VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion (2016) im Test: Fahrbericht
Das kann der stärkste Tiguan
VW Tiguan 2.0 TSI im Dauertest
Der stärkste VW Tiguan hat Allrad und 240 PS. AUTO BILD ist den neuen Gegner von Audi Q3, BMW X3 und Mercedes GLC schon gefahren!
Stefan Grundhoff
Video: VW Tiguan (2016)
So gut ist der neue Tiguan
Der Tiguan war einmal der erfolgreiche, aber langweilige SUV-Bruder des Golf. Das ist jetzt vorbei: Die zweite Generation ist eine Klasse nach oben gerutscht, der Tiguan muss sich nun mit SUVs von sogenannten Premiumherstellern messen. Um für Gegner wie Audi Q3, BMW X3 oder Mercedes GLC gewappnet zu sein, schwingt sich der Tiguan in neue Leistungsdimensionen auf. Nachdem zum Start für Benziner und Diesel bei 180 bzw. 190 PS Schluss war, bekommt der 4,49 Meter lange Tiguan nun die doppelt aufgeladene Diesel-Topmotorisierung des VW Passat. Obligatorisch sind die 240 PS an Allradantrieb und ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt. Der stärkste Benziner leistet 220 PS. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass VW mittelfristig noch eine nachgeschärfte R-Version mit bis zu 300 PS nachlegt.
Ab 1750 U/min steht das maximale Drehmoment von 500 Nm zur Verfügung.
Bild: Werk
Seinen überaus kraftvollen Vierzylinder-Diesel sieht man dem Tiguan nicht an, und auch nach dem Starten des Motors ist vom 240-PS-Triebwerk kaum etwas zu hören. Doch nach dem Losfahren merkt man schnell, dass hier deutlich mehr als 200 PS arbeiten. Ist der Drehzahlmesser an die 2000-Touren-Marke gekrabbelt, spurtet der immerhin 1,8 Tonnen schwere Allradler los. Kein Wunder, denn ab 1750 Umdrehungen steht das maximale Drehmoment von 500 Nm zur Verfügung. Dieser gewaltige Tatendrang wird variabel an die beiden Achsen übertragen. Dabei dreht der Motor bis 4500 Touren überaus willig, ja hungrig nach oben, um dann – je nach Fahrprogramm – in die nächsthöhere Schaltstufe zu wechseln. Über einen Drehschalter kann der Fahrer die einzelnen Fahr- und Allradprogrammen durchschalten. Besser als bei den schwächeren Motoren: Wer zwischen Eco-, Normal- oder Sportmodus hin- und herwechselt, spürt echte Unterschiede.
Gerade in Verbindung mit den optionalen 20-Zöllern zeigt sich der Sportmodus straffer als erwartet. Genau das Richtige, wenn man auf kurvigen Landstraßen die Zügel lockern möchte. Entsprechend stimmen sich Motorelektronik und Getriebe ab. Die Lenkung bleibt derweil, wie sie ist: präzise, aber eine Spur zu leichtgängig. Wird die Fahrbahn schlechter und der Kurvendurst geringer, ist man in den anderen Modi besser, weil kommoder unterwegs. Neben seinem kraftvollen Diesel glänzt das Topmodell mit denselben Qualitäten, die auch seine schwächeren Brüder bieten. Zumindest gegen Aufpreis gibt es jede Menge Komfort, eine intelligente Vernetzung und ein Komplettpaket an Fahrerassistenzsystemen.
Preis und Ausstattung
Das Topmodell des VW Tiguan gibt es nur in der Ausstattung Highline.
Bild: Werk
Der VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion mit 240 PS ist nur in der höchsten Ausstattungslinie Highline erhältlich. Serienmäßig ist das gute Platzangebot. Hier profitiert die zweite Tiguan-Generation insbesondere vom knapp acht Zentimeter größeren Radstand, der nicht nur den Passagieren in der zweiten Reihe mehr Raum bietet. Der Laderaum wächst um 50 auf stattliche 520 Liter, die sich durch Verschieben oder Umlegen der Rückbank auf bis zu 1655 Liter erweitern lassen. Das Preisspektrum für das Topmodell des Tiguan beginnt bei rund 42.500 Euro, Marktstart ist im Herbst 2016.
VW Tiguan gebraucht ab 10.000 Euro kaufen
Gute gebrauchte VW Tiguan sind ab 10.000 Euro zu haben.
