Xpeng ist einer dieser noch ganz jungen chinesischen Hersteller. Benannt wurde die Marke nach He Xiaopeng, einem der Mitgründer des Unternehmens, der seit 2017 CEO ist. Xpeng wurde gerade mal 2014 gegründet und baut seit 2018 Autos. 2024 waren das 190.000 Stück – auch im internen chinesischen Vergleich nicht besonders viel. Die auch bei uns bekannten BYD (4,3 Millionen) und Great Wall (1,2 Millionen) zum Beispiel produzierten deutlich mehr, wie auch Chery (2,6 Millionen) oder Geely (2,2).

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XPENG P7

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Volkswagen hält übrigens seit 2023 eine Beteiligung von 4,99 Prozent an Xpeng. Seit 2024 gibt es die Marke auch bei uns, zum Modellprogramm gehören zwei SUV – G6 und G9 – und die Limousine P7. Die muss jetzt im Test zeigen, was sie kann. Fährt sie im grünen Bereich?

Beim Design kann der P7 durchaus punkten

Eins muss man ja sagen – beim Design merkt man Xpeng die vielleicht fehlende Erfahrung bestimmt nicht an. Der P7 steht ganz selbstverständlich auf den Rädern, ohne irgendwelche schrägen Details oder Peinlichkeiten. So, als hätte Xpeng schon immer Autos gebaut.
Xpeng P7 RWD Long Range
Gut geraten: Der P7 steht optisch routiniert da. Die Limousine lässt wirklich nicht erahnen, dass Xpeng erst seit Kurzem Autos baut.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Flach und gestreckt, mit schmalen, durchgehenden Lichtbändern vorn und hinten, flachem Aufbau, rahmenlosen Scheiben und versenkten Türgriffen. Das wirkt alles sehr routiniert – vielleicht nicht besonders eigenständig. Aber dafür gibt es ja das gezackte Markenlogo vorn und den großen Xpeng-Schriftzug am Heck.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Einbaulage
hinten
Spitzenleistung
203 kW (276 PS)
Dauerleistung
80 kW (109 PS)
maximales Drehmoment
440 Nm
Vmax
200 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben, innenbelüftet
Testwagenbereifung
245/45 R 19 W
Reifentyp
Michelin Pilot Sport 4
Radgröße
8 x 19"
Reichweite*
576 km
Verbrauch*
16,8 kWh/100 km
Batterieart
Lithium-Ionen (NCM)
Batteriekapazität (netto)
82,7 kWh
Ladeleistung AC/DC
11/175 kW
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung)
29 Minuten
Ladeanschluss
hinten rechts
Vorbeifahrgeräusch
68 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
–/–
Stützlast
Kofferraumvolumen
440–915 l
Länge/Breite/Höhe
4888/1896/1450 mm
Radstand
2998 mm
Grundpreis
49.600 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
49.600 Euro
Das Platzangebot ist anständig, nicht riesig. Die fest gepolsterten Sitze vorn bieten guten Seitenhalt und Unterstützung auch im Schulterbereich, doch die Sitzauflage ist zu kurz und lässt sich auch nicht verlängern. Im Fond sitzt man mit stark angewinkelten Knien sehr, sehr flach über dem Boden, zudem fällt das Dach ziemlich stark ab – die Kopffreiheit ist nicht üppig.
Xpeng P7 RWD Long Range
Die Sitzposition in Reihe zwei ist eher flach, wegen der abfallenden Dachlinie fällt die Kopffreiheit nicht besonders üppig aus.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der Kofferraum schluckt 440 bis 915 Liter, die Rücklehne ist zweigeteilt umklappbar. Es gibt aber keine große Heckklappe – wie man angesichts der Karosserieform vielleicht vermuten könnte –, sondern nur eine recht kleine Ladeluke. Die maximale Zuladung liegt bei 426 Kilogramm – nicht besonders viel für eine Fünf-Meter-Limousine.

