ADAC "EcoTest" 2016: Gewinner und Verlierer

ADAC "EcoTest" 2016: Umwelt-Ranking

— 06.12.2016

Saubermänner und Dreckschleudern

Erkenntnis des neuen "ADAC EcoTest": Viele moderne Diesel sind immer noch viel zu schmutzig. Und der Smart ist sogar als Benziner eine Dreckschleuder!

Der ADAC hat seit Bekanntwerden des VW-Abgasskandals seine Kriterien für Abgastests verschärft: Die Regularien sind strenger, auf dem Prüfstand saubere Autos werden bei realen Messungen im Straßenbetrieb nochmals überprüft (Bild oben). Seit September 2015 hat der ADAC nach seinen neuesten Regeln 45 Fahrzeuge auf ihre Umweltverträglichkeit gecheckt. Das Ergebnis: Viele Diesel und Benziner überschreiten die erlaubten Grenzwerte (Stickstoff, Partikel) zum Teil deutlich. Größter NOx-Sünder (Stickstoff) ist der Renault Captur, bei den Benzinern ist der Smart fortwo mit einem geradezu grotesken Testwert der traurige Spitzenreiter beim Partikelausstoß. Absolutes Schlusslicht im ADAC-Gesamtranking, das neben den Schadstoffemissionen auch den Verbrauch mit einbezieht, ist der SsangYong Korando. Das sauberste Auto ist laut ADAC das Elektroauto BMW i3.


Wegen Heckmotor-Konstruktion: Smart verpestet Luft

Die Ursache für den enorm hohen Partikelausstoß des Benziner-Smarts sieht der ADAC in der Heckmotor-Bauweise.

Schockierend ist das Messergebnis beim Smart fortwo: Der kleine Stadtflitzer, baugleich mit dem Renault Twingo, bläst nach ADAC-Messung pro Kilometer an die 8x1012 (acht Billionen) Partikel in die Luft. Ursache für diesen extrem schlechten Wert ist laut ADAC die Bauweise mit Heckmotor: "Infolge der erhöhten thermischen Belastung aufgrund schlechterer Kühlung steigt der Ausstoß an Feinstaub beim Smart extrem an und liegt mehr als doppelt so hoch als bei den bisher schlechtesten Benzin-Direkteinspritzern", heißt es in der Erläuterung. Besonders grotest, so finden die Tester: Lediglich für Benzin-Direkteinspritzer gibt es in Deutschland Grenzwerte, der Smart verpestet die Luft also ganz legal. Insgesamt elf der seit September 2015 überprüften Benziner lagen laut ADAC-Testergebnis mit ihrem Partikelausstoß zum Teil deutlich über dem Grenzwert, der von September 2017 an gelten wird. 

NOx: Renault-Modelle beim Stickoxid "auffällig"

Der Renault Captur ist die größte Stickoxid-Schleuder im aktuellen ADAC EcoTest.

Auch in Sachen NOx (Stickoxide) gibt der ADAC keine Entwarnung. Zwar gab es keine so dramatischen Ausreißer wie noch bei früheren Messungen, doch 16 der 26 getesteten Diesel sowie erstmals auch ein Benziner überschritten den gesetzlichen Grenzwert von 80 mg/km beim verschärften WLTC-Test deutlich. Die Hälfte der Kandidaten erhielt von den ADAC-Experten wegen ihrer hohen Stickoxid-Emissionen keinen einzigen Punkt im Schadstoffkapitel. Spitzenreiter der NOx-Umweltsünder ist der Renault Captur dCi 90, der auf dem Prüfstand nach den schärferen WLTC-Kriterien beim Kaltstart mehr als 460 mg/km herausblies – das ist mehr als das 5,5-fache des aktuell erlaubten Wertes im NEFZ-Zyklus.
ADAC EcoTest 2016: So wird gemessen
Die Messungen auf dem Abgasprüfstand werden durch reale Straßenmessungen (RDE, Real Driving Emissions) ergänzt. Auf dem Prüfstand werden realitätsnähere Testzyklen gefahren, der veraltete "Neue Europäische Fahrzyklus" (NEFZ) wird durch den künftigen Weltzyklus WLTC (in der Version 5.3) ersetzt. Zusätzlich wurden die Schadstoffgrenzwerte verschärft, für eine sehr gute Bewertung muss ein Auto nicht nur die Grenzwerte erfüllen, sondern spürbar unterschreiten. Die klassenabhängige CO2-Bewertung wurde abgeschafft, um alle Fahrzeuge im Test uneingeschränkt vergleichbar zu machen. Zusätzlich werden nun auch die durchschnittlichen Schadstoffemissionswerte angegeben.
Quelle: ADAC
Grundsätzlich bewertet der ADAC sämtliche überprüften Renault-Modelle als "auffällig", weil sie mit ihrem einfachen NOx-Speicherkat zu viel Stickstoff in die Luft pusten. Auch Fahrzeuge von Kia/Hyundai und Ford schneiden laut Club "durchgehend schlecht ab". Laut ADAC sei letztendlich aber nicht nur das Abgasnachbehandlungssystem dafür verantwortlich, wie sauber ein Fahrzeug ist. Das zeigten zwei Beispiele: Der BMW 118d ist mit einem einfachen NOx-Speicherkat ausgestattet und überzeugte dennoch mit einem geringen NOx-Ausstoß. Anders verhalte es sich beim Peugeot 208 BlueHDi 100: Als einer von wenigen Kleinwagen besitzt der 208 ein teureres SCR-System, das mittels zusätzlicher Harnstofflösung für saubere Abgase sorgen soll. Die Reinigung funktioniere zwar im Zulassungszyklus, erläutert der ADAC – fahre man den verschärften WLTC, steige der NOx-Ausstoß aber auf über 230 mg/km.

Auch ein Benziner unter den NOx-Sündern

Erstmals ist auch ein Benziner unter den NOx-Sündern: Der Opel Corsa 1.0 DI überschritt im ADAC-EcoTest mit 160 mg/km sogar den Diesel-Grenzwert um das Zweifache. Der Benziner-Grenzwert von 60 mg/km wird um mehr als das 2,5-Fache überschritten.

Gesamtranking: BMW i3 top, SsangYong Korando flop

Schlusslicht im Gesamtranking: Der SsangYong Korando erhält wegen hohen Verbrauchs und vieler Emissionen einen einzigen von 100 möglichen Punkten.

Im Gesamtranking der saubersten Autos landeten zwei der 26 getesteten Diesel unter den Top Ten: der Mercedes E220 d 9G-Tronic (Platz 7) sowie der BMW 118d Urban Line Steptronic (Platz 9). Vor allem die E-Klasse habe auch im Straßenbetrieb sehr wenig Stickstoff ausgestoßen, so der ADAC. Bester Benziner unter den insgesamt 45 Fahrzeugen ist der Mitsubishi Space Star 1.2 Clear Tec Top auf dem achten Platz. Das laut ADAC sauberste Auto ist der Stromer BMW i3, der sowohl beim Schadstoffausstoß als auch bei der CO2-Emission die volle Punktzahl erhielt. Für ein reines Elektroauto ist das im ADAC EcoTest 2016 keine Selbstverständlichkeit, wie das Abschneiden des ebenfalls geprüften Tesla zeigt: Der Tesla Model S P90D landete auf Platz sechs, mit Abzügen in der CO2-Wertung – also wegen seines vergleichsweise höheren Energiebedarfs.

ADAC "EcoTest" 2016: Gewinner und Verlierer

Autor: Maike Schade

Stichworte:

ADAC Abgasskandal Diesel

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