. Auch die modernisierte Version dieser technischen Plattform (MQB evo) kann betroffen sein. Die bislang bestätigten Schwestermodelle Audi A3, Seat Ateca und Tarraco stehen ebenfalls auf dieser konstruktiven Basis.

Bei Elbtor in Hamburg-Hammerbrook zeigt uns Werkstattleiter Guido Naumann, wie der Austausch der Schraube am Aggregateträger abläuft.
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AUTO BILD liegen interne Volkswagen-Unterlagen zu dem groß angelegten Rückruf vor. Darin beschreibt der Hersteller den technischen Hintergrund ungewöhnlich konkret: Betroffen ist die in Fahrtrichtung rechte Befestigungsschraube des Lenkgetriebes.

Die interne Reparaturanweisung verdeutlicht: Die kritische Schraube ist auf der Beifahrerseite am Aggregateträger verbaut, fixiert zusammen mit zwei weiteren Schrauben das Lenkgetriebe, das beim Lenken wie ein kraftvoller Hebel wirkt. Damit diese Kräfte an die Räder gelangen, muss das Bauteil fest mit dem Fahrzeug verbunden sein. Die Befestigungsschrauben verhindern, dass sich das Lenkgetriebe unter Last bewegt.
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An der Schraube kann Korrosion auftreten. Schreitet diese weit fort, ist laut VW schlimmstenfalls ein Abriss des Schraubenkopfes möglich.
Laut Volkswagen kann ein Kopfabriss die Befestigung der Lenkung beeinträchtigen und in der Folge zu einem "Verlust der Lenkfähigkeit" führen. Warum ausgerechnet die rechte Verschraubung betroffen ist und welcher Korrosionsmechanismus zum Kopfabriss führt, geht aus den AUTO BILD vorliegenden Unterlagen nicht hervor.

Im vorliegenden Fall wird die betreffende Schraube eines VW Tiguan untersucht.
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Neue Schraube mit mehr Korrosionsschutz
Die Abhilfe klingt zunächst einfach: Die betreffende Schraube wird ausgetauscht. Regulär vorgesehen ist die Flanschschraube WHT 013 461 in M12×1,5×70. VW beschreibt sie als Schraube mit "erhöhtem Korrosionsschutz". Infos zum Zulieferer verraten die Unterlagen nicht. Weder Werkstoff und Festigkeitsklasse noch Art der Oberflächenbeschichtung werden genannt. Ob beispielsweise eine andere Beschichtung oder ein anderes Material bei der Ersatzschraube für höhere Korrosionsbeständigkeit sorgt, lässt sich daraus nicht ableiten.

Ob und wie stark die alte Schraube korrodiert ist, zeigt sich erst nach dem Ausbau. Der Schraubenkopf ist von außen nicht von Korrosion beeinträchtigt.
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Interessant wird es bei der Ersatzteilversorgung. Volkswagen benennt intern, dass zum Start der Feldmaßnahme möglicherweise nicht genügend Schrauben WHT 013 461 verfügbar sind. In diesem Fall darf ersatzweise N 105 524 02 eingebaut werden.

Nach wenigen Drehungen der etwa fingerdicken Schrauben lässt sich deutlich erkennen: Die oberen Gewindegänge sind stark angegriffen.
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Dauerhaft soll diese Schraube dort allerdings nicht bleiben. Sobald das Ersatzteil WHT 013 461 verfügbar ist, muss das Fahrzeug erneut in die Werkstatt einbestellt werden. Einige Kunden könnten wegen derselben Schraubenposition also ein zweites Mal in die Werkstatt müssen.
Wie lange dauert die Reparatur?
Volkswagen kalkuliert laut interner Unterlagen für die Instandsetzung je nach Fahrzeugausstattung und Arbeitsumfang etwa 30 Minuten. Der tatsächliche Werkstattaufenthalt kann länger dauern – ganz trivial ist der Schraubentausch offenbar nicht.

Bild: Christoph Börries
Die neue Schraube muss mit einem definierten Drehmoment angezogen und anschließend um 90 Grad weitergedreht werden. Ein Öffnen der Verschraubung in Eigenregie ist somit keine sinnvolle Option!
Darf ich mit meinem VW weiterfahren?
Grundsätzlich ja. Genau das teilt Volkswagen seinen Betrieben intern mit, benennt allerdings auch eine klar definierte Grenze: Treten ungewöhnliche Geräusche aus dem Bereich der Vorderachse oder Auffälligkeiten beim Lenken auf, soll das Fahrzeug nicht weiter bewegt werden. In diesem Fall soll der Fahrer einen Volkswagen-Betrieb direkt kontaktieren.

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Ob das eigene Auto betroffen ist, lässt sich nicht allein anhand von Modell und Baujahr feststellen. Entscheidend ist die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN). Betroffene Halter werden ohne Ausnahme schriftlich über den Rückruf informiert. Wer nicht darauf warten möchte, kann die FIN beim Vertragspartner beziehungsweise Hersteller prüfen lassen.
Bei ungewöhnlichen Geräuschen an der Vorderachse oder Auffälligkeiten beim Lenken gilt dagegen die VW-Anweisung aus den internen Unterlagen: Auto nicht weiterbewegen und Volkswagen-Partner kontaktieren.
Kontakt zu VW:
Volkswagen Kundenbetreuung
Telefon: (0800) 86 55 79 24 36
E-Mail: kundenbetreuung@volkswagen.de (Für Anfragen zur Rückrufaktion Fahrgestellnummer bereithalten)
Telefon: (0800) 86 55 79 24 36
E-Mail: kundenbetreuung@volkswagen.de (Für Anfragen zur Rückrufaktion Fahrgestellnummer bereithalten)
Diese Konzernmodelle sind betroffen
Marke | Modelle | Rückruf-Code | KBA-Referenz |
|---|---|---|---|
VW | Golf Sportsvan, Golf Variant, Tiguan, Touran, Caddy | 48VS | 17016R |
Audi | Q3 | 48LG | 17014R |
Seat | Ateca, Tarraco | 48T7 | 17017R |
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