Vergleich: Alfa4C gegen Porsche Cayman

Alfa 4C/Porsche Cayman: Vergleich

— 04.10.2013

Ein Porsche sieht rot

Der Alfa 4C ist stark. Schön. Hat einen Mittelmotor. Und fordert den Porsche Cayman. Wächst da wirklich ein Gegner heran? Ein erster Vergleich der beiden Sportler.

Es war keine Anreise, wie sie ein Sportwagen liebt. Erst regnet es in Stuttgart junge Hunde, dann Bummeltempo durch die radarverseuchte Schweiz, und zu allem Überfluss wird vor Mailand die Autobahn gesperrt. Ist doch kein Leben für einen Porsche Cayman, der sich lieber in Deutschland die Seele aus dem Leib gehechelt hätte, als sich nach sechs Stunden Autostrada locker den Staub aus den Blechfalten zu klopfen. Topfit fürs erste Date mit einem Neuling, der an seinem Thron kratzt, am Titel als begehrtester Mittelmotor-Sportler der Welt. Wie kann er es wagen, dieser Alfa 4C, dieser feuerrote Romeo?

Überblick: Alle News und Tests zum Alfa 4C

Video: Alfa Romeo 4C

So fährt der Alfa 4C

Die Italiener haben doch tatsächlich eingelöst, was der Name ihres neuen Coupés schon seit der ersten Vorstellung 2011 verspricht: knapp vier Meter Länge, gewichtsoptimierte vier Zylinder und ein Leistungsgewicht von vier Kilo pro PS. "Ein Sportler, der die DNA von Alfa besitzt und unseren Neustart auf allen Weltmärkten einleitet", so Markenchef Harald Wester vollmundig. Die Italiener vollführen im Design einen U-Turn, der sich verführerisch und leichtgewichtig abhebt von den zuletzt fetten, beliebigen Serien-Alfa. Hätten wir nicht erwartet. Bravo, auch für den technischen Aufwand mit Kohlefaser-Monocoque, Alurahmen und Diät bis in den Bremsscheibenträger aus Leichtmetall. Der Ehre halber müssen wir zu den 895 Kilo Trockengewicht noch Benzin, Öl, Wasser und je nach Käufer eine Klimaanlage hinzurechnen, trotzdem spenden wir jedem Autobauer Applaus, der in schweren Zeiten ein neues Auto unter 1000 Kilo hält. Bravissimo! So klein, so kurz, so diätoptimiert bricht das Coupé ins Porsche-Revier ein. Und das mit einer optischen Ouvertüre, die jeden Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Neuen auslöscht. Der 4C sieht einfach hinreißend aus: das Scudetto, der dreieckige Grill, wie ein Ausrufezeichen vorweg, dahinter ein rasanter Kurzfilm aus prallen Formen und leicht schwingenden Linien, gekrönt von verführerischen Details wie den zarten Türgriffschälchen, die immer nur einzelne Finger anlocken, aber nie die ganze Hand. Großes Kino! Ruft da jemand Sammlerstatus?

Überblick: Alle News und Tests zum Porsche Cayman

Alltagstauglicher Sportler: Dem Cayman schaut der porschige Vollwertnutzen aus jeder Pore.

Gegen so viel versammelte Designzitate aus der Alfa-Historie kann der Cayman, immerhin schlankster aller Porsche, nur sachlich wirken. Irgendwie schwäbisch, länger, höher, alltagskompetenter, obwohl das Coupé doch überall an Schärfe und Profil zugelegt hat. Dem Cayman schaut der porschige Vollwertnutzen aus jeder Pore, erst recht nach dem Einsteigen. Hier wohnt der Geist der Großserie, vom Teppich bis in die Breite, in der von Schaltern übersäten Mittelkonsole, die mittlerweile in jedem Porsche aufragt. Die Aufpreisliste ist gefühlt so lang wie im Alfa die Betriebsanleitung. Der markentypische Boxer? Muss irgendwo hinten liegen, jedenfalls ragt von ihm nur der Öleinfüllstutzen hervor. Der Vierzylinder, den Alfa stolz als 1750er bezeichnet (noch so eine Reminiszenz an alte Sportmotoren), hat nur halb so viel Hubraum wie der Porsche-Motor, inszeniert sich dafür wie ein Großer: sichtbar unter Glas direkt hinter den Kopfstützen und unüberhörbar, weil der Testwagen aus der Startserie den Sportauspuff hat, den später – jede Wette – alle Kunden dazubestellen. Wie haben die Italiener diesen Gänsehaut-Erreger nur durch die Homologation geschmuggelt?

Rassiger Italiener mit Wow-Effekt: Beim Alfa 4C treffen 240 PS auf nur 875 Kilogramm Trockengewicht.

So rumort der neu entwickelte Alumotor durch das nackte Monocoque, dessen sichtbare Fasern, nur mit Klarlack überzogen, der schwarzen Höhle etwas Glanz verleihen. Ist schon arg nüchtern, spartanisch wie in einem Lotus Elise oder früher im Renault Sport Spider. Gegen Aufpreis gibt es ein Radio oder eine Klimaanlage, aber nie eine Servolenkung. Wir starten. Die gesamte Unterhaltung gestaltet sich – dezent ausgedrückt – nun aus bordeigenen Mitteln. Auf den ersten Gasstoß beginnt der Vierzylinder zu röhren, pfeifen, brüllen und spotzen. Der 4C schießt so flott durchs Drehzahlband, dass die Finger an den Schaltpaddeln kaum mit dem Flippern der Gänge nachkommen. Unter Volllast sollen bis zur nächsten Schaltstufe nur 130 Millisekunden vergehen, begleitet von einem kurzen Rülpser beim Hinaufschalten und hinab von einem Zwischengas-Schmatzer. Wer braucht da Radio?

Weitere Details zu den beiden knackigen Sportlern gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel lesen Sie in AUTO BILD 40/2013. Dazu im neuen Heft: Neuer Golf Variant gegen Ford FocusTurnier und Toyota Auris Touring Sports. Und: Weltexklusiv – erste Fahrt im neuen Opel Monza. Sowie: Gebrauchtwagentest – Audi Q5 ab 19.000 Euro.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Sagt der Porsche zum Alfa: "Du Spielzeug." Der antwortet: "Du Cruiser." Ich meine: Sportwagen sind sie beide. Der 4C mit Schweißperlen und kribbelnder Haut, der Cayman mit seiner zweiten Identität als Hamburg–München-Express.

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