Bild: Toni Bader
Gute gebrauchte VW Tiguan der ersten Generation (2007 bis 2011) mit weniger als 125.000 Kilometern sind ab 10.000 Euro zu haben. Die meisten der Angebote haben bereits den 150 PS starken 1.4 TSI und nicht den Einstiegsbenziner mit 122 PS unter der Haube. Darauf muss man allerdings achten: Beim 1,4 TSI kam es zu übergesprungenen oder gerissenen Steuerketten. Der jüngere TDI hatte zudem mit rutschenden Keilriemen zu kämpfen. Der Anfang 2011 eingestellte 1,4-Liter-TSI wurde beim Facelift Mitte 2011 durch einen 160-PS-Motor ersetzt. Modelle mit diesem Motor werden in gutem Zustand ab 16.000 Euro angeboten.
VW und der AUTO BILD-Dauertest – bislang alles andere als eine Glanzvorstellung. Letzter Touran, Vorletzter Polo, Passat und Fox ebenfalls auf den hintersten Rängen. Das miserable Abschneiden von VW in Dauertests steht im grotesken Widerspruch zum Markterfolg der Modelle. Kann es der Tiguan besser?
Bild: Daniel Gau
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Aufsteiger: Der VW Tiguan kam erst 2007, elf Jahre nach dem Land Rover Freelander. Dafür avancierte der Tiguan in Deutschland gleich zum Marktführer im Segment der Kompakt-SUV. In Deutschland fahren mittlerweile 90.000, weltweit sind es über 310.000 Tiguan.
Bild: Daniel Gau
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Der Tiguan stand schon bei der Entwicklung unter enormem Kostendruck. Um den SUV überhaupt rentabel in Deutschland produzieren zu können, hatte Ex-Markenchef Wolfgang Bernhard damals jede Schraube dreimal umgedreht. Mit Erfolg: Heute gilt der Hochbein-Golf als profitabelstes Stück von Volkswagen.
Bild: Uli Sonntag
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Während der 100.000 Kilometer war von Sparzwang jedoch nichts zu spüren. Selbst bei Tachostand 100.000 klapperte nichts, keine Teppichkante löste sich, die Materialien überzeugten.
Bild: Uli Sonntag
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Empfehlenswertes Extra: das adaptive Fahrwerk DCC für 1045 Euro. Es regelt automatisch die Dämpferhärte, selbst mit den optionalen 18-Zoll-Rädern federt der Tiguan noch komfortabel. Wer nicht soviel investieren möchte, sollte bei den 17-Zoll-Rädern bleiben, die komfortabler abrollen.
Bild: Uli Sonntag
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Kein Dickschiff, eher flotte Jolle – eben der Golf unter den SUV. "Praktisch, schnell, sozialverträglich", so der treffende Kommentar eines Kollegen auf Reise in Dänemark.
Bild: Uli Sonntag
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Gestrandet ist der Tiguan während des Dauertests nicht ein einziges Mal. Im Gegenteil, der Tiguan erwies sich als äußerst zuverlässig. Kein außerplanmäßiger Werkstattbesuch, keine Reparaturen, außer dem üblichen Verschleiß an Bremsen, Glühbirnen und Wischerblättern ist nichts gewesen.
Bild: Uli Sonntag
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Der Tiguan fand schnell Anhänger: Bis zu 2100 Kilogramm darf er an den versenkbaren Haken nehmen. Der kostet 815 Euro. Hier schleppt er gerade einen Opel Commodore GS aus Frankreich heim.
Bild: Gerald Schadendorf
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Zugnummer: Der Tiguan wurde als Zugwagen geschätzt, jedoch schnell als Trinker entlarvt. Der 170-PS-Benziner schluckt im Hängerbetrieb schnell 13 Liter und mehr.
Bild: Gerald Schadendorf
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Wer den Tiguan als Zugwagen nutzen möchte, sollte unbedingt zum drehmomentstarken und wesentlich sparsameren Diesel greifen. AUTO BILD-Testverbrauch des 2.0 TDI mit 140 PS: sieben Liter.
Bild: Mirko Menke
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Schneepflug: Der Allradantrieb des Tiguan mit elektronisch geregelter Haldex-Kupplung ist technisch eher simpel, reicht jedoch für leichte Ausflüge ins Gelände. Über drei Viertel aller Tiguan-Käufer bestellen die Allradversion.
Bild: Toni Bader
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Das Cockpit hatte schon im Golf Plus Zeit, sich zu bewähren. Auch nach 100.000 Kilomtern klappert nichts. Nur ein Tipp: Bestellen Sie das Interieur bloß nicht im Beige des Testwagens. Das sieht fünf Tage gut aus, danach könnte man weinen. Polster und Verkleidungen sind äußerst schmutzempfindlich.
Bild: Toni Bader
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Verschiebbare Rücksitze, aber viel zu hohe Ladekante und eine Stufe bei umgelegten Rücksitzen. Bei umgelegten Rücksitzen schluckt der Tiguan bis zu 1510 Liter.
Bild: Toni Bader
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Für 115 Euro gibt es eine 230-Volt-Steckdose. Praktisch, um schnell iPod oder Laptop zu laden.
Bild: Toni Bader
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Der Zweilter-Benziner mit Turbo und 170 PS ist keine Empfehlung. Er ist weder sportlich noch kernig, dafür gierig. Wer den 2.0 TSI fordert, kann der Tanknadel beim Wandern zusehen. Mehr als 13 Liter sind keine Seltenheit. Technisch ließ sich dem TSI nichts ankreiden: Er lief über 100.000 Kilometer völlig störungsfrei.
Bild: Toni Bader
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Die Demontage nach Testende zeigt: Technisch und qualitativ gibt sich der VW Tiguan keine Blöße. Es finden sich nur kleine, unbedeutende Mängel. Der Tiguan schließt den Dauertest mit einer glatten 1 ab – ein derartiges Ergebnis darf man von einem rund 42.000 Euro teuren VW auch erwarten.
Bild: Uli Sonntag
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Bekannter konzerneigener Komposthaufen: Hinter den Verkleidungen der vorderen Radhäuser lagern sich Laub, Schmutz, Sand und Salz ab.
Bild: Dekra
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Mit dem Endoskop schaut der DEKRA-Sachverständige Günther Schiele in die Hohlräume des zerlegten VW Tiguan.
Bild: Uli Sonntag
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Schöne Schicht: Die Hohlräume sind gut konserviert. Der Schutzwachs ist zwar etwas ungleichmäßig aufgetragen, die Schichtdicke jedoch voll ausreichend. Vorsicht ...
Bild: Dekra
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... vor Feuchtigkeit: Der Hauptsicherungskasten ist gut geschützt – nur nicht von unten. Am markierten Sicherungsanschluss ist minimale Grünspanbildung erkennbar.
Bild: Dekra
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Da staunt selbst die DEKRA: Die Vermessung des Motors ergibt, dass Kolben und Zylinder noch nahezu dem Neuzustand entsprechen. Der Sachverständige Günther Schiele attestiert dem TSI des Tiguan das beste Untersuchungsergebnis der letzten 30 Dauertestfahrzeuge.
Bild: Dekra
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Keinerlei Verschleiß nachweisbar: Gangräder und Synchronringe zeigen keinen mess- oder sichtbaren Verschleiß. Das Schaltgetriebe ist nach Testende praktisch neuwertig.
Bild: Dekra
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Haltbar: die Abgasanlage. Auch der Endschalldämpfer ist nach 100.000 Kilometern noch taufrisch.
Bild: Dekra
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Der Unterboden des Tiguan zeitgt sich nach 100.000 Kilometern mängelfrei. Teuer: ein Satz neuer Reifen. Vier neue Continental CrossContact der Größe 235/50 R 18 V kosten inklusive Montage rund 840 Euro.
Bild: Dekra
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Standfest: Die vorderen Bremsscheiben hielten 100.000 Kilometer. Und das trotz forcierter Fahrweise und häufigerem Hängerbetrieb. Die Bremsbeläge der Vorderachse wurden bei 86.819 Kilometer gewechselt, die hinteren Beläge und Scheiben waren bei 75.526 Kilometern fällig – wegen starker Geräuschentwicklung.
Bild: Dekra
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Beginnendes Schwitzen am Stoßdämpfer hinten rechts. Auf die korrekte Wirkung der Dämpfer hatte es keinen Einfluss, das Fahrverhalten war bis zum Schluss einwandfrei.
Bild: Dekra
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Schönheitsfehler: An den Befestigungspunkten zwischen Federbeindom und Federbein hat sich hässliche Kontaktkorrosion eingenistet.
Bild: Dekra
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Wer gut schmiert, der gut schaltet: Die Schaltung des Tiguan machte am Testende knarzende Geräusche und hakelte. Der Grund: Es fehlte Fett am Schaltbock.
Bild: Dekra
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Rostige Funzel: Die Kontakthalterung einer Kennzeichenleuchte zeigt Folgen von Nässeeinbruch.