Innenraum orientiert sich an Tesla

Das Vorbild bei der Einrichtung war – wie bei vielen anderen E-Autos auch – natürlich Tesla. Also alles ganz reduziert und schnörkellos hier. Und wie üblich werden viele, sehr viele Funktionen über den Touchscreen gesteuert. Also zum Beispiel die Einstellung der Außenspiegel – erst mit dem Touchscreen, dann mit den Tasten am Lenkrad –, Licht, Klima und so weiter und so fort.
Xpeng P7 RWD Long Range
Das Cockpit ist klar und reduziert gestaltet, mit Zweispeichen-Lenkrad und großen Displays. Kaum noch mechanische Tasten und Schalter.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Alles leicht verwirrend. Und es lenkt eben auch ab. Wobei, auch das muss gesagt sein, die Menüs selbst gut organisiert sind, es gibt jede Menge Kurzwahltasten, wischt man von oben über den Schirm, erscheint ein Menü mit den wichtigsten Funktionen, auch die Grafik ist in Ordnung.

Multimedia nicht auf der Höhe der Zeit

Erstaunlich ist, dass, anders als vielleicht gerade von einem chinesischen Hersteller erwartet, das Multimedia nicht besonders gut funktioniert. Der Touchscreen reagiert verzögert, die Grafik des Navis ist wirklich schlicht, das DAB-Radio hat einen unzuverlässigen Empfang, der Sound klingt breiig und flach.
Xpeng P7 RWD Long Range
Erstaunlich träge: Der Touchscreen mit seiner schlichten Grafik reagiert verzögert auf Eingaben. Die Sprachsteuerung ist keine große Hilfe.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Und es geht so weiter: Das Navi halluziniert bei Staus und anderen Störungen ganz offensichtlich, die Verkehrszeichenerkennung ist außergewöhnlich fantasievoll, und die beiden Standard-Antworten der Sprachsteuerung lauten: "Xpeng weiß nicht, wie es funktioniert" und "Ich lerne noch, wie das funktioniert". Viel Glück dabei. Ganz sicher aber auch, das lehrt die bisherige Erfahrung mit chinesischen Herstellern, Xpeng wird das ziemlich schnell verbessern.

Heckantrieb mit ausreichend Kraft

Zum Test tritt der hinterradgetriebene P7 RWD Long Range mit 82,7 kWh (netto) großem Akku und E-Motor (permanenterregter Synchronmotor, PSM) im Heck mit 276 PS an. Er sprintet in 6,4 Sekunden auf 100 km/h, abgeriegelt wird bei 200 km/h – die der Xpeng mühelos schafft.
Xpeng P7 RWD Long Range
Ganz ordentlich: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der 276 PS starke Xpeng 6,4 Sekunden. Bei 200 km/h ist Schluss mit Vortrieb.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Das 400-Volt-E-System funktioniert einwandfrei, reagiert allerdings nicht besonders feinfühlig, sondern etwas nervös. Die Rekuperation lässt sich – im Menü – in vier Stufen verstellen, arbeitet insgesamt eher mild bis zurückhaltend. Einen One-Pedal-Modus bis zum Stand gibt es nicht.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,9 s 
0–100 km/h
6,4 s 
0–130 km/h
9,7 s 
0–160 km/h
14,1 s 
0–200 km/h
23,0 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,9 s 
80–120 km/h
3,7 s
Leergewicht/Zuladung
2024/426 kg
Gewichtsverteilung v./h.
46/54 %
Wendekreis links/rechts
11,8/11,9 m
Sitzhöhe
555 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,5 m 
aus 100 km/h warm
34,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A) 
bei 100 km/h
63 dB(A) 
bei 130 km/h
68 dB(A)
bei 160 km/h
71 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
18,6 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
24,0 kWh/100 km
(+43 %)
Sportverbrauch
30,6 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite
362 km
Mit den 276 PS fährt der P7 lebhaft – wiegt mit zwei Tonnen für ein E-Auto dieser Größe auch gar nicht besonders viel – und mühelos, bleibt dabei stets leise. Die im Test gemessenen 68 dB(A) bei 130 km/h sind ein guter Wert. Der Test-P7 stand auf Michelin Pilot Sport 4, liegt auf glatten Straßen fest, mit ordentlich Grip und guter Seitenführung, schluckt lange Wellen recht gelassen. Kurze Anregungen, Querfugen und Ähnliches nimmt er jedoch hölzern bis poltrig, wird dann unruhig.

Fahrprogramme ohne Einfluss auf die Lenkung

Die Lenkung arbeitet viel zu leichtgängig und völlig abgekoppelt, vermittelt keinerlei Gefühl für Straße und/oder Auto. Und zwar egal in welchem Modus – Komfort, Standard oder Sport. Die sind wohl eher symbolisch gemeint. Ordentlich machen dagegen die – serienmäßigen – Brembo-Bremsen ihre Arbeit, der P7 stand im Test beim Stopp aus Tempo 100 km/h mit warmen Bremsen nach 34,4 Metern.
Xpeng P7 RWD Long Range
Ziemlich taub: Die Lenkung arbeitet vollkommen entkoppelt. Dabei ist es egal, welches Fahrprogramm man gewählt hat.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der 82,7-kWh-Akku kann mit 11 kW Wechsel- und 175 kW Gleichstrom geladen werden, von 10 auf 80 Prozent Batterieladung dauert das dann im besten Fall 29 Minuten. Im Test schaffte der P7 bei angenehmen 22 Grad eine Reichweite von 362 Kilometern.

Wertung Xpeng P7 RWD Long Range

Wertung Xpeng P7 RWD Long Range
Karosserie
Ordentliches Platzangebot, Kofferraum Durchschnitt. Geringe Zuladung, keine Anhängelast.
3,5 / 5
Antrieb
Leistungsstarker E-Antrieb, gute Fahrleistungen. Rekuperation verstellbar, kein One-Pedal-Drive.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Friedliches Fahrverhalten. Komplett entkoppelte Lenkung. Gute Traktion, standfeste Bremsen.
3,5 / 5
Connected Car
Zwei Bildschirme, Navi mit Ladeplanung. Kein Head-up-Display. Spracheingabe unter Durchschnitt.
3 / 5
Umwelt
Großes Auto, zwei Tonnen Gewicht. Lokal emissionsfrei, im Vergleich relativ hoher Verbrauch.
3,5 / 5
Komfort
Sitze vorn mit kurzer Auflage, flache Position hinten. Leise. Bedienung verwirrend. Viel Ausstattung.
3,5 / 5
Kosten
Fairer Preis. Hoher Wertverlust. Jährliche Wartung, teure Kasko. Sehr umfangreiche Garantie.
3 / 5
AUTO BILD-Testnote
2,2

Übertrieben billig ist der P7 nicht

Den P7 RWD Long Range liefert Xpeng ab 49.600 Euro – mit sehr umfangreicher Ausstattung. Dazu gehören unter anderem Panorama-Glasdach, Wärmepumpe, elektrisch verstellbare Sitze vorn, Sitzheizung vorn und hinten, Klimaautomatik, Surround-Soundsystem. Und auch das Fahrerassistenzsystem Xpilot Assist 2.5 mit fünf Radarsystemen, zwölf Ultraschallsensoren, vier Surround-view-Kameras und sieben weiteren Kameras.
Xpeng P7 RWD Long Range
Für den sehr umfangreich ausgestatteten P7 RWD Long Range verlangt Xpeng 49.600 Euro – kein Schnäppchen, aber vergleichsweise günstig.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Im Vergleich ist das noch günstig. Aber keinesfalls übertrieben billig – was den chinesischen Herstellern ja gern mal unterstellt wird. Den BYD Seal Design mit 313 PS und 82,5-kWh-Akku etwa gibt es ab 48.990 Euro, den Hyundai Ioniq 6 mit 229 PS und 77,4-kWh-Akku ab 48.900 Euro und den VW ID.7 Pro mit 286 PS und 77-kWh-Akku ab 54.105 Euro. Am Ende fährt der P7 also durchweg im grünen Bereich – gar nicht schlecht für ein so junges Unternehmen, das erst seit 2018 Autos baut.

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Xpeng P7 RWD Long Range
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Fazit

von

AUTO BILD
Der Xpeng P7 sieht gut aus, bietet ordentlich Platz und anständige Fahrleistungen. Reichweite und Ladezeit sind guter Durchschnitt. Er bietet viel Ausstattung zum noch fairen Preis. Feinschliff brauchen vor allem die Lenkung und – etwas überraschend – auch das Multimediasystem. AUTO BILD-Testnote: 2